Joseph und Victoria: Tirol kämpft für zwei Studenten, die abgeschoben werden sollen

Joseph und Victoria: Tirol kämpft für zwei Studenten, die abgeschoben werden sollen

Acht Jahre in Österreich aufgewachsen, maturiert, studiert, ehrenamtlich aktiv – und trotzdem sollen Joseph (22) und Victoria (24) Oshakuade nach Nigeria abgeschoben werden. Ihr Fall bewegt ganz Tirol.

Wer Joseph und Victoria sind

Als Joseph und Victoria Oshakuade als unbegleitete Minderjährige aus Nigeria nach Österreich flüchteten, waren sie 13 und 15 Jahre alt. Das war vor achteinhalb Jahren. Wie tirol.orf.at berichtet, wuchsen sie zunächst in einer Unterkunft in Scharnitz auf, zogen dann in das SOS-Kinderdorf Biwak in Hall in Tirol – eine Wohngemeinschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Beide absolvierten das Akademische Gymnasium in Innsbruck und maturierten. Heute studiert Joseph Betriebswirtschaftslehre am MCI Management Center Innsbruck, Victoria macht eine IT-Ausbildung. Sie sprechen fließend Deutsch – im Tiroler Dialekt.

Wie profil berichtet, engagierten sich beide auch ehrenamtlich: Joseph besuchte regelmäßig Bewohner eines Altenheims, Victoria unterstützte Kinder in einer Innsbrucker Volksschule beim Lernen – beide wurden dafür ausgezeichnet. Efendi Onay, ehemaliger Leiter des SOS-Kinderdorf Biwak und heute Obmann des Integrationsbüros Innsbruck, nennt die Geschwister gegenüber meinbezirk.at „Vorbilder für viele Jugendliche“.

Festnahme ohne Vorwarnung

Ende März kam der Schlag: Im März 2026 wurde auch ihr dritter Asylantrag abgelehnt. Kurz darauf standen Polizeibeamte vor ihrer Wohnungstür in Wattens. „Als ich die Polizei gesehen habe, war mir schwindelig, ich konnte mich nicht mehr bewegen“, schildert Joseph gegenüber profil. Die Geschwister wurden getrennt, zunächst in Tirol in Schubhaft genommen, dann nach Wien überstellt – mit den Kleidern, die sie am Körper trugen. In Wien sollten sie bei Behörden und der nigerianischen Botschaft erscheinen, um die Abschiebung vorzubereiten.

Doch die Botschaft stellte keine Heimreisedokumente aus. Ohne diese Papiere ist eine Abschiebung nicht möglich. Die Geschwister sind vorerst wieder in Innsbruck – die Ungewissheit bleibt. Wie heute.at berichtet, stellt das Innenministerium klar: Die Abschiebebescheid ist aufrecht und kann jederzeit vollzogen werden.

Eine Welle der Solidarität

Seit der Fall publik wurde, wächst der Widerstand. Wie die Tiroler Tageszeitung berichtet, haben die Hochschülerschaft des MCI in einem offenen Brief Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Christian Stocker, Innenminister Gerhard Karner und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner um Unterstützung gebeten. Auch der Präsident des Tiroler Roten Kreuzes, Günther Ennemoser, der die Geschwister aus ihrer Jugendrotkreuz-Zeit kennt, sprach sich laut tirol.orf.at klar aus: „Jungen Menschen, die in Österreich integriert sind, hier studieren und arbeiten, darf der Weg in eine gute Zukunft nicht verwehrt werden.“ Mehrere Innsbrucker Fußballvereine haben sich ebenfalls positioniert.

Wie profil berichtet, wurden bereits über 22.000 Unterschriften für eine Petition gegen die Abschiebung gesammelt. Für den 10. April ist eine Kundgebung vor dem Innenministerium in Wien geplant, für den 11. April eine Demonstration in Innsbruck.

Politischer Druck – auch quer durch die Parteien

Bemerkenswert ist die parteipolitische Breite der Kritiker. Wie heute.at berichtet, sprechen sich SPÖ-Ministerin Eva-Maria Holzleitner sowie Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger gegen die Abschiebung aus. Abwerzger nennt den Fall „tragisch“ und bringt ein humanitäres Bleiberecht ins Spiel.

Das Innenministerium bleibt trotzdem bei seiner Linie: Drei Asylanträge wurden abgelehnt, außerdem wird auf „beharrliche Ausreiseverweigerung“ verwiesen. Gegen die letzte negative Entscheidung – die auch ein zweijähriges Einreiseverbot umfasst – läuft laut meinbezirk.at noch eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof. Wann eine Entscheidung fällt, ist unbekannt.

Credits: APA

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