Ein Jugendgericht in Italien entzieht einer Mutter das Recht, bei ihren Kindern zu wohnen. Der Fall sorgt für einen politischen Sturm – bis in die Chefetage der Regierung.
Das Gericht trennt Mutter und Kinder
Ein britisch-australisches Elternpaar mit drei Kindern lebte bis November in einem abgelegenen Steinhaus im Wald in den Abruzzen – bewusst abseits der Konsumgesellschaft, ohne fließendes Wasser, ohne Strom, ohne regulären Schulbesuch. exxpress Nun eskaliert der Fall.
Das Jugendgericht L’Aquila hat in einer neuen Entscheidung die Mutter Catherine Birmingham aus der betreuten Einrichtung in Vasto entfernen und die drei Kinder in eine andere Struktur verlegen lassen. Euronews Das Gericht begründete die Entscheidung mit Problemen bei der Einhaltung interner Regeln und Spannungen zwischen Mitarbeitern der Einrichtung und der Mutter, deren Verhalten als „nicht protokollkonform“ bewertet wurde. Kritisch gesehen wurden insbesondere ihre ausgeprägten umweltbezogenen Überzeugungen. exxpress
Die Mutter weist die Vorwürfe zurück. Catherine Birmingham betont, sie habe sich stets an die Regeln des Schutzprogramms gehalten. Abruzzo Speciale
Wie alles begann: Pilzvergiftung als Auslöser
Die Familie – Mutter Catherine Birmingham (45, Australierin) und Vater Nathan Trevallion (51, Brite) – wurde im September 2024 den Behörden gemeldet, nachdem die Kinder mit einer Pilzvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden waren. Mediaset Infinity
Das Jugendgericht entzog den Eltern am 13. November das Sorgerecht. Seitdem leben die drei Kinder – ein achtjähriges Mädchen und siebenjährige Zwillinge – in einer betreuten Einrichtung. Die Richter bemängelten die Lebensbedingungen im Waldhaus sowie fehlenden Sozialkontakt der Kinder. exxpress
Laut Euronews hat sich die Lage in der Einrichtung zuletzt zugespitzt: Die Kinder zeigten aggressive und destruktive Verhaltensweisen und griffen in einigen Fällen Betreuerinnen mit Stöcken an. Euronews
Meloni: „Kinder gehören nicht dem Staat“
Die Entscheidung des Gerichts löste breite politische Empörung aus. Wie il Giornale berichtet, schrieb Premierministerin Giorgia Meloni auf Facebook von einer „absurden Verkettung von Entscheidungen mit klarem ideologischem Charakter“ und bezeichnete den neuerlichen Schritt als „weiteres, schweres Trauma“ für die Kinder. Il Giornale
Auf X legte sie nach: „Kinder gehören nicht dem Staat: Kinder gehören ihren Müttern und Vätern. Ein Staat, der meint, sich an ihre Stelle setzen zu können, hat seine Grenzen vergessen.“ exxpress
Auch der Psychiater Tonino Cantelmi, der die Familie unterstützt, sprach von einem „Skandal“ und erklärte, er sei als Fachmann fassungslos: Es sei falsch, die Kinder einem erneuten Trauma auszusetzen und ihnen die Mutter zu entziehen. exxpress
Italianweit breite Kritik
Der Widerspruch kommt von vielen Seiten. Wie Il Sole 24 Ore berichtet, forderte die nationale Kinderrechtsbeauftragte Marina Terragni, die Entscheidung zu suspendieren und zunächst ein unabhängiges medizinisches Gutachten über die Folgen der Trennung für die Kinder einzuholen. Il Sole 24 ORE
Der Regionalpräsident von Abruzzen, Marco Marsilio, nannte die Entscheidung laut il Giornale „intempestiv, unpassend und unverhältnismäßig“ und betonte, sie gefährde das Recht der Kinder auf ein stabiles, liebevolles Umfeld. Il Giornale
Unterdessen berichten die Anwälte der Familie laut Abruzzo Speciale, das Gericht habe die Anordnung mitten in einer laufenden psychologischen Begutachtung der Kinder erlassen – was die Verteidigung scharf kritisiert. Abruzzo Speciale
Der Fall ist noch lange nicht entschieden. Die Gutachten zur elterlichen Erziehungsfähigkeit laufen – ihr Ergebnis wird über die Zukunft der Familie bestimmen.
Quellen: exxpress.at, Il Sole 24 Ore, Il Giornale, Euronews Italia, Abruzzo Speciale, Mediaset Infinity
Credits: APA
Neueste Kommentare