Israels Generalstabschef schlägt Alarm: Armee droht innerer Kollaps

Israels Generalstabschef schlägt Alarm: Armee droht innerer Kollaps

Es sind ungewöhnlich deutliche Worte für eine Kabinettssitzung. Wie der israelische Sender Channel 13 berichtet, warnte IDF-Generalstabschef Eyal Zamir in einer Sitzung des Sicherheitskabinetts Ende März 2026, die israelische Armee werde „in sich zusammenbrechen“. Wörtlich soll er den Ministern zugerufen haben: „Ich hebe zehn rote Flaggen.“ Seine Kernforderungen: ein umfassendes Wehrpflichtgesetz, ein Reservedienstgesetz und eine Verlängerung des Pflichtdienstes. Ohne diese Maßnahmen, so Zamir laut Times of Israel, werde die IDF in absehbarer Zeit ihre regulären Aufgaben nicht mehr erfüllen können und das Reservesystem nicht mehr standhalten.

Mehrfrontenkrieg überfordert das System

Der Hintergrund dieser Eskalation: Israel operiert aktuell gleichzeitig an einer Vielzahl von Fronten – im Libanon, in Gaza, im Westjordanland, in Syrien und gegen Ziele im Iran. Wie ynet berichtet, wächst dabei die Zahl der Einsätze kontinuierlich, während gleichzeitig zusätzliche Kräfte im Westjordanland gebunden werden – etwa durch den Schutz neu legalisierter Siedlungsvorposten. Zamir warnte laut Israel National News ausdrücklich: Mehr Siedlungen bedeuteten mehr Schutzbedarf, mehr Soldaten – und die Armee habe diese nicht.

Seit Oktober 2023 stehen Reservisten über Monate im Dauereinsatz. Die personelle Lücke ist erheblich: Wie Times of Israel unter Berufung auf Ex-Premier Naftali Bennett berichtet, fehlen der IDF aktuell rund 20.000 Soldaten.

Das Haredim-Problem: Politisch blockiert

Der strukturelle Kern des Problems liegt in der politischen Blockade rund um die Wehrpflicht für ultraorthodoxe Juden (Haredim). Wie die Weltwoche berichtet, müssten diese Gruppen nach Zamirs Forderung in ein künftiges Wehrgesetz einbezogen werden – bisher genießen sie weitgehende Ausnahmen. Da die Netanjahu-Koalition auf die Unterstützung ultraorthodoxer Parteien angewiesen ist, scheiterte die Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht bislang politisch. Laut Wikipedia-Dokumentation zur IDF meldeten sich zwischen Juli 2024 und März 2025 von 10.000 zugestellten Einberufungsbefehlen an Haredim lediglich 177 tatsächlich zum Dienst.

Netanjahu schweigt – Opposition schlägt Alarm

Premier Benjamin Netanjahu kommentierte Zamirs Warnung in der Kabinettssitzung nicht, wie die Weltwoche berichtet. Sein Büro erklärte später, man arbeite an den entsprechenden Gesetzen, werde dabei aber von rechtlichen Beratern blockiert.

Die Opposition reagierte scharf. Oppositionsführer Yair Lapid warf der Regierung laut Times of Israel vor, die Armee in einen Mehrfrontenkrieg zu schicken „ohne Strategie, ohne ausreichende Ressourcen und mit zu wenig Soldaten“. Lapid betonte: „Diesmal kann die Regierung nicht sagen, sie habe es nicht gewusst.“ Auch Ex-Premier Naftali Bennett forderte die sofortige Einberufung von Haredim: Würde nur ein Fünftel der rund 100.000 wehrdiensttauglichen jungen Männer aus dieser Gruppe eingezogen, wäre das Problem lösbar. Ex-Generalstabschef Gadi Eisenkot unterstrich laut i24news, die politische Führung könne angesichts der Warnungen künftig keine Unwissenheit mehr geltend machen.


Quellen:

  • Weltwoche (weltwoche.de): Israels Armee am Limit – Generalstabschef warnt vor innerem Kollaps, 27. März 2026
  • Times of Israel (timesofisrael.com): Zamir said to warn cabinet that IDF will „collapse in on itself“, 26. März 2026
  • ynet (ynetnews.com): „IDF could collapse“ – military chief issues stark warning to cabinet, 26. März 2026
  • i24news (i24news.tv): Chief of Staff warns „The IDF is collapsing in on itself“, 26. März 2026
  • Israel National News (israelnationalnews.com): IDF Chief of Staff’s grim warning, 26. März 2026
  • Channel 13 (Israel): Originalberichte zur Kabinettssitzung, zitiert nach obigen Quellen

Credits: APA

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