Israelischer Regierungsbericht warnt vor Muslimbruderschaft-Netzwerken in Europa – auch Österreich genannt

Israelischer Regierungsbericht warnt vor Muslimbruderschaft-Netzwerken in Europa – auch Österreich genannt

Ein neues Dokument aus Jerusalem beschreibt Einflussstrukturen der Muslimbruderschaft in Europa. Die Analyse verdient Aufmerksamkeit – und Einordnung.

Wien/Jerusalem. Das israelische Ministerium für Diaspora-Angelegenheiten und zur Bekämpfung von Antisemitismus hat am 26. Februar 2026 einen umfangreichen Bericht veröffentlicht, der Netzwerke der Muslimbruderschaft in Europa kartiert. Wie exxpress.at berichtet, wird darin auch Österreich ausdrücklich als Land mit „besonders aktiven Strukturen“ genannt – neben Schweden, Deutschland, Belgien, der Schweiz, den Niederlanden und anderen.

Zur journalistischen Einordnung: Der Bericht stammt von einer Regierungsbehörde eines Staates, der in einem direkten Konflikt mit der Hamas steht, die aus der palästinensischen Muslimbruderschaft hervorgegangen ist. Das macht ihn nicht automatisch falsch – aber eine kritische Lektüre ist geboten.

Was der Bericht beschreibt

Das Ministerium unter Minister Amichai Chikli warnt nicht primär vor Terroranschlägen, sondern vor langfristigem politischem Einfluss. Die Autoren sprechen von „legalistischem Islamismus“: Organisationen bewegen sich innerhalb der Gesetze, bauen aber über Vereine, Moscheeverbände, Jugendorganisationen und Dialogplattformen schrittweise Einfluss auf.

Die zentrale Frage laut Bericht: Wer gilt in Europa als legitimer Vertreter der Muslime – und wer bestimmt das?

Brüssel als Netzknoten

Im Zentrum der Analyse steht der Rat der Europäischen Muslime (CEM) mit Sitz im Brüsseler EU-Viertel, den mehrere Sicherheitsdienste laut Bericht als Koordinationsplattform der Muslimbruderschaft betrachten. Besondere Kritik gilt der Jugendorganisation FEMYSO, die regelmäßig mit EU-Institutionen zusammenarbeitet. Ein französischer Geheimdienstbericht bezeichnete sie demnach als „Jugendflügel“ der Struktur und als Kaderschmiede.

Das Europäische Parlament beschäftigte sich bereits 2025 mit dem Thema: In einer parlamentarischen Anfrage beklagten mehrere Abgeordnete, die Muslimbruderschaft sei durch Organisationen wie FEMYSO zu einem „regelmäßigen Partner“ der EU-Kommission geworden und erhalte erhebliche EU-Mittel, wie das Europäische Parlament in seiner Dokumentation festhält.

Was für Österreich gilt

Für Österreich zitiert der Bericht einen österreichischen Regierungsbericht aus dem Jahr 2021, der festhält: Entsprechende Aktivitäten seien zwar legal, könnten jedoch demokratischen Grundprinzipien widersprechen. Auch ein palästinensischer Verein mit Österreich-Bezug findet sich in einer Netzwerktabelle des Dokuments.

Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin, eine renommierte unabhängige Forschungseinrichtung, warnte bereits 2023 in einer eigenen Analyse, dass die Muslimbruderschaft seit den 1950er Jahren im Westen Strukturen aufgebaut habe, die seither stark gewachsen seien – und dass Europa sein Verhältnis zu ihr klären müsse.

Die andere Seite

Die betroffenen Organisationen – darunter FEMYSO und Islamic Relief Worldwide – bestreiten laut dem Bericht jegliche strukturelle Verbindung zur Muslimbruderschaft und bezeichnen entsprechende Vorwürfe als politisch motiviert. Auch in der Wissenschaft ist die Frage, wie die Muslimbruderschaft zu klassifizieren ist, umstritten: Während manche Forscher enge Verbindungen zu terroristischen Strukturen sehen, betonen andere ihren mehrheitlich gewaltfreien, politischen Charakter.

Offene Frage

Der israelische Bericht – abrufbar unter gov.il – ist ein politisches Dokument, kein unabhängiges Gerichtsurteil. Er benennt reale Organisationen mit Namen, ohne dass gegen diese rechtskräftig Verurteilungen vorliegen. Was bleibt, ist eine Debatte, die in Europa längst geführt wird: Wie geht eine offene Gesellschaft mit Organisationen um, die legal agieren, aber erklärtermaßen auf eine Transformation ebendieser Gesellschaft abzielen?


Quellen: exxpress.at, Israelisches Ministerium für Diaspora-Angelegenheiten (gov.il), Europäisches Parlament (europarl.europa.eu), Stiftung Wissenschaft und Politik Berlin (swp-berlin.org), Konrad-Adenauer-Stiftung (kas.de)

Credits: APA

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