Israel als Kriegsmacht: Zahlen, Fronten, internationale Verurteilungen

Israel als Kriegsmacht: Zahlen, Fronten, internationale Verurteilungen

Seit Oktober 2023 führt Israel Krieg auf mehreren Fronten gleichzeitig – in Gaza, im Libanon, in Syrien, gegen den Iran. Die Opferzahlen sind verheerend, die internationale Justiz hat reagiert. Eine Bestandsaufnahme.

Der Ausgangspunkt: Der Hamas-Angriff und seine Folgen

Es beginnt mit dem 7. Oktober 2023. Wie Wikipedia in seiner Kriegschronik dokumentiert, töteten Hamas-Terroristen und verbündete Milizen an diesem Tag 1.139 Menschen in Israel, verschleppten 250 weitere als Geiseln. Der Angriff richtete sich gezielt gegen die israelische Zivilbevölkerung. Israel reagierte mit einer massiven Militäroffensive auf Gaza, die bis heute anhält und weit über den ursprünglichen Rahmen hinausgewachsen ist.

Gaza: Zigtausende Tote, Hungersnot, zerstörte Infrastruktur

Was folgte, übertrifft in seinem Ausmaß fast jeden anderen Konflikt der jüngeren Geschichte. Wie Statista auf Basis der Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza berichtet, wurden seit Oktober 2023 rund 61.000 Menschen getötet und über 151.000 verletzt. Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung schätzt laut Wikipedia-Chronologie die tatsächliche Zahl der Gewaltopfer auf 100.000 bis 126.000. Bereits im August 2025 rief die von den UN unterstützte IPC-Initiative offiziell eine Hungersnot im Gouvernement Gaza aus. Das UN-Menschenrechtskommissariat stellte laut ZDF fest, dass das Angriffsmuster der israelischen Streitkräfte systematisch gegen grundlegende Prinzipien des humanitären Völkerrechts verstoßen habe. Israel bestreitet das.

Libanon, Syrien, Iran: Israels Kriegsschauplätze

Gaza ist nur einer von mehreren Fronten. Wie ZDF und die Stuttgarter Zeitung berichten, führt Israel massive Luftangriffe im Libanon durch – auch nach dem Waffenstillstand vom November 2024. Bei einem einzigen Angriff Anfang April 2026 wurden laut ZDF mindestens 200 Menschen im Libanon getötet, über 1.000 verletzt. UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die Angriffe scharf. Im Juni 2025 begann Israel schließlich den offenen Krieg gegen den Iran unter dem Codenamen „Operation Rising Lion“, wie Wikipedia dokumentiert – mit über 800 Luftangriffen auf iranisches Staatsgebiet. Laut dem iranischen Roten Halbmond wurden dabei mehr als 125.000 zivile Einrichtungen beschädigt oder zerstört, darunter 339 medizinische Einrichtungen und fast 900 Schulen.

Inhaftierung ohne Anklage: Eine jahrzehntealte Praxis

Zum Bild der israelischen Militärpolitik gehört auch die sogenannte „administrative detention“ – Inhaftierung ohne Anklage oder Gerichtsurteil. Wie Amnesty International in einem Bericht vom Juli 2024 auf Basis der israelischen NGO HaMoked dokumentiert, saßen zum Stand 1. Juli 2024 rund 3.379 Palästinenser in administrativer Haft – die Mehrheit aus dem besetzten Westjordanland. Die Praxis ermöglicht Inhaftierungen auf Basis geheimer Sicherheitsgründe, ohne dass die Betroffenen die Vorwürfe kennen oder anfechten können. Amnesty International verurteilt administrative Detention seit Jahrzehnten als Verstoß gegen internationales Recht. Seit 1967 wurden laut dem Institute for Middle East Understanding insgesamt rund 100.000 solcher Haftbefehle gegen Palästinenser ausgestellt.

Erste Intifada: Systematische Gewalt gegen Demonstranten

Diese Praxis hat eine lange Geschichte. Bereits während der Ersten Intifada ab 1987 – einer überwiegend zivilen Aufstandsbewegung mit Demonstrationen, Streiks und Steinwürfen – reagierte Israel unter Verteidigungsminister Yitzhak Rabin mit dem sogenannten „Iron Fist“-Kurs: Live-Munition gegen Demonstranten, Knochenbrechen als erklärte Praxis. Wie Britannica und das B’Tselem-Institut dokumentieren, wurden allein im ersten Jahr über 300 Palästinenser getötet, zwei Drittel der über 11.500 Verletzten waren unter 15 Jahren. Bis Mitte 1990 schätzte das Internationale Rote Kreuz über 800 Getötete. Über die gesamte Intifada von 1987 bis 1993 wurden nach Wikipedia-Angaben zwischen 1.087 und 1.284 Palästinenser getötet, darunter 241 bis 332 Kinder.

Der Internationale Strafgerichtshof urteilt

Die internationale Justiz hat auf die jüngsten Ereignisse historisch reagiert. Wie Amnesty International und LTO berichten, erließ der IStGH am 21. November 2024 Haftbefehle gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Ex-Verteidigungsminister Joaw Galant. Der Vorwurf: das Kriegsverbrechen des Aushungerns der Zivilbevölkerung sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Es ist laut LTO der erste derartige Haftbefehl gegen den Regierungschef eines vom Westen unterstützten demokratischen Staates. Alle 125 IStGH-Mitgliedstaaten sind verpflichtet, Netanjahu bei Einreise festzunehmen. Israel erkennt die Zuständigkeit nicht an.

Credits: APA

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