Teheran zeigt sich offen für ein Abkommen mit Washington – allerdings nur unter einer Bedingung. Die zweite Verhandlungsrunde findet am Dienstag in Genf statt, während die USA ihre Militärpräsenz in der Region massiv verstärken.
Verhandlungen unter Omans Vermittlung
Der Iran ist zu Kompromissen in der Atomfrage bereit, fordert aber eine Aufhebung der US-Sanktionen. „Wenn sie es ernst meinen, dann bin ich sicher, dass wir auf dem Weg zu einem Abkommen sind“, sagte Vize-Außenminister Majid Takht-Ravanchi in einem Interview mit der BBC. Der Ball liege im Feld der Amerikaner.
Wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtet, brach Außenminister Abbas Araqchi am Sonntag mit seiner Delegation in die Schweiz auf. Am Dienstag findet in Genf die zweite Verhandlungsrunde statt, nachdem beide Staaten am 6. Februar unter Vermittlung des Oman einen neuen Dialog begonnen hatten.
US-Delegation unter Trump-Vertrauten
Die US-Delegation wird laut dem Weißen Haus von Steve Witkoff und Jared Kushner, dem Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, angeführt. Wie finanzen.at berichtet, werden Witkoff und Kushner nach den Atomgesprächen voraussichtlich in Genf bleiben und an von den USA vermittelten Gesprächen zwischen Russland und der Ukraine teilnehmen.
US-Außenminister Marco Rubio hatte am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz erklärt, Trump bevorzuge zwar eine Einigung, es sei jedoch „sehr schwer“, eine mit dem Iran zu erzielen.
Weit auseinander liegende Positionen
Die Verhandlungsstandpunkte könnten kaum unterschiedlicher sein. Wie t-online berichtet, will der Iran ausschließlich über sein Atomprogramm und die Aussetzung von Sanktionen sprechen. Die USA wollen die Gespräche jedoch ausweiten und zusätzlich über die ballistischen Raketen des Irans und seine Unterstützung bewaffneter Gruppen wie der Hisbollah im Libanon und der Hamas im Gazastreifen verhandeln.
Militärische Drohkulisse
Trump hat mehrfach mit einem militärischen Angriff auf den Iran gedroht, sollte es keine Einigung geben. Wie die Tiroler Tageszeitung berichtet, haben die USA inzwischen einen zweiten Flugzeugträger als zusätzliche Drohkulisse in die Region entsandt.
Bereits im Juni 2025 hatte Israel mit Unterstützung der USA Atomanlagen im Iran angegriffen. Der massive Beschuss endete nach zwölf Tagen mit einer Waffenruhe. Nach iranischen Angaben wurde die wichtigste Atomanlage Fordo schwer beschädigt, die Urananreicherung wurde eingestellt.
Uranbestände als Verhandlungsmasse
Ein möglicher Kompromiss zeichnet sich ab: Von der BBC dazu befragt, ob Teheran bereit sei, seine Bestände von mehr als 400 Kilogramm hochangereichertem Uran außer Landes zu bringen, schloss Vize-Außenminister Takht-Ravanchi einen Deal nicht aus. Mehrere Länder, darunter Russland, haben Teheran angeboten, diese Bestände zu übernehmen.
Eine vollständige Einstellung der Urananreicherung – wie von Washington gefordert – stehe aber für Teheran „nicht mehr auf der Tagesordnung“.
Netanyahus Maximalforderungen
Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu forderte am Sonntag eine vollständige Aufgabe der iranischen Urananreicherung. „Alles angereicherte Material muss den Iran verlassen“, sagte Netanyahu in einer Rede in Jerusalem. Auch dürfe das Land keine Anreicherungskapazitäten mehr besitzen.
Massenproteste gegen Mullah-Regime
In München fand am Samstag eine Großkundgebung der iranischen Exil-Opposition statt. Wie die Tiroler Tageszeitung berichtet, nahmen nach Angaben der Polizei rund 250.000 Menschen an der Demonstration am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz teil. Der Sohn des 1979 gestürzten letzten Schahs, Reza Pahlavi, bekundete seinen Willen, den „Übergang zu einer säkularen, demokratischen Zukunft“ des Iran anzuführen.
Die regierungskritischen Proteste im Iran waren im Januar brutal niedergeschlagen worden. Die in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation Hrana bestätigte mindestens 7.010 Todesopfer, die meisten von ihnen Demonstranten. Mehr als 53.845 Menschen wurden festgenommen.
Credits: APA
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