Iran nach Khamenei: Regime enthauptet, aber nicht besiegt – wie geht es weiter?

Iran nach Khamenei: Regime enthauptet, aber nicht besiegt – wie geht es weiter?

Ayatollah Ali Khamenei ist tot. US-amerikanische und israelische Luftschläge haben den seit 37 Jahren mächtigsten Mann im Iran getötet. Was folgt jetzt – Systemkollaps, Militärdiktatur oder doch ein Regime Change?

Der Mann, der alles entschied

37 Jahre lang war Ali Khamenei das Nervenzentrum der Islamischen Republik. Nicht bloß als religiöse Figur, sondern als Schalthebel aller Macht: Politik, Militär, Justiz, Außenpolitik – alles lief durch ihn. Wie t-online berichtet, kontrollierte er als Oberster Führer auch die Revolutionsgarden direkt – jene paramilitärische Elite, die als Rückgrat des Regimes gilt.

Noch zwei Tage vor seinem Tod gab Khamenei bei einer Freitagspredigt die Richtung vor: keinerlei Einschränkung der Urananreicherung, egal was verhandelt wird. Laut Weltwoche-Korrespondent Urs Gehriger besiegelte er damit sein Schicksal – und zog die Konsequenz seiner kompromisslosen Haltung auf sich selbst.

Iranische Staatsmedien, darunter die Agenturen IRNA und Fars, bestätigten seinen Tod in der Nacht zum Sonntag. Er sei „als Märtyrer“ gestorben. Zuvor hatten bereits Trump und Netanjahu seinen Tod öffentlich verkündet.

Wer folgt nach – und kann überhaupt jemand folgen?

Das ist die entscheidende Frage. Denn laut der iranischen Verfassung müsste der sogenannte Expertenrat – ein Gremium aus 88 einflussreichen Geistlichen – den Nachfolger bestimmen. Als informell designierter Kandidat galt Khameneis Sohn Modschtaba, der bislang kaum öffentlich in Erscheinung getreten ist. Doch auch er soll bei den Angriffen ums Leben gekommen sein.

Wie das ZDF berichtet, ist unklar, wer tatsächlich folgen kann. Fest steht: Niemand im Mullah-System verfügt über vergleichbare religiöse Autorität und politische Gravitas. Auch der Council on Foreign Relations hielt in einem Bericht von Ende Februar fest, dass die iranische Führungsnachfolge ein offenes Feld ist – US-Außenminister Marco Rubio hatte noch im Januar erklärt, niemand wisse, wer nach Khamenei übernähme.

Die Revolutionsgarden – der härteste Kern bleibt

Der wichtigste Machtfaktor nach Khameneis Tod ist die Islamische Revolutionsgarde (IRGC). Sie ist die eigentliche Stütze des Systems: eine eigenständige Elitetruppe mit Heer, Marine, Luftwaffe und der gefürchteten Quds-Force, die zwischen 150.000 und über 200.000 aktive Soldaten umfasst.

Laut israelischen Militärangaben, die von nachrichten.at zitiert werden, wurden bei den Angriffen auch der IRGC-Kommandeur Mohammed Pakpour und Verteidigungsminister Aziz Nasirzadeh getötet. Der Iran bestätigte beides. Doch die Garde ist dezentral organisiert und breit aufgestellt. Gezielte Schläge können sie schwächen, aber nicht beseitigen.

Zusätzlich steht die Basidsch-Miliz bereit, die im Krisenfall bis zu 600.000 Mann mobilisieren kann – traditionell das Repressionsinstrument des Regimes gegen interne Proteste.

Regime Change: Wunschdenken oder reale Chance?

Trump appellierte in seiner Kriegserklärung direkt an die iranische Bevölkerung: Dies sei ihre Chance, die Regierung zurückzugewinnen. Er behauptet, viele Revolutionsgardisten suchten bereits Immunität und wollten nicht mehr kämpfen – eine Aussage, die sich laut Weltwoche-Analyse zur Stunde nicht verifizieren lässt und als psychologische Kriegsführung gewertet werden kann.

Auf den Straßen einiger Städte feierten Menschen nach Khameneis Tod, bestätigte die Nachrichtenagentur AFP anhand verifizierter Videos. Exil-Politiker Reza Pahlavi – Sohn des 1979 gestürzten Schahs – rief die Sicherheitskräfte zum Umsturz auf und bezeichnete jeden Versuch einer Nachfolgerbestimmung als „von vornherein zum Scheitern verurteilt“, wie nachrichten.at berichtet.

Gleichzeitig warnen Experten vor übertriebenen Erwartungen. Die NZZ schreibt, dass das Regime den Schah wegfegte, Revolutionen überlebt hat und zuletzt im Januar 2026 eine landesweite Protestwelle durch Massenerschießungen brutal niederschlug. Der CFR stellt fest, dass gerade diese Gewalt die Revolutionsgarden als unverzichtbaren Faktor für den Systemerhalt gestärkt hat – eine Militärherrschaft ohne religiöse Fassade ist ein realistisches Szenario.

Epochenwende – aber kein Ende in Sicht

Khameneis Tod ist ein historischer Einschnitt. Aber das System, das er aufgebaut hat, ist tiefer verankert als eine Person. Ob die Islamische Republik kollabiert, sich militärisch neu organisiert oder eine blutige Übergangsphase einleitet – das bleibt offen. Die Operation läuft weiter. Der Ausgang auch.


Quellen: Weltwoche (Urs Gehriger), Euronews, ZDF heute, t-online, NZZ, Tagesspiegel, nachrichten.at, Council on Foreign Relations, Times of Israel (01.03.2026)

Credits: APA

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