Iran-Krieg trifft die Energiemärkte: Was passiert mit dem Ölpreis?

Iran-Krieg trifft die Energiemärkte: Was passiert mit dem Ölpreis?

Der Angriff der USA und Israels auf den Iran versetzt die Rohölmärkte in helle Aufregung. Im Mittelpunkt der Sorge: die Straße von Hormus – das Nadelöhr des weltweiten Ölhandels.

Märkte in Alarmbereitschaft

Noch während die Explosionen in Teheran hallten, reagierten die Energiemärkte mit Nervosität. Wie Euronews berichtet, bereiten sich Analysten weltweit auf einen möglichen Versorgungsschock vor. Kurz vor den Angriffen notierte Brent-Rohöl bereits bei rund 72 US-Dollar pro Barrel, WTI bei etwa 67 US-Dollar – beides neue Langzeithochs, angetrieben von der eskalierenden geopolitischen Lage. Nach Beginn der Militärschläge schnellten die Preise weiter in die Höhe.

Die Straße von Hormus: Das Nadelöhr der Welt

Der eigentliche Schrecken der Energiemärkte hat einen Namen: Straße von Hormus. Die nur 50 Kilometer breite Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist der weltweit bedeutendste Seekorridor für Rohöltransporte. Laut dem US-Energieministerium EIA passierten 2024 täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl diese Passage – das entspricht fast 20 Prozent des gesamten weltweiten Verbrauchs. Auch ein Fünftel des globalen Flüssiggas-Handels verläuft dort hindurch.

Der Iran hat die Kontrolle über diese Route – und droht seit Jahren mit ihrer Sperrung. Laut Berichten des iranischen Senders Irinn hatte das Parlament in Teheran zuletzt sogar die Schließung auf die Tagesordnung gesetzt. Abgeordneter Esmail Kosari, Mitglied der nationalen Sicherheitskommission, erklärte: Die Sperrung sei beschlossen, die endgültige Entscheidung liege beim Obersten Nationalen Sicherheitsrat.

Was eine Blockade kosten würde

Die Zahlen, mit denen Experten rechnen, sind alarmierend. Die Analysten von Deutsche Bank Research warnen: Bei einer vollständigen Blockade der Straße von Hormus könnte der Brent-Preis auf über 120 US-Dollar pro Barrel klettern. Die Barclays Bank rechnet laut tecson.de bereits kurzfristig mit Spitzenwerten von 80 US-Dollar.

Für Autofahrer in Österreich und Deutschland würde das unmittelbar an der Zapfsäule spürbar werden. In Deutschland zogen die Spritpreise laut ADAC bereits am Morgen nach Beginn der Angriffe um fünf bis sechs Cent an – Super E10 kostete im Schnitt 1,74 Euro pro Liter, Diesel 1,63 Euro.

Auch der Heizölmarkt reagiert: Laut dem Energieportal tecson.de stiegen die Heizölpreise am Samstag merklich an, der Bundesdurchschnitt lag bei 101 Cent pro Liter.

OPEC bereitet Gegenmaßnahmen vor

Hinter den Kulissen laufen bereits Gegenmaßnahmen. Wie oe24.at berichtet, erwägt die OPEC eine kurzfristige Erhöhung der Fördermengen, um mögliche Lieferausfälle zu kompensieren. Saudi-Arabien hat laut tecson.de vorsorglich seine Produktion erhöht und größere Ölmengen in externe Zwischenlager gebracht – ein klassischer Notfallplan für den Fall, dass die Straße von Hormus gesperrt wird. Die OPEC+ könnte demnach beschließen, den täglichen Rohölausstoß im April um 137.000 Barrel pro Tag zu erhöhen.

Der Iran schadet sich selbst

Die Blockade der Straße von Hormus wäre für den Iran freilich ein zweischneidiges Schwert. Wie Commerzbank-Rohstoffanalyst Carsten Fritsch gegenüber ZDF heute erklärt, verschifft der Iran täglich selbst rund 1,5 Millionen Barrel Öl durch die Meerenge – Einnahmen, die den Staatshaushalt in Teheran finanzieren. Auch Hauptabnehmer China, der mehr als 80 Prozent der iranischen Ölexporte aufnimmt, würde direkt getroffen. Eine Blockade käme damit einem wirtschaftlichen Selbstschuss gleich.

Wie es weitergeht

Die Lage bleibt am heutigen Samstagabend extrem unübersichtlich. Für Montag erwarten Analysten laut tecson.de weitere Preissprünge nach oben, sollte die Eskalation anhalten. Pipelines könnten laut Internationaler Energie-Agentur (IEA) im Fall einer Blockade nur etwa ein Viertel der sonst durch die Straße von Hormus transportierten Ölmenge auffangen – zu wenig, um einen globalen Versorgungsschock zu verhindern.


Quellen: oe24.at, Euronews, tecson.de, ZDF heute, Deutsche Bank Research, Barclays Bank, US Energy Information Administration (EIA), ADAC

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest
0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x