Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz verschärft seinen Ton gegenüber Washington. Beim Norwegen-Besuch macht er klar: Berlin will aus dem Iran-Krieg herausbleiben – und kritisiert Trump offen für dessen Russland-Kurs.
Klare Ansage aus der Arktis
Während Merz gemeinsam mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre und dem kanadischen Premier Mark Carney das NATO-Manöver „Cold Response“ im norwegischen Bardufoss besuchte, ließ er an seiner Haltung zum Iran-Krieg keinen Zweifel. Wie das Handelsblatt berichtet, sagte Merz bei einer gemeinsamen Pressekonferenz: „Ich will es noch einmal sehr deutlich sagen: Deutschland ist nicht Teil dieses Krieges und wir wollen es auch nicht werden. Und insofern sind alle unsere Bemühungen darauf gerichtet, den Krieg zu beenden.“
Einem Militäreinsatz in der Straße von Hormus erteilte Merz dabei ebenfalls eine klare Absage. Wie web.de berichtet, sehe er derzeit „keine Veranlassung, über eine militärische Absicherung der Seewege nachzudenken“ – auch mit Blick auf eine mögliche deutsche Beteiligung.
Trump isoliert G7 – Merz spricht Klartext
Besonders scharf fiel die Kritik am US-Präsidenten aus. Wie das ZDF berichtet, hatte die US-Regierung kurz zuvor angekündigt, wegen der durch den Iran-Krieg gestiegenen Ölpreise vorübergehend den Kauf russischen Erdöls wieder zu erlauben. Merz bezeichnete diesen Schritt als „falsch“ und stellte klar, dass sechs der sieben G7-Staaten eine gegenteilige Meinung vertreten hätten. „Es gab eine sehr klare Meinung von sechs Mitgliedern der G7, dass dies nicht das richtige Signal ist“, sagte er – und machte damit deutlich, dass die Entscheidung Washingtons nicht abgesprochen war.
Wie der Tagesspiegel berichtet, ist das eine merkliche Kursänderung: Noch beim Besuch im Weißen Haus hatte Merz Trump im Iran-Kurs weitgehend unterstützt und die Angriffe der USA und Israels als durch „gute Gründe“ gerechtfertigt bezeichnet.
Kein Plan, keine Strategie – Merz fordert Exit
Die zunehmende Ungeduld des Kanzlers ist unüberhörbar. Wie web.de berichtet, kritisierte Merz offen das Fehlen einer Strategie zur Beendigung des Konflikts: „Es braucht einen überzeugenden Plan, es braucht eine Strategie, wie dieser Krieg zu einem Ende geführt werden soll. Derweil sehen wir eine gefährliche Eskalation.“
Dass dabei auch wirtschaftliche Interessen Deutschlands eine Rolle spielen, liegt auf der Hand. Die gesperrte Straße von Hormus trifft den deutschen Außenhandel empfindlich. Alle diplomatischen Kanäle würden genutzt, um den Konflikt zu beenden, betonte Merz – eine Formulierung, die auch eine indirekte Öffnung für direkte Gespräche mit dem Iran einschließt.
Koalition hinter Merz – aber nicht ohne Fragezeichen
Wie der Tagesspiegel berichtet, hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bereits im Bundestag ein Plädoyer für das Völkerrecht gehalten und klargestellt: „Deutschland ist nicht Kriegspartei.“ Die Koalition steht damit in der Sache beisammen – wenngleich die SPD intern die völkerrechtliche Grundlage der US-israelischen Angriffe schärfer bewertet als der Kanzler selbst.
Quellen:
- Handelsblatt / dpa: Merz kein Anlass für Militäreinsatz in Straße von Hormus (13. März 2026): handelsblatt.com
- ZDF heute: Eiskalt erwischt: Der Iran-Krieg verfolgt Kanzler Merz bis nach Norwegen (13. März 2026): zdfheute.de
- web.de / GMX: Merz: Deutschland ist nicht Teil dieses Krieges (13. März 2026): web.de
- Tagesspiegel: Der Kanzler, die Koalition und das Völkerrecht (11. März 2026): tagesspiegel.de
- deutschland.de / dpa: Merz: Keine deutsche Militärbeteiligung im Iran-Krieg (März 2026): deutschland.de
Credits: APA
Neueste Kommentare