Inflation sinkt auf 3,2 Prozent – aber Dienstleistungen bleiben hartnäckig teuer

Inflation sinkt auf 3,2 Prozent – aber Dienstleistungen bleiben hartnäckig teuer

Die Teuerung in Österreich hat sich im Juni merklich abgeschwächt. Doch hinter der guten Nachricht steckt ein strukturelles Problem: Die Inflation ist noch lange nicht besiegt.

Von 3,7 auf 3,2 Prozent

Die Inflationsrate für Juni 2026 beträgt laut einer Schnellschätzung der Statistik Austria voraussichtlich 3,2 Prozent – nach 3,7 Prozent im Mai. Im Vergleich zum Vormonat blieb das allgemeine Preisniveau unverändert, wie Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk am Mittwoch mitteilte. Den endgültigen Indexstand wird die Behörde am 17. Juli veröffentlichen.

Energie treibt den Rückgang – weniger als befürchtet

Der Hauptgrund für den Inflationsrückgang liegt laut Statistik Austria bei den Energiepreisen. „Die um 0,5 Prozentpunkte niedrigere Teuerung geht vor allem darauf zurück, dass Treibstoffe, aber auch Heizöl, im Juni weit weniger preistreibend als im Vormonat wirkten“, erklärte Lenk. Energie verteuerte sich im Juni um 5,4 Prozent – nach einem Plus von 9,8 Prozent im Mai. Auch bei Lebensmitteln, Tabak und Alkohol ließ der Druck nach: Diese Gruppe stieg um 1,5 Prozent, nach 2,2 Prozent im Vormonat.

Dienstleistungen bleiben das eigentliche Problem

Trotz des Rückgangs beim Gesamtwert zeigt eine Zahl, wie hartnäckig die Inflation in Österreich ist: Dienstleistungen verteuerten sich wie schon im Mai um 4,4 Prozent und sind damit weiterhin der bedeutendste Preistreiber im gesamten Warenkorb. Die Kerninflation – also die Teuerungsrate ohne volatile Energie- und Lebensmittelpreise – liegt laut Statistik Austria bei 3,3 Prozent und damit noch immer deutlich über dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Industriegüter stiegen unterdurchschnittlich um 1,1 Prozent.

Was das für Konsumenten bedeutet

Ein Gesamtwert von 3,2 Prozent bedeutet konkret: Die Preise steigen nach wie vor – nur langsamer als zuletzt. Wer im Juni 2025 für einen Wocheneinkauf 100 Euro ausgegeben hat, zahlt heute statistisch rund 103,20 Euro für dieselben Produkte. Die heute in Kraft getretene Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel von 10 auf 4,9 Prozent ist in dieser Schnellschätzung noch nicht enthalten – ihr Effekt auf die Inflationsrate wird sich erst in den Juli-Zahlen zeigen.

EINORDNUNG DER REDAKTION
Der Rückgang auf 3,2 Prozent ist eine gute Nachricht – aber kein Entwarnung. Österreichs Inflation liegt nach wie vor über dem EU-Durchschnitt und deutlich über dem EZB-Ziel. Dass Dienstleistungen konstant bei 4,4 Prozent verharren, zeigt das Kernproblem: Die Teuerung hat sich von den Energiepreisen in die Lohnstruktur und die Dienstleistungswirtschaft verlagert – ein Muster, das sich erfahrungsgemäß langsamer abbaut als ein Energiepreisschock. Die Mehrwertsteuersenkung könnte im Juli einen kleinen positiven Impuls liefern – aber nur, wenn der Handel sie tatsächlich vollständig weitergibt, was die Arbeiterkammer bereits angekündigt hat, genau zu beobachten.

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