Der ehemalige Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, geht Trump wegen des angekündigten Truppenabzugs aus Deutschland scharf an — und empfiehlt trotzdem Gelassenheit. Seine Begründung hat es in sich.
Scharfe Worte, klare Analyse
Heusgen lässt an seiner Einschätzung keinen Zweifel. Der angekündigte Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland sei „die Reaktion eines Egozentrikers, der keine Kritik vertrage“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland — eine direkte Anspielung auf den Streit zwischen Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz, der die US-Strategie im Iran-Krieg öffentlich kritisiert hatte.
Gleichzeitig schlägt Heusgen einen kühlen Ton an: Gelassenheit sei angebracht. Denn Trump habe schon in seiner ersten Amtszeit mit einer Verringerung der US-Truppen in Europa gedroht. Das Ergebnis damals: Am Ende waren mehr amerikanische Soldaten in Europa stationiert als zu Beginn.
Die USA würden sich selbst schaden
Heusgens eigentliches Argument ist ein strategisches. Die US-Soldaten in Deutschland dienten nicht etwa deutschen Interessen — sondern ureigenen amerikanischen. Die US-Kommandos für Europa und Afrika sind in Deutschland stationiert. Der Luftwaffenstützpunkt Ramstein ist ein zentrales Drehkreuz für die logistische Versorgung amerikanischer Truppen in Übersee. Das Militärkrankenhaus in Landstuhl versorgt verwundete US-Soldaten aus aller Welt. Mit dem Abzug seiner Truppen, so Heusgen, würden sich die USA schlicht selbst schaden.
Auch Euronews bestätigte diese Einschätzung: Selbst nach einem Abzug von 5.000 Soldaten bliebe Deutschland mit mehr als 30.000 stationierten US-Kräften der zweitgrößte US-Truppenstützpunkt weltweit — nur Japan liegt noch davor.
Pistorius: „War absehbar“ — Kiesewetter warnt
Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius zeigte sich von der Entscheidung wenig überrascht. Ein Abzug von US-Truppen aus Europa sei „absehbar“ gewesen, sagte er laut Euronews der Deutschen Presse-Agentur. Dennoch betonte er: „Die Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa und besonders in Deutschland ist in unserem Interesse und im Interesse der USA.“ Klar sei aber auch: „Wir Europäer müssen mehr Verantwortung für unsere Sicherheit übernehmen.“
CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sieht in dem Schritt sogar eine mögliche gezielte „Aktion gegen Deutschland“ und warnte vor den Folgen für die NATO-Sicherheitsarchitektur.
Trumps Ankündigung dürfte dabei noch nicht das letzte Wort sein: Am Wochenende ließ der US-Präsident durchblicken, die Truppenzahl noch weit stärker reduzieren zu wollen als die zunächst gemeldeten 5.000 Mann.
Credits: Von Michael Kuhlmann – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:MSC_Chairman_Christoph_Heusgen_at_the_59th_MSC,_2023-02-16.jpg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=162629295 – mit KI erweitert
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