Die Debatte um mögliche Verbindungen zwischen der FPÖ-Jugendorganisation und der rechtsextremen Identitären Bewegung nimmt weiter an Fahrt auf. Die Freiheitliche Jugend (FJ) weist die Vorwürfe entschieden zurück und geht ihrerseits scharf gegen Kanzleramtsministerin Claudia Bauer (ÖVP) sowie mehrere andere Parteien vor.
Der Ausgangspunkt: Ein „Standard“-Bericht
Grundlage der aktuellen Kontroverse ist ein Bericht der Tageszeitung „Der Standard“, der – großteils unter Berufung auf Insider – eine Verzahnung zwischen dem Ring Freiheitlicher Jugend und der studentischen Identitären-Tarngruppe „Aktion 451“ beschreibt. Ein Funktionär soll im Umfeld der Rechtsextremen sogar scherzhaft „Kreditkarte“ genannt worden sein – eine Anspielung, die auf eine finanzielle Rolle hindeuten würde.
Bauer kündigt Förderprüfung an
Kanzleramtsministerin Bauer reagierte mit der Ankündigung, die Bundesjugendförderung für die FJ prüfen zu lassen. „Sollten sich die kolportierten Zahlungen der FJ an den identitären Subverein aus Mitteln der Bundesjugendförderung bestätigen, wäre das mutmaßlich Fördermissbrauch“, betonte sie. Zusätzlich soll geprüft werden, ob die von Bauer eingeführte Antisemitismusklausel wegen einschlägiger Äußerungen von Identitären, die im Bericht angeführt werden, zur Anwendung kommen kann.
Weinzierl: „Fake-Kampagne eines linkslastigen Mediums“
FJ-Obmann und FPÖ-Nationalratsabgeordneter Maximilian Weinzierl holte in einer Aussendung zum Rundumschlag aus. Den „Standard“-Bericht bezeichnete er als „Fake-Kampagne eines linkslastigen Mediums“ und betonte, die FJ könne „finanzielle Unterstützung oder sonstige Geldflüsse an die Aktion 451 oder die Identitäre Bewegung ausschließen“. Der angekündigten Prüfung selbst blicke man daher „mit größter Gelassenheit entgegen“. Der Ministerin warf er vor, gegen die Jugendorganisation der stimmenstärksten Partei vorzugehen, während sie bei publik gewordenen Vorfällen in Jugendvereinen der Regierungsparteien wegsehe – konkret verwies er auf öffentlich bekannt gewordene Chats der ÖVP-Schülerunion mit „menschenverachtenden und NS-verharmlosenden Inhalten“ sowie Chats samt Hitler-Bild der roten Gewerkschaftsjugend des SPÖ-Koalitionspartners. Auch gegen die Sozialistische Jugend (SJ) schoss der FPÖ-Mandatar und warf ihr Antisemitismus sowie eine Verzahnung mit der „linksextremistischen, antidemokratischen Antifa“ vor.
Schnedlitz: Bauers Vorgehen „politisch motiviert“
Auch die FPÖ-Bundespartei stellte sich hinter die Jugendorganisation. Für Generalsekretär Michael Schnedlitz ist das Vorgehen der Ministerin „offensichtlich politisch motiviert“. Die Justiz müsse „zumindest genau hinsehen, in welche Richtung sich die Ministerin da gerade begeben will und wohin sie sich weiterbewegt“. Seine grundsätzliche Forderung: Die Verwendung öffentlicher Fördermittel müsse bei allen bundesgeförderten Jugendorganisationen nach denselben Kriterien geprüft werden.
Breite Kritik von den übrigen Parlamentsparteien
Die Gegenreaktion der anderen Parteien fiel deutlich aus. „Extremismus, in all seinen Formen, hat im österreichischen Parlament nichts verloren“, erklärte ÖVP-Generalsekretär Markus Gstöttner und forderte FPÖ-Chef Herbert Kickl auf, sich dem Thema zu stellen. Bereits am Vortag hatten sich Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ), NEOS-Generalsekretär Douglas Hoyos und der grüne Rechtsextremismussprecher Lukas Hammer kritisch geäußert. Hammer legte im Ö1-„Mittagsjournal“ nach und forderte die Prüfung eines Verbots sowohl der Identitären als auch der Freiheitlichen Jugend. Ein Verbot der Identitären fordert auch das Mauthausen Komitee Österreich: „Nazi-Umtriebe der Identitären, die mit der FPÖ-Jugend zusammengewachsen sind – darauf müssen die Behörden und die demokratischen Parteien wirksam reagieren!“, so Vorsitzender Willi Mernyi, der zudem Aufklärung und Bestrafung der Verantwortlichen verlangte. Von der SJ hieß es, Rechtsextremismus habe bei der FPÖ „System“ – Rechtsextreme müssten „raus aus dem Parlament“.
Bereits vier Ex-Identitäre als FPÖ-Mitarbeiter dokumentiert
Ein wichtiger Fakt zur Einordnung stammt bereits aus dem Verfassungsschutzbericht 2025: Diesem zufolge waren mindestens vier ehemalige Identitären-Aktivisten als parlamentarische Mitarbeiter der FPÖ tätig – ein Umstand, der unabhängig von den aktuellen, bestrittenen Vorwürfen zu konkreten Geldflüssen bereits amtlich dokumentiert ist.
Ein Streit mit gegensätzlichen Darstellungen
Der Fall zeigt damit ein Bild aus einander widersprechenden Positionen: Während die FPÖ-Jugend jede finanzielle Verbindung zur Identitären Bewegung entschieden bestreitet und ihrerseits Vorwürfe gegen ÖVP- und SPÖ-nahe Jugendorganisationen erhebt, verlangen sämtliche übrigen Parlamentsparteien Aufklärung und teils sogar ein Verbot. Ob sich die im „Standard“-Bericht kolportierten Zahlungen tatsächlich bestätigen, muss die von Bauer angekündigte Prüfung erst klären – bislang handelt es sich um bestrittene Vorwürfe.
Credits: Parlamentsdirektion/Katie-Aileen Dempsey
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