Selenskyj-Vertraute in Untersuchungshaft: Neuer Korruptionsskandal erschüttert Kiew

Selenskyj-Vertraute in Untersuchungshaft: Neuer Korruptionsskandal erschüttert Kiew

Eine der ranghöchsten Beamtinnen im Machtapparat von Präsident Wolodymyr Selenskyj sitzt in Untersuchungshaft: Die frühere stellvertretende Büroleiterin Iryna Mudra wurde vom Obersten Antikorruptionsgericht der Ukraine für zwei Monate inhaftiert. Der Fall reiht sich in eine wachsende Serie von Korruptionsvorwürfen im engsten Umfeld des Präsidenten ein.

Festnahme nach Razzien und fristloser Entlassung

Das Nationale Antikorruptionsbüro NABU (National Anti-Corruption Bureau) durchsuchte bereits am 19. August die Räumlichkeiten Mudras sowie jene des Abgeordneten Vadym Stolar im Rahmen einer Operation gegen eine mutmaßliche „kriminelle Organisation“, die nach Angaben der Behörde von einem amtierenden und einem ehemaligen ukrainischen Parlamentsabgeordneten angeführt worden sein und hochrangige Beamte des Präsidentenbüros umfasst haben soll. Noch am selben Tag entließ Selenskyj Mudra per Dekret aus ihrem Amt, ohne eine offizielle Begründung zu nennen.

Der Vorwurf: 3,4 Millionen Dollar Geldwäsche

Laut NABU sollen die Verdächtigen umgerechnet rund 3,4 Millionen US-Dollar (150 Millionen Hrywnja) über vier Scheinfirmen bei der staatlichen Sense Bank gewaschen haben. Das Geld sei am 29. Juni 2026 verwendet worden, um die Kaution für den früheren Energie- und späteren Justizminister Herman Haluschtschenko zu bezahlen. Haluschtschenko war zuvor im Zuge der sogenannten „Midas“-Ermittlungen – dem bislang größten Korruptionsfall der Ära Selenskyj rund um den staatlichen Atomkonzern Energoatom – wegen Geldwäsche und Bildung einer kriminellen Organisation angeklagt worden. Laut Ermittlungsunterlagen sollen unbekannte Personen aus dem Präsidentenbüro Mudra zudem beauftragt haben, die Sense Bank unter die Kontrolle des Präsidentenbüros zu bringen, um eine Übernahme durch andere Regierungsstellen zu verhindern.

Zwei Monate Haft, hohe Kautionssumme

Am 25. August ordnete das Oberste Antikorruptionsgericht in Kiew Untersuchungshaft für zwei Monate an. Als Alternative wurde eine Kaution von 20 Millionen Hrywnja – umgerechnet rund 448.000 US-Dollar – festgesetzt, deutlich weniger als die von der Staatsanwaltschaft ursprünglich geforderten 150 Millionen Hrywnja (rund 3,4 Millionen Dollar). Mudra selbst erklärte, sie könne die Summe nicht allein aufbringen und wolle versuchen, sich mit Hilfe von Freunden das Geld zu beschaffen. Sollte die Kaution bezahlt werden, dürfte sie Kiew und dessen Umland nicht verlassen, müsste zu sämtlichen Gerichtsterminen erscheinen und dürfte weder mit Zeugen noch mit möglichen Geschädigten Kontakt aufnehmen.

Weitere Verdächtige und ein zweiter Ermittlungsstrang

Neben Mudra stehen auch der Abgeordnete Stolar, der frühere Abgeordnete Maksym Mykytas sowie Spitzenmanager der Sense Bank im Fokus der Ermittlungen. Mykytas wurde bereits am 21. August in Untersuchungshaft genommen, seine Kaution wurde mit 30 Millionen Hrywnja (rund 670.000 Dollar) festgesetzt. Laut dem ukrainischen Portal „Kyiv Post“ steht die aktuelle Ermittlung – intern als „Forrest Gump“ bezeichnet – im Zusammenhang mit dem ursprünglichen „Midas“-Fall rund um Timur Mindytsch, einen langjährigen Geschäftspartner Selenskyjs, der das Land Berichten zufolge wenige Stunden vor den ersten Razzien verlassen haben soll.

Ein Skandal, der die Regierung erschüttert

Der Fall trifft die Ukraine in einer besonders sensiblen Phase des Krieges. Pikant am zeitlichen Zusammenhang: Nur einen Tag vor Mudras Entlassung hatte der kurz zuvor als Verteidigungsminister entlassene Mychajlo Fedorow öffentlich vor einer „Regierungskrise“ gewarnt und sogar Wahlen während des Kriegszustands gefordert. „Korruption ist nur ein Symptom. Das eigentliche Problem liegt viel tiefer. Wir haben eine systemische Regierungskrise“, hatte Fedorow in einer Videobotschaft erklärt. Kritiker bringen Mudras Entlassung mit dieser Warnung in Verbindung.

Unschuldsvermutung gilt weiterhin

Ob die Vorwürfe gegen Mudra zu einer Verurteilung führen, ist derzeit offen. Bis zu einer allfälligen rechtskräftigen Entscheidung gilt für sie ebenso wie für die übrigen Verdächtigen die Unschuldsvermutung.

Credits: BKA Christopher Dunker

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