Historischer Bruch: Emirate verlassen die OPEC – nach fast 60 Jahren

Historischer Bruch: Emirate verlassen die OPEC – nach fast 60 Jahren

Die Vereinigten Arabischen Emirate verlassen das Ölkartell OPEC zum 1. Mai 2026 – und damit auch OPEC+. Der Abgang trifft die von Saudi-Arabien dominierte Allianz zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: mitten in einem Energieschock durch den Iran-Krieg.

Überraschender Austritt ab 1. Mai

Am Dienstag gaben die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) bekannt, die OPEC und das erweiterte Bündnis OPEC+ zu verlassen. Wie das VAE-Energieministerium laut Reuters und Bloomberg mitteilte, wird der Austritt zum 1. Mai 2026 wirksam. Damit scheidet eines der langjährigsten und wichtigsten Mitglieder aus der Organisation aus, die seit fast 60 Jahren das globale Ölgeschäft mitprägt.

Wie die Berliner Zeitung berichtete, ist der Schritt ein schwerer Rückschlag für die von Saudi-Arabien geführte Allianz. Reuters bezeichnet ihn als Teil eines „historischen Energieschocks“ – inmitten einer Phase, in der der Iran-Krieg die Straße von Hormuz unter Druck setzt, über die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggas-Handels fließt.

Unmut über arabische Verbündete

Der Austritt kommt nicht aus heiterem Himmel. Wie MarketScreener unter Berufung auf Reuters berichtete, hatte Anwar Gargash, diplomatischer Berater des VAE-Präsidenten, am Montag bei einem Forum in der Golfregion ungewöhnlich offen Kritik geübt: Die Reaktion der Arabischen Liga und des Golfkooperationsrats auf die iranischen Angriffe gegen die Emirate sei „politisch und militärisch historisch gesehen die schwächste“ gewesen. Die fehlende Solidarität der arabischen Nachbarn gilt als zentraler Auslöser des Austritts.

Trump als Gewinner des VAE-Abgangs

Wie MarketScreener berichtete, kommt der Schritt auch US-Präsident Donald Trump entgegen. Trump hatte der OPEC wiederholt vorgeworfen, Ölpreise künstlich hochzuhalten und „den Rest der Welt abzuzocken“. Er hatte zudem die US-Militärhilfe für Golfstaaten explizit an günstigere Ölpreise geknüpft. Die Emirate gelten als enger US-Verbündeter – ihr Abgang schwächt die Kartellmacht der OPEC und stärkt gleichzeitig die amerikanische Verhandlungsposition.

Folgen für Ölmarkt und OPEC unklar

Welche konkreten Auswirkungen der Austritt auf Fördermengen und Weltmarktpreise haben wird, ist laut Reuters noch offen. Analysten erwarten aber, dass Abu Dhabi künftig deutlich freier über seine Produktionsmengen entscheiden kann – ohne Bindung an OPEC-Quoten. Gleichzeitig könnte die Geschlossenheit der OPEC nachhaltig beschädigt werden. Die Ölpreise zogen nach der Meldung laut cash.ch spürbar an.

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest
0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
Inline-Rückmeldungen
Alle Kommentare anzeigen
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x