Sechs Wochen nach Kriegsbeginn versuchen die USA und der Iran in Pakistan erstmals, einen dauerhaften Frieden zu finden. Die Lage bleibt angespannt — doch beide Seiten sind angereist.
Vance landet in Islamabad, Delegation aus Teheran bereits vor Ort
Wie oe24 und die Nachrichtenagentur FARS berichten, ist die US-Delegation unter Führung von Vizepräsident JD Vance am Freitagabend auf einem Luftwaffenstützpunkt nahe der pakistanischen Hauptstadt Islamabad gelandet. Mit Vance reisten auch US-Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner an, Trumps Schwiegersohn und erfahrener Nahost-Verhandler — wie Bloomberg berichtet. Die iranische Delegation war laut FARS bereits zuvor eingetroffen und wird von Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf angeführt.
Das Format der Gespräche ist ungewöhnlich: Wie Al Jazeera und CNN übereinstimmend berichten, werden die beiden Delegationen in getrennten Räumen desselben Hotels — dem Serena Hotel — sitzen. Direkte Begegnungen sind nicht vorgesehen. Stattdessen pendeln pakistanische Vermittler zwischen den Parteien, um Botschaften zu übermitteln. In der Diplomatie spricht man dabei von „Proximity Talks“.
Pakistan als Vermittler — und seine eigenen Interessen
Pakistan hat seit Wochen intensiv auf diese Verhandlungen hingearbeitet. Wie Al Jazeera berichtet, führte das Land Anfang April Gespräche mit den Außenministern der Türkei, Saudi-Arabiens und Ägyptens in Islamabad — als koordinierter Vorstoß zur Beendigung der Feindseligkeiten. Laut oe24 sollen die Gespräche am Samstagnachmittag Ortszeit beginnen: Zunächst treffen die Delegationen separat auf Premier Shehbaz Sharif und Armeechef Feldmarschall Asim Munir, bevor direkte Verhandlungen folgen sollen.
Sharif bezeichnete die Gespräche laut CNN als „make-or-break moment“ — einen Punkt, von dem kein Zurück mehr möglich ist.
Vance mit offenem Angebot — und klarer Warnung
Vor seinem Abflug sendete Vance laut ABC News ein doppeltes Signal. Er sei für die Verhandlungen optimistisch: Die USA seien bereit, „eine offene Hand auszustrecken“, falls der Iran in gutem Glauben verhandle. Gleichzeitig warnte er Teheran unmissverständlich: „Wenn sie versuchen, uns zu täuschen, werden sie feststellen, dass das Verhandlungsteam dafür nicht empfänglich ist.“
Iran soll Vance als Gesprächspartner bevorzugen: Wie CNN unter Berufung auf regionale Quellen berichtet, gilt er in Teheran als der amerikanische Spitzenpolitiker, der dem Krieg am skeptischsten gegenüberstand. Vance hatte sich intern gegen die ersten US-Luftangriffe auf den Iran Ende Februar ausgesprochen.
Offene Streitfrage: Gilt die Waffenruhe auch für den Libanon?
Der größte Stolperstein vor den Verhandlungen ist die Frage, ob die seit Dienstag geltende Waffenruhe auch den Libanon umfasst. Wie Wikipedia und CNN dokumentieren, stimmten die USA und Israel darin überein, dass der Libanon nicht Teil des Abkommens sei — Israel setzte seine Angriffe auf die Hisbollah fort. Der Iran und Pakistan hingegen bestehen darauf, dass die Feuerpause alle Fronten umfasse.
Ghalibaf machte laut ABC News erneut deutlich, dass ein Waffenstillstand im Libanon und die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte Voraussetzung für den Beginn der Gespräche seien. Auch Trump drohte laut ABC News mit neuerlichen Militärschlägen, sollten die Verhandlungen scheitern: US-Kriegsschiffe würden in Stellung gebracht.
Seit Kriegsbeginn Ende Februar starben laut UN mehr als 5.600 Menschen im Nahen Osten.
Credits: APA
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