Nach der Wahlschlappe in St. Pölten zieht sich Niederösterreichs SPÖ-Chef aus den Bundesgremien zurück. Damit wird die Parteiführung um Babler immer einsamer – und ein Gegenkandidat wird gesucht.
Rückzug nach Wahlniederlage
Niederösterreichs SPÖ-Landesparteichef Sven Hergovich kandidiert beim kommenden Parteitag nicht mehr für die Bundesgremien der SPÖ. Das gab Hergovich bei einer Sitzung der Landespartei bekannt, wie der Kurier berichtet. Sein Büro bestätigte die Entscheidung gegenüber der APA, berichtet ORF Niederösterreich.
Die Entscheidung fiel nur wenige Tage nach der dramatischen Wahlniederlage der SPÖ in St. Pölten. Bei der Gemeinderatswahl am 25. Jänner verlor die Stadtpartei von Langzeit-Bürgermeister Matthias Stadler erstmals seit 61 Jahren ihre absolute Mehrheit. Die SPÖ stürzte um 13,5 Prozentpunkte auf 42,5 Prozent ab, berichtet die NÖN.
Elvira Schmidt rückt nach
Statt Hergovich soll die Dritte Landtagspräsidentin Elvira Schmidt für das Präsidium kandidieren, berichtet Puls24. Landtagsabgeordneter Rene Zonschits wird laut Kurier in den Vorstand einziehen.
Vierter Landeschef ohne Bundesmandat
Hergovich ist bereits der vierte SPÖ-Landesvorsitzende, der sich aus den Bundesgremien zurückzieht oder dort nicht vertreten ist. Wie der Standard berichtet, sind Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil bereits von sich aus nicht in diesen Gremien vertreten. Auch der steirische Landeschef Max Lercher verzichtete auf einen Platz in Präsidium und Vorstand.
All diese Bundesländer-Organisationen haben andere Vertreter in die Gremien entsandt – ein deutliches Zeichen der Distanzierung von der Bundesparteiführung.
Babler wird einsam
Um Vizekanzler Andreas Babler wird es zunehmend einsam. Der SPÖ-Chef muss sich Anfang März bei einem Bundesparteitag einer Wahl stellen. Bisher ist er der einzige Nominierte für den Parteivorsitz.
Doch wie heute.at berichtet, bereiten mehrere Bundesländer einen Überraschungs-Herausforderer vor, um ihn quasi in letzter Minute gegen Babler aufzustellen. Die Frist dafür läuft am 13. Februar aus – ausgerechnet an einem Freitag, dem 13., tritt das Präsidium und der Vorstand der SPÖ zusammen.
Christian Kern als Hoffnungsträger?
Aus roten Kreisen ist laut heute.at zu hören, dass man für eine Kampfabstimmung sei, wenn ein Babler-Konkurrent mit reellen Chancen sich der Abstimmung stellen wolle. In vielen roten Landesorganisationen hofft man auf den ehemaligen SPÖ-Kanzler Christian Kern.
Wie oe24 berichtete, will Kern aber nur mit der Unterstützung von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig antreten – doch der will loyal zu Babler bleiben.
St. Pölten als Alarmsignal
Die Wahlniederlage in St. Pölten gilt als deutliches Alarmsignal für die Bundes-SPÖ. SPÖ-Landesgeschäftsführer Wolfgang Zwander sprach von einem „eisigen Gegenwind aus der Bundespolitik“, berichtet ORF Niederösterreich.
Meinungsforscher Christoph Haselmayer analysierte für meinbezirk.at: „Das Ergebnis zeigt ganz klar: Gegen einen derart negativen Bundestrend kann selbst ein beliebter Bürgermeister nicht ankommen.“
Der Parteitag am 7. März wird zeigen, ob Babler die Unterstützung der Partei behält – oder ob die innerparteiliche Opposition doch noch einen Gegenkandidaten aufstellt.
Quellen:
- oe24.at: „Nach St-Pölten-Schlappe verlässt Hergovich SPÖ-Bundesgremien“
- ORF Niederösterreich: „SPÖ: Hergovich kandidiert nicht mehr für Bundesgremien“
- Kurier (via ORF/Puls24/heute.at)
- Puls24: „Niederösterreichischer SP-Chef verlässt Bundesgremien“
- Der Standard: „Hergovich kandidiert nicht mehr für Bundesgremien der SPÖ“
- heute.at: „Rückzug besiegelt – Roter Serien-Abgang – und Babler droht Herausforderer“
- NÖN: „Gemeinderatswahl 2026 – SP-Absolute in St. Pölten ist gefallen“
- meinbezirk.at: „Live-Ticker Gemeinderatswahl St. Pölten“
Credits: Von Stefan.Hinterberger.2013 – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=169550039
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