Hattmannsdorfer will “Binnenmarkt Plus” – Kanada, Südkorea und Co. enger an die EU binden

Hattmannsdorfer will “Binnenmarkt Plus” – Kanada, Südkorea und Co. enger an die EU binden

Erstmals seit fast zwei Jahren hat Österreich wieder mehr Waren exportiert als importiert. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) nimmt das zum Anlass, eine alte Idee neu auf den Tisch zu legen: einen “Binnenmarkt Plus” für verlässliche Handelspartner außerhalb Europas.

Der Exportüberschuss

Laut vorläufigen Daten der Statistik Austria stiegen die österreichischen Warenexporte im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,7 Prozent auf 17,61 Milliarden Euro, die Importe nur um 1,9 Prozent auf 17,34 Milliarden. Daraus ergibt sich ein Überschuss von 0,27 Milliarden Euro, der erste seit Oktober 2024. Ganz gesichert ist die Zahl noch nicht: Schon für Februar hatte die Statistik Austria einen Überschuss gemeldet, der später revidiert wurde. Über die ersten sieben Monate gerechnet bleibt die Handelsbilanz mit 3,92 Milliarden Euro deutlich negativ, vor allem wegen des Defizits mit Ländern außerhalb der EU.

“Österreich lebt vom Export”

Bei einem Besuch im Linzer Hafen gab sich Hattmannsdorfer am Montag dennoch erfreut. “Österreich lebt vom Export. Erstmals seit 21 Monaten haben wir wieder einen Warenhandelsüberschuss erzielt. Das ist ein positives Signal”, sagte er laut oe24. “Umso mehr müssen wir alles daransetzen, die Rolle Österreichs und Europas im Welthandel zu stärken.” Bestehende Handelsbeziehungen müssten deshalb ausgebaut werden.

Was “Binnenmarkt Plus” bedeuten soll

Konkret will Hattmannsdorfer ausgewählte Partnerländer über klassische Freihandelsabkommen hinaus enger an den europäischen Binnenmarkt anbinden, ohne dass sie dafür wie Norwegen oder Island dem Europäischen Wirtschaftsraum beitreten müssen. Als mögliche Partner nennt er Kanada, Südkorea, Australien, Neuseeland, Singapur und die Vereinigten Arabischen Emirate. “Wir wollen verlässliche Staaten enger an Europa binden und unseren Unternehmen neue Märkte öffnen”, so der Minister. Wie eine solche Anbindung rechtlich und praktisch aussehen soll, ließ er offen.

Zweiter Anlauf in Dublin

Neu ist die Idee nicht: Hattmannsdorfer hatte das Modell bereits im Mai 2025 ins Spiel gebracht. Beim Treffen der EU-Handelsminister kommende Woche in Dublin, das die irische Ratspräsidentschaft ausrichtet, will er den Vorschlag erneut einbringen. Ob er dort Unterstützung findet, ist offen. Handelspolitik ist in der EU Sache der Gemeinschaft, über neue Abkommen verhandelt die EU-Kommission im Auftrag aller Mitgliedstaaten.

Credits: BKA, Andy Wenzel

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