Hannover: Stadt verteilt umstrittene „queere Bücherkisten“ an Kitas

Hannover: Stadt verteilt umstrittene „queere Bücherkisten“ an Kitas

Die Stadt Hannover hat an ihre 41 städtischen Kindertagesstätten Empfehlungslisten mit Büchern zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt verteilt. Die Aktion löst eine kontroverse Debatte aus – zwischen Befürwortern inklusiver Bildung und Kritikern, die vor Überforderung warnen.

11.000 Euro für Vielfalt im Kinderzimmer

Wie Apollo News berichtet, wurden die Listen vom „queeren Mitarbeitendennetzwerk“ unter Anleitung der Beauftragten für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt zusammengestellt. Laut einer Pressesprecherin der Stadt richten sich die empfohlenen Bücher an Kinder von null bis zwölf Jahren. Zusätzlich zur Liste wurden 14 Bücher zum Vorlesen verteilt, die Gesamtkosten betrugen rund 11.000 Euro aus Restmitteln des städtischen Haushalts.

Ein queerer Mitarbeiterstammtisch der Stadt hatte laut nd-aktuell seit 2022 mehr als 100 Bücher gesichtet und davon 66 für die Empfehlungsliste ausgewählt.

Inhalt sorgt für Diskussionen

Im Zentrum der Empfehlungen stehen nach Angaben der Stadt Bücher über verschiedene Familienkonstellationen. Dazu gehören Titel wie „Onkel Bobbys Hochzeit“ über ein schwules Paar oder „Julian ist eine Meerjungfrau“ über einen Jungen, der sich als Nixe verkleidet.

Wie die Junge Freiheit unter Berufung auf die vorliegende Liste berichtet, enthält die Auswahl aber auch Bücher, die über Familienbilder hinausgehen. Das Werk „Untenrum: Und wie sagst du?“ für Kinder ab drei Jahren thematisiert demnach Genitalien und beschreibt, wie Kinder diese selbst untersuchen können. Eine Szene behandelt „Körperspiele“ unter Kindergartenkindern, wobei eine Erzieherin erklärt, solche Spiele seien nur mit Zustimmung aller Beteiligten erlaubt.

Das Buch „Körper sind toll“ zeigt laut Apollo News unter anderem eine Schwangere im Burkini, eine Dunkelhäutige mit Beinprothese sowie Personen mit Narben nach Brustentfernungen, die als Trans-Männer dargestellt werden.

Stadt verteidigt Konzept

Angela Munke, Leiterin der Fachberatung für städtische Kitas, verteidigte das Projekt gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung: „Das ist ein Beitrag zur Inklusion, wir wollen Ausgrenzung vermeiden.“ Sie betonte, in jeder Kita in Hannover gebe es Regenbogenfamilien mit gleichgeschlechtlichen Eltern.

Ein Sprecher der Stadt erklärte gegenüber Apollo News, die Kita-Leitungen verfügten über die Fachexpertise zu entscheiden, welche Kinder an welchem Thema interessiert seien. Die Kindergärten seien im Austausch mit den Eltern, die Altersempfehlungen würden selbstverständlich berücksichtigt.

Kritik von mehreren Seiten

Die AfD-Landtagsabgeordnete Vanessa Behrendt kritisierte das Projekt scharf. In einer Pressemitteilung erklärte sie: „Kein Kind im Vorschulalter braucht so etwas!“ Vorschulkinder würden diese Inhalte überfordern und verunsichern. Die Aufklärung über queere Themen liege in der Verantwortung der Eltern.

Auch Munke räumte ein, dass es Beschwerden von Eltern gebe, die diese Themen für zu früh halten. Die unabhängige Wählergemeinschaft „Die Hannoveraner“ stellte den Antrag, dass die Bücher nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Eltern verwendet werden sollten.

Unterstützung von kirchlicher Seite

Der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Hannover begrüßte die Initiative laut Die Tagespost. Das Konzept evangelischer Kitas sehe vor, Kindern eine freie Entwicklung ohne feste Rollenvorgaben zu ermöglichen, so Referentin Severine Bunzel.

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