Oberösterreichs FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner hat im Krone-Interview scharfe Kritik am ORF geübt. Sein Fazit: echte Entpolitisierung sei im öffentlich-rechtlichen Rundfunk kaum möglich.
Zweifel an echter Entpolitisierung
Wie exxpress unter Bezug auf ein Interview mit der Kronen Zeitung berichtet, stellt Haimbuchner die grundsätzliche Reformierbarkeit des ORF in Frage. Der FPÖ-Landeschef und oberösterreichische Vizelandeshauptmann sagte wörtlich: „Die Frage ist, ob tatsächlich eine Entpolitisierung stattfinden kann bei einem Unternehmen, wo man das Gefühl hat, dass 80 bis 90 Prozent der Redakteure einen ganz klar linken Auftrag verfolgen.“
Diese Einschätzung ist Haimbuchners persönliche politische Wertung, keine belegte empirische Zahl. Eine repräsentative Untersuchung zur politischen Ausrichtung der ORF-Redaktion liegt nicht vor.
Zu viele US-Serien, zu wenig Bundesländer
Inhaltlich richtet sich Haimbuchners Kritik auch gegen das Programmangebot. Aus seiner Sicht vernachlässigt der ORF seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag. Wie exxpress berichtet, sagte er: „Man muss sich auch fragen, warum der ORF drei Sender betreibt, auf denen amerikanische Serien laufen.“
Noch konkreter wird er beim Thema regionale Berichterstattung. Die tägliche Sendezeit der Landesstudios reicht Haimbuchner bei weitem nicht aus — „nicht einmal eine halbe Stunde Fernsehberichterstattung täglich für ein Bundesland halte ich für beschämend“ — und er fordert eine deutlich stärkere föderale Ausrichtung des Senders.
U-Ausschuss und Abschaffung der Haushaltsabgabe
Politisch brisanter ist Haimbuchners Haltung zu möglichen Konsequenzen. Er zeigte sich offen für einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum ORF: „Gute Idee. Das ist Entscheidung des Parlamentsklubs, aber ich kann dem was abgewinnen.“
Noch mehr liegt ihm allerdings die Abschaffung der ORF-Haushaltsabgabe am Herzen. Diese Forderung hat Rückenwind: Wie der Rechnungshof in einem im März 2026 veröffentlichten Bericht feststellte, stiegen die Aufwendungen der ORF-Beitrags Service GmbH (OBS) von 2023 auf 2024 um rund 1,45 Millionen Euro — statt der angekündigten Einsparungen kam es zu höheren Kosten, mehr Bürokratie und einer großen Zahl an Beschwerden. Klubmfg-ooe
Landtagswahl im Hintergrund
Das Interview fand rund eineinhalb Jahre vor der Landtagswahl in Oberösterreich statt. Haimbuchner machte dabei klar: Die stimmenstärkste Partei soll den Landeshauptmann stellen. Absolutmehrheiten lehnt er aber trotzdem ab — er sei, wie er sagte, „schon einer, der davon ausgeht, dass Leute zusammenarbeiten sollten.“
Quellen:
- Kronen Zeitung (Primärquelle, Interview mit Haimbuchner)
- exxpress.at
- Rechnungshof Österreich (Bericht zur ORF-Haushaltsabgabe, März 2026)
Credits: APA
Neueste Kommentare