Häftlings-Tod: Sporrer in Erklärungsnot nach TV-Geständnis

Häftlings-Tod: Sporrer in Erklärungsnot nach TV-Geständnis

Ein Toter in der Zelle, Ermittlungen gegen ein Dutzend Justizwachebeamte und eine Ministerin, die vor laufender Kamera ins Straucheln gerät: Der Fall des verstorbenen Häftlings in der Justizanstalt Hirtenberg weitet sich zur handfesten Krise für SPÖ-Justizministerin Anna Sporrer aus. Während sie umfassende Reformen verspricht, sorgt vor allem ihr persönlicher Umgang mit den Hinterbliebenen für Kopfschütteln.

Eiskalte Antwort im ORF-Studio

Es war ein Moment, der vielen Zusehern den Atem stocken ließ. Im „ZIB 2“-Interview konfrontierte Moderator Armin Wolf die Ministerin mit der Frage: Warum hat sie sich nicht persönlich bei der Mutter des Verstorbenen gemeldet? Sporrer reagierte nüchtern und verwies auf bürokratische Abläufe. Es sei „üblich, dass die Haftanstalt die Verständigung über einen Todesfall übernimmt“. Eine persönliche Kontaktaufnahme habe nicht stattgefunden – obwohl der Mann in der Obhut des Staates, also in ihrem Verantwortungsbereich, zu Tode kam. Wolf zeigte sich sichtlich irritiert: „Wäre es dann nicht zumindest normal, dass Sie die Mutter anrufen?“

Kommunikations-Desaster und Betonbetten

Der Vorfall selbst wiegt schwer. Ein psychisch kranker Insasse starb nach einem Einsatz der Justizwache. Laut Medienberichten eskalierte die Situation in einer Isolationszelle, der Mann soll geschlagen worden sein. Sporrer musste im Fernsehen einräumen, dass zunächst fälschlicherweise von Herzversagen die Rede war – eine „vorläufige Annahme“, für die sie sich als Ressortverantwortliche entschuldigte.

Doch damit nicht genug. Wie derstandard.at meldet, gab Sporrer zu, dass der Häftling gar nicht in die betreffende Zelle hätte gebracht werden dürfen. Auch die Ausstattung der Zelle war problematisch: Es handelte sich um keine Standardzelle, das Betonbett war dort noch nicht ausgetauscht worden – anders als in zwei Dritteln der österreichischen Zellen.

System am Limit: Überbelegung und Personalnot

Hinter dem tragischen Einzelfall offenbart sich ein marodes System. Die Plattform menschenundrechte.at zeichnet ein düsteres Bild der österreichischen Justizanstalten. Überbelegung ist längst der Normalzustand: In Linz lag die Auslastung 2024 bei alarmierenden 120 Prozent. Fachleute warnen seit Jahren, dass diese Enge Gewalt und Aggression fördert.

Dazu kommt akuter Personalmangel. Im Juni 2025 waren fast 200 Planstellen im Justizwachdienst unbesetzt. Die Ministerin kündigte zwar Reformen an, darunter höhere Honorare für medizinisches Personal und mehr Ausbildungsplätze, doch Kritiker sehen darin oft nur Tropfen auf den heißen Stein.

Ermittlungen laufen

Während die Politik über Reformen debattiert, ermittelt die Staatsanwaltschaft. Gegen zwölf Justizwachebeamte wird wegen des Verdachts der Körperverletzung mit tödlichem Ausgang bzw. fahrlässiger Tötung ermittelt. Zwei Führungskräfte wurden bereits suspendiert.

Ministerin Sporrer hat nun eine fünfköpfige Expertenkommission eingesetzt, die bis Ende Juni jeden Stein im Strafvollzug umdrehen soll. Ob das reicht, um das verlorene Vertrauen wiederherzustellen, bleibt abzuwarten. Ihr Auftritt bei Armin Wolf hat jedenfalls gezeigt: In Sachen Krisenkommunikation gibt es noch viel Luft nach oben.

Quellen: exxpress.at, derstandard.at, menschenundrechte.at, exxtra24.at
Credits: APA

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