Die politische Debatte um die Versorgung von Long-Covid- und ME/CFS-Patienten in Österreich spitzt sich zu. Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) sieht die Versorgung als „flächendeckend gesichert“ an – eine Aussage, die bei den Grünen und Experten auf scharfe Kritik stößt. Der grüne Abgeordnete Ralph Schallmeiner spricht von einer „haltlosen Behauptung“ und fordert endlich konkrete Maßnahmen.
Versorgung „flächendeckend gesichert“? Ministerium unter Beschuss
Laut einer parlamentarischen Anfragebeantwortung durch Sozialministerin Schumann sei die Versorgung von Patienten mit postakuten Infektionssyndromen wie Long/Post Covid oder ME/CFS in Österreich gesichert. Allgemeinmediziner seien die „erste Anlaufstelle“, bei Bedarf würden Patienten an Fachärzte weitergeleitet. Doch wie die Ministerin selbst einräumt, gibt es keine belastbaren Zahlen zur tatsächlichen Versorgungssituation. „Die Erhebung der verfügbaren Strukturen ist in Vorbereitung“, heißt es in der Anfragebeantwortung, die der APA vorliegt und von oe24.at zitiert wurde.
Experten und Betroffene schlagen Alarm
Die Realität sieht laut Experten und Betroffenen jedoch anders aus. Wie die MedUni Wien berichtet, sind in Österreich zwischen 70.000 und 80.000 Menschen von ME/CFS betroffen. Spezialisierte Behandlungsstellen, die seit Jahren gefordert werden, lassen weiterhin auf sich warten. „Die Versorgungslücken sind eklatant“, so Vertreter von Patientenorganisationen. Auch Schallmeiner kritisiert gegenüber der APA: „Wie kann man von einer guten Versorgung sprechen, wenn es keine belastbaren Daten gibt?“
Grüne fordern Taten statt Worte
Schallmeiner fordert ein Ende des „ständigen Hinauszögerns“ und klare Umsetzungsschritte. „Die Betroffenen erwarten Taten statt leerer Versprechen“, so der Abgeordnete. Besonders die Bundesländer stehen in der Kritik, da sie für die Einrichtung spezialisierter Behandlungszentren zuständig sind. Bereits im August hatte Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) auf die Bereitstellung von 600 Millionen Euro für den Spitalsbereich hingewiesen, von denen ein Teil für ME/CFS-Zentren vorgesehen sei.
Quellen: APA, oe24.at
Credits: APA
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