Großbritannien: Unterhaus stoppt Social-Media-Verbot für Kinder

Großbritannien: Unterhaus stoppt Social-Media-Verbot für Kinder

TikTok, Instagram, Snapchat – für Kinder unter 16 Jahren bleibt der Zugang zu sozialen Medien im Vereinigten Königreich vorerst uneingeschränkt. Das britische Unterhaus hat am 9. März 2026 einen entsprechenden Verbotsantrag klar abgelehnt. 307 Abgeordnete stimmten gegen die geplante Altersgrenze, nur 173 dafür.

Damit ist ein Vorstoß vorerst gescheitert, der monatelang für hitzige Debatten gesorgt hatte.

Der Weg zum Votum: Lords, Prominente und ein australisches Vorbild

Der Änderungsantrag zum sogenannten „Children’s Wellbeing and Schools Bill“ war vom konservativen Peer Lord Nash eingebracht worden – nach wachsendem Druck durch Aktivisten und Prominente, darunter Schauspieler Hugh Grant. Das House of Lords hatte die Initiative im Jänner 2026 noch befürwortet.

Das Vorbild für das geplante Verbot lieferte Australien: Wie TheJournal.ie berichtet, hatte Australien im Dezember 2025 als erstes Land der Welt ein Gesetz verabschiedet, das große Plattformen wie Facebook, Instagram, TikTok und Snapchat verpflichtet, Nutzer unter 16 Jahren vom Anlegen eines Accounts auszuschließen. Unternehmen, die dagegen verstoßen, drohen Strafen von bis zu 49,5 Millionen australischen Dollar.

Regierung setzt auf Konsultation statt Verbotshammer

Die Labour-Regierung unter Premierminister Keir Starmer war von Anfang an skeptisch. Bildungsministerin Olivia Bailey brachte es im Unterhaus auf den Punkt, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtet: Viele Eltern und Kampagnengruppen forderten ein direktes Verbot – doch Kinderschutzorganisationen warnten, ein pauschales Verbot könnte Jugendliche in weniger regulierte Ecken des Internets treiben oder sie unvorbereitet lassen, wenn sie mit 16 plötzlich Zugang erhalten.

Statt des Verbots hatte die Regierung Anfang März eine öffentliche Konsultation gestartet. Wie die House of Commons Library dokumentiert, läuft diese bis zum 26. Mai 2026 und fragt unter anderem, ob ein generelles Social-Media-Verbot für Kinder eingeführt werden soll.

Hintertür bleibt offen: Ministerin bekommt neue Befugnisse

Das letzte Wort ist damit noch nicht gesprochen. Das Unterhaus stimmte einem alternativen Regierungsantrag zu, der Wissenschaftsministerin Liz Kendall künftig erlaubt, Kindern den Zugang zu sozialen Netzwerken und Chatbots zu beschränken oder zu verbieten. Wie Yahoo Finance berichtet, könnte sie zudem die VPN-Nutzung durch Minderjährige einschränken, den Zugang zu Sucht-fördernden Funktionen begrenzen und das Mindestalter für digitale Einwilligung im Vereinigten Königreich neu festsetzen.

Lord Nash zeigte sich dennoch tief enttäuscht. Wie National World berichtet, erklärte er: „Es ist zutiefst enttäuschend, dass das House of Commons auf einen Prozess setzt, der möglicherweise zu halbherzigen Maßnahmen führt – ohne festen Zeitplan und ohne parlamentarische Kontrolle.“ Er kündigte an, die Initiative im Oberhaus erneut voranzutreiben.

Europäische Debatte geht weiter

Großbritannien ist mit dieser Diskussion nicht allein. Frankreich plant laut TheJournal.ie ein Verbot sozialer Medien für unter 15-Jährige, das Gesetz muss jedoch noch den Senat passieren. In der EU insgesamt ist die Lage komplizierter: Entsprechende Regelungen müssten auf EU-Ebene koordiniert werden, was den Prozess deutlich verlangsamt.

Damit ist Großbritannien, wie Cybernews festhält, eines der ersten Länder, das die Frage eines Social-Media-Verbots für Minderjährige direkt per Parlamentsvotum entschieden hat – und das Ergebnis zeigt: Selbst dort, wo der politische Wille vorhanden scheint, ist ein hartes Verbot leichter gefordert als durchgesetzt.


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