Göttingen: Muezzinruf sorgt für hitzige Debatten

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Göttingen: Muezzinruf sorgt für hitzige Debatten

In Göttingen erklang am Dienstag erstmals der Ruf eines Muezzins über die Innenstadt – ein Ereignis, das die Gemüter spaltet. Während die muslimische Gemeinde diesen Moment als „bewegend“ feiert, hagelt es Kritik aus zahlreichen Kreisen.

Ein „bewegender Augenblick“ für die muslimische Gemeinde

Anlässlich des Fastenbrechens im Ramadan ertönte der Muezzinruf aus der Ditib-Moschee in Göttingen. Die SPD-Oberbürgermeisterin Petra Broistedt teilte auf Instagram ein Video des Ereignisses und sprach von einem „lang ersehnten Wunsch“ der muslimischen Gemeinde. Sie betonte, dass Religionsfreiheit in Deutschland auch die sicht- und hörbare Ausübung des Glaubens umfasse. Doch nicht alle teilen diese Ansicht.

Kritik an Ditib und der Stadtverwaltung

Die Ditib-Moschee, aus der der Ruf erklang, steht seit Jahren in der Kritik. Die Organisation gilt als verlängerter Arm der türkischen Regierung unter Präsident Erdoğan. Immer wieder sorgten antisemitische und islamistische Äußerungen führender Mitglieder für Schlagzeilen. So musste 2021 der damalige Vorsitzende der Göttinger Ditib-Gemeinde, Mustafa Keskin, nach antisemitischen Posts zurücktreten.

Die Junge Union Göttingen kritisierte die Entscheidung der Stadt scharf. In einem Instagram-Beitrag bezeichnete sie den Muezzinruf als „Affront“ und warnte vor einer Spaltung der Gesellschaft. Auch die fehlende Einbindung der Bürger sorgt für Unmut. Laut Broistedt sei eine Genehmigung für den einmaligen Ruf nicht erforderlich gewesen, da die Religionsfreiheit im Grundgesetz verankert sei.

Ein Schritt zur Integration oder Machtdemonstration?

Während einige Politiker den Muezzinruf als Beitrag zur Integration loben, warnen Experten wie Ahmad Mansour vor einer möglichen politischen Dimension. Der Ruf sei nicht nur religiöse Praxis, sondern könne auch als Machtdemonstration des politischen Islam verstanden werden.

Wie geht es weiter?

Die Ditib-Gemeinde plant, den Muezzinruf künftig regelmäßig einmal im Monat durchzuführen. Dafür soll ein Lärmgutachten erstellt werden. Zudem sind Dialogveranstaltungen mit der Nachbarschaft geplant, um Bedenken auszuräumen.

Quellen: exxpress.at, Göttinger Tageblatt, WELT

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