Ein verunreinigter Rohstoff aus China hat weltweit für Massenrückrufe von Säuglingsnahrung gesorgt. In Österreich wurden 14 Erkrankungsfälle durch das Bakteriengift Cereulid gemeldet. Die gute Nachricht: Alle betroffenen Kinder haben sich erholt.
Was ist Cereulid – und wie kam es in die Babynahrung?
Cereulid ist ein hitzestabiles Toxin, das vom Bakterium Bacillus cereus gebildet wird. Es verursacht Übelkeit, Erbrechen und Durchfall – typischerweise innerhalb von sechs Stunden nach dem Konsum. Wie die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) auf ihrer Website erklärt, ist der Ursprung der Verunreinigung ein sogenanntes ARA-Öl – eine Fettsäure, die Babynahrung zur Unterstützung der Gehirn- und Sehentwicklung zugesetzt wird. Dieses Öl stammt von einem Zulieferer aus China und war mit Cereulid belastet.
Seit Dezember 2025 haben große Hersteller wie Nestlé, Danone und Lactalis in mehr als 60 Ländern weltweit Produkte zurückgerufen. Ein besonderer Umstand: Das ARA-Öl ist im Milchpulver in winzigen Kapseln eingeschlossen, was die Analyse erheblich erschwerte. Wie die AGES berichtet, erkannte Österreich als erstes EU-Land das Problem – weil die AGES eine eigene, präzisere Messmethode einsetzt. Die Europäische Kommission ließ diese Methode daraufhin Ende Jänner 2026 allen Mitgliedsstaaten zur Verfügung stellen.
14 Erkrankungen in acht Bundesländern
Laut dem aktuellen Update der AGES wurden in Österreich bisher 14 Erkrankungsfälle durch Cereulid gemeldet – drei bestätigt, elf als wahrscheinlich eingestuft. Die betroffenen Kinder waren zwischen zwei Wochen und drei Jahren alt. Drei von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden, vor allem wegen Austrocknung. Die letzte gemeldete Erkrankung begann am 10. Februar 2026. Alle Kinder sind inzwischen wieder genesen.
Die Fälle verteilen sich laut AGES auf die Bundesländer Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol und Wien. Lediglich Vorarlberg ist nicht betroffen.
Österreichische Proben größtenteils unauffällig
Von 162 in Österreich untersuchten Proben aus 15 verschiedenen Herstellern enthielten laut AGES 130 keine messbaren Mengen Cereulid. In 28 Proben wurde der Stoff nachgewiesen – die Werte lagen jedoch in den meisten Fällen deutlich unter dem von der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA festgelegten Grenzwert. In vier Fällen ist das Ergebnis noch ausständig. Betroffen sind ausschließlich Produkte von Herstellern, die bereits Rückrufe durchgeführt haben.
Europäische Behörden sehen Gefahr als weitgehend gebannt
Wie EFSA und das Europäische Zentrum für Seuchenkontrolle (ECDC) in ihrer gemeinsamen Risikobewertung festhalten, hatten die meisten gemeldeten Fälle in Europa milde gastrointestinale Symptome. Neben Österreich meldeten auch Belgien, Dänemark, Frankreich, Luxemburg, Spanien und das Vereinigte Königreich Erkrankungsfälle. Mitte Februar stuften die EU-Behörden die Wahrscheinlichkeit weiterer Expositionen als gering ein – allerdings mit dem Hinweis, dass zurückgerufene Produkte, die noch in Haushalten lagern, weiterhin ein Risiko darstellen könnten.
Was Eltern jetzt wissen müssen
Wer noch Produkte der betroffenen Chargen zuhause hat, sollte diese nicht verwenden und bei der jeweiligen Lebensmittelbehörde melden. Zeigt ein Kind innerhalb von sechs Stunden nach dem Konsum von Säuglingsnahrung Symptome wie Erbrechen, sollte umgehend der Kinderarzt kontaktiert werden.
Quellen:
- https://exxpress.at/news/toxin-cereulid-14-erkrankungsfaelle-in-oesterreich/
- https://www.ages.at/ages/presse/news/detail/update-information-zu-cereulid-in-saeuglingsnahrung
- https://www.ages.at/en/news/detail/update-cereulid-in-saeuglingsnahrung-932026
- https://www.efsa.europa.eu/en/news/efsa-provides-rapid-risk-assessment-cereulide-infant-formula
- https://www.efsa.europa.eu/en/news/efsa-and-ecdc-rapid-outbreak-assessment-cereulide-incident-likelihood-exposure-low
- https://www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/multi-country-foodborne-event-caused-cereulide-infant-formula-products
Credoits: APA
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