Die grüne Chefin Leonore Gewessler zeigte sich im ZIB2-Interview am Sonntagabend sichtlich geladen und holte zum Rundumschlag gegen die neue Regierung aus. Im Fokus ihrer scharfen Kritik: Die SPÖ und der Wiener Verkehrsminister Peter Hanke, den sie kurzerhand zum „Betonminister“ ernannte. Stein des Anstoßes ist die Wiederbelebung des umstrittenen Lobautunnel-Projekts.
„Abrissbagger gegen den Klimaschutz“
Für Gewessler ist die Entscheidung für den Lobautunnel ein schwerer Rückschlag für den Klimaschutz in Österreich. „Das zeigt einfach in den klaren Worten, die es für so eine zukunftsvergessene Entscheidung braucht, was diese Regierung macht. Nämlich sich konsequent mit dem Abrissbagger gegen den Klimaschutz vorzugehen“, polterte die Ex-Ministerin im ORF-Interview. Sie bezeichnete das Bauvorhaben als „fossiles Großprojekt aus dem letzten Jahrtausend“.
Wie das Portal oe24 berichtet, wurden in kurzer Zeit zwei grüne Prestigeprojekte von der neuen Regierung gekippt. Zuerst wurden die Preise für die Öffi-Tickets, allen voran das Klimaticket, erhöht. Vergangene Woche verkündete Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) dann den „Lückenschluss der S1 Wiener Außenring Schnellstraße“ und holte damit den bereits totgeglaubten Lobautunnel zurück aus der Schublade.
„Betonideologie aus dem letzten Jahrhundert“
Gewessler wirft der SPÖ eine „Betonideologie aus dem letzten Jahrhundert“ vor und kann nicht nachvollziehen, wie für ein derart teures Projekt plötzlich Geld vorhanden sei, während an anderer Stelle gespart werde. Sie betonte, dass ihr während ihrer Amtszeit zahlreiche Experten von dem veralteten Projekt abgeraten hätten. Die Entscheidung für den Tunnel basiere laut Gewessler lediglich auf einem „Bauchgefühl der Wiener SPÖ“.
Ein persönliches Gespräch mit Minister Hanke scheint für die Grünen-Chefin derzeit wenig sinnvoll. „Ich suche das Gespräch mit allen, die ein Interesse daran haben, gute Lösungen zu finden. Mit dieser Entscheidung, die letzte Woche gefallen ist, muss ich das in Zweifel ziehen“, so Gewessler in der ZIB2.
Widerstand angekündigt
Angesichts der Entwicklungen schließt Gewessler auch Protestaktionen nicht mehr aus. „Ich werde nichts ausschließen, was rechtmäßigen Protest erlaubt“, kündigte sie an und stellte klar, dass ohne die Grünen offenbar kein Klimaschutz möglich sei. Trotz der Rückschläge sieht sie ihre Partei wieder im Aufwind und verweist auf einen neuen Mitgliederrekord. Dies sei auch eine klare Stimme gegen die „rechtsextremen Umtriebe“ und die „Putin-Annäherung“ von FPÖ-Chef Herbert Kickl.
Credits: APA
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