Ein Jahr nach dem Start der Ampel-Koalition liegen die Nerven blank – doch bei einem Thema macht die Regierung jetzt ernst: Die Gesundheitsreform kommt. Und sie könnte unser aller Leben verändern.
Es kriselt gewaltig im Gebälk der Koalition. Während man sich beim Thema Wehrdienst oder Social-Media-Verbot noch uneinig ist, soll es jetzt bei der Gesundheit ganz schnell gehen. Kanzler Christian Stocker und Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) drücken aufs Tempo. Der Plan ist ambitioniert: Bis zum Sommer soll ein Gesamtkonzept stehen, das die Patientenversorgung in Österreich völlig neu aufstellt.
Schluss mit der Zwei-Klassen-Medizin?
Die Ansage aus dem Gesundheitsministerium ist deutlich: „Gesundheit darf kein Luxus sein“, wird Ministerin Schumann von oe24.at zitiert. Der Plan sieht vor, den privaten Sektor möglicherweise zurückzudrängen, um die öffentliche Versorgung zu stärken. Ein heikles Unterfangen, das für ordentlich Zündstoff sorgen dürfte.
Dazu passt auch, dass der Nationalrat bereits Ende 2025 den Weg für einen neuen Gesundheitsreformfonds geebnet hat. Wie ORF.at berichtet, fließen ab 2026 jährlich rund 500 Millionen Euro in drei Sondertöpfe bei den Krankenkassen. Das Geld soll direkt in den Ausbau der Primärversorgung und in die Prävention fließen. Doch die Finanzierung hat einen Haken: Die Mittel stammen laut ORF.at ausgerechnet aus der Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge der Pensionisten – ein Punkt, der bereits für scharfe Kritik von Oppositionsparteien sorgte.
Impfen beim Apotheker kommt
Es ist eine Revolution, gegen die sich die Ärztekammer jahrzehntelang gewehrt hat: Das „Impfmonopol“ der Ärzte wackelt. Vizekanzler Andreas Babler verspricht eine „unbürokratische und einfache Lösung“ noch für dieses Jahr. Das Gesetz für niederschwellige Impfungen in Apotheken soll kommen. Für Patienten würde das bedeuten: Keine langen Wartezeiten beim Hausarzt mehr für den schnellen Stich.
Spitäler am Prüfstand
Müssen wir uns Sorgen um unsere Krankenhäuser machen? Kanzler Stocker versucht zu beruhigen, kündigt aber gleichzeitig tiefgreifende Veränderungen an. „Patienten sollen für ihr gesundheitliches Problem rasch die richtige Behandlung bekommen“, so der Kanzler laut oe24.at.
Im Hintergrund laufen die Planungen für einen „Gesundheitsatlas“. Die Angst vor Spitalsschließungen steht im Raum, auch wenn Stocker beschwichtigt: Man wolle nicht mit Schließungen beginnen, sondern erst analysieren, welches Krankenbett wo benötigt wird.
Doch der Druck ist groß. Ein tragischer Vorfall in Rohrbach, bei dem eine Patientin mit Aorteneinriss wegen fehlender Kapazitäten nicht weiterbehandelt werden konnte, hat die Politik aufgerüttelt. Daraufhin wurde ein 4-Punkte-Plan beschlossen, der unter anderem die Notfallversorgung von externen Experten auf Fehler abklopfen lässt.
Digitaler Eltern-Kind-Pass und Psychotherapie auf Kasse
Auch im bürokratischen Alltag der Patienten ändert sich einiges. Das gelbe Heftchen hat bald ausgedient. Wie Relatus Med berichtet, wird der Eltern-Kind-Pass ab Oktober 2026 digitalisiert.
Eine weitere große Baustelle wird endlich angegangen: Die psychische Gesundheit. Ab dem Frühjahr soll die klinisch-psychologische Krankenbehandlung als vollfinanzierte Kassenleistung erhältlich sein. Laut Relatus Med stehen pro Jahr über 120.000 Behandlungseinheiten zur Verfügung. Ein längst überfälliger Schritt.
Ob die Ampel-Koalition all diese Versprechen halten kann oder ob der interne Streit die Reformen am Ende doch noch bremst, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Der Zeitplan ist jedenfalls sportlich: Schon im zweiten Quartal 2026 soll die große Reform starten.
Quellen: oe24.at, ORF.at, Relatus Med
Credits: APA
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