Die Regierung macht Ernst und nimmt viel Geld in die Hand, um das heimische Gesundheitssystem umzukrempeln. Ab sofort sollen jährlich zusätzliche 500 Millionen Euro in notwendige Reformen fließen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Stärkung der niedergelassenen Kassenärzte, die Prävention von Krankheiten und ein massiver Ausbau der Digitalisierung.
Ein Fonds für die Wende
Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) hat am Freitag die Verordnung für den neuen Gesundheitsreformfonds unterschrieben. Wie das Portal oe24.at berichtet, sprach die Ministerin bei einer Pressekonferenz offen vom Beginn einer echten Trendwende. In den kommenden fünf Jahren werden insgesamt mehr als 2,6 Milliarden Euro locker gemacht. Die Beträge steigen dabei schrittweise an: Für das Jahr 2026 sind rund 498 Millionen Euro reserviert, bis 2030 wächst die Summe sogar auf 581 Millionen Euro an. Bezahlt wird dieses Paket indirekt durch die Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge von Pensionisten.
Strenge Regeln für die Millionen
Das viele Geld wird allerdings nicht einfach blind verteilt. Ministerin Schumann betonte, dass jede Maßnahme an klare Messgrößen geknüpft ist. Die Gelder fließen nur dann komplett, wenn die vereinbarten Ziele auch wirklich erreicht werden. Investiert wird massiv in neue Versorgungsformen. Es sollen spezielle Zentren für Schmerztherapie und Diabetes sowie zahlreiche neue Primärversorgungseinrichtungen entstehen. Jeder Bezirk muss in Zukunft über ausreichend gynäkologische Kassenärzte verfügen. Auch die psychosoziale Versorgung für Kinder und Jugendliche wird deutlich ausgebaut. Ein weiteres großes Ziel: Bis Ende 2027 soll ein bundesweites Darmkrebs-Screening für alle verfügbar sein. Zudem wird die Telemedizin fest in die Regelversorgung integriert, damit in Zukunft mehr Arztkontakte ganz bequem digital ablaufen können.
Gesundheitskasse schlägt Alarm
Dass das Gesundheitssystem vor massiven finanziellen Hürden steht, machte ÖGK-Obmann Peter McDonald mehr als deutlich. Die alternde Gesellschaft und der teure medizinische Fortschritt treiben die Kosten rasant in die Höhe. Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA zitiert wird, machte McDonald klar, dass das „Wünsch dir was“ im Gesundheitssystem endgültig vorbei sei. Die ÖGK musste den Gürtel bereits enger schnallen. Ein starker Fokus auf Vorsorge soll nun aber dringend nötige finanzielle Entlastung bringen. Auch ÖGK-Vizeobmann Andreas Huss forderte eine Entwicklung weg vom klassischen Einzelarzt hin zu großen, modernen Zentren. So sollen die überlasteten Spitäler gerettet und das berühmte Plastiksackerl voller Befunde endlich durch digitale Systeme ersetzt werden.
Lob und scharfe Kritik
Während NEOS, der Gewerkschaftsbund und der Pensionistenverband die Millionen-Spritze loben und von einem längst überfälligen Systemwechsel sprechen, kommt heftiger Gegenwind von der FPÖ. Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak ist überzeugt, dass die 500 Millionen Euro ohne eine echte Strukturreform völlig wirkungslos verpuffen werden. Er fordert sofort attraktivere Verträge für Kassenärzte und einen radikalen Bürokratieabbau. Dass die neuen Mittel direkt aus den höheren Beiträgen der Pensionisten stammen, nennt Kaniak schlichtweg „reine Showpolitik auf dem Rücken der Patienten und Steuerzahler“.
Quelle: oe24.at, APA
Credits: APA
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