Ein unangekündigter Besuch sorgt für internationales Aufsehen: CIA-Direktor John Ratcliffe reiste am Dienstag nach Moskau, um sich dort mit seinen russischen Geheimdienstkollegen zu treffen. Der Kreml bestätigte die Reise erst am Folgetag – nachdem er sie zunächst dementiert hatte.
Die Bestätigung aus Moskau
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bestätigte den Besuch gegenüber der „Washington Post“ und erklärte, Ratcliffe sei zu Kontakten „zwischen den Geheimdiensten“ nach Moskau gekommen. Zu den konkreten Gesprächsinhalten machte Peskow keine Angaben. Ausdrücklich stellte er jedoch klar, dass es kein Treffen mit Präsident Wladimir Putin gegeben habe – dieser sei aber „selbstverständlich sofort“ über die Gespräche informiert worden, wie der Sender CBS News aus Peskows Aussage zitiert. Die Kontakte fanden laut Peskow „mehr oder weniger auf der Ebene der Geheimdienste“ statt.
Ein Dementi am Vortag
Besonders bemerkenswert ist der Vorlauf der Bestätigung: Noch am Vortag hatte Peskow auf Anfrage russischer Nachrichtenagenturen erklärt, ihm sei nichts über einen Besuch Ratcliffes bekannt – dies, nachdem bereits ein US-Militärflugzeug in Moskau gelandet war. In sozialen Netzwerken sorgte das für belustigte Kommentare, nachdem Aufnahmen der Maschine auftauchten, verbunden mit der Frage, wie ein derart großes Flugzeug mit dem CIA-Chef an Bord ohne Wissen der russischen Staatsführung auf dem Flughafen Wnukowo hätte landen können.
Flugbewegungen als erster Hinweis
Wie die „Washington Post“ berichtet, hatten die USA den Besuch selbst nicht offiziell angekündigt – öffentlich zugängliche Flugverfolgungsdaten zeigten jedoch die Bewegung eines US-Regierungstransportflugzeugs von der Joint Base Andrews bei Washington nach Moskau. Laut CNN sowie Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) landete die Maschine, ein Boeing C-17A Globemaster III, in den frühen Morgenstunden des 25. August auf dem Flughafen Wnukowo und hob noch am selben Tag wieder Richtung Riga ab. Erstmals berichtet hatte über den Besuch der US-Sender CBS News.
Bitte an die Ukraine, Angriffe auszusetzen
Ein pikantes Detail liefert CNN: Die USA sollen die Ukraine im Vorfeld gebeten haben, Drohnen- und Raketenangriffe auf Moskau sowie andere nordrussische Städte zwischen Montag und Mittwoch auszusetzen. Ukrainische Stellen seien lediglich informiert worden, dass ein hochrangiger US-Vertreter nach Russland reise. Tatsächlich gab es am fraglichen Tag keine ukrainischen Drohnenangriffe auf Moskau, wie der ORF-Artikel dokumentiert.
Trump spielt die Bedeutung herunter
US-Präsident Donald Trump äußerte sich öffentlich zurückhaltend zu der Reise seines CIA-Direktors. „John Ratcliffe ist ein fantastischer Typ. Er ist der Chef der CIA, und er ist nicht wegen der Dinge dort, die Sie sagten“, so Trump laut CNN. Er bezeichnete den Trip als „irgendwie halb-routinemäßig“ und ergänzte, man arbeite intensiv daran, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden – beide Seiten wollten das inzwischen erreichen.
Mögliche Themen: Ukraine-Mobilmachung und Iran
Über die tatsächlichen Gesprächsinhalte gibt es bislang nur Spekulationen. Der ORF verweist darauf, dass Ratcliffe Russland vor einer weiteren Eskalation im Ukraine-Krieg gewarnt haben könnte – dies fällt zeitlich mit ukrainischen Geheimdienstinformationen zusammen, wonach Putin eine Mobilmachung nach der Parlamentswahl im September plane, was Peskow als gezielte Falschinformation zur Destabilisierung Russlands vor der Wahl zurückwies. RFE/RL wiederum verweist auf eine mögliche Verbindung zum Iran-Konflikt: Ratcliffes Reise erfolgte nur einen Tag, nachdem US-Finanzminister Scott Bessent eine neue wirtschaftliche Kampagne gegen den Iran angekündigt hatte. Sicherheitsexperten spekulieren, Ratcliffe könnte versucht haben, Moskau von weiterer Unterstützung Teherans abzuhalten – Russland unterhält enge militärische und wirtschaftliche Beziehungen zum Iran.
Ein historisch seltener Vorgang
Für Ratcliffe dürfte es der erste Besuch als CIA-Direktor in Moskau gewesen sein. Zuletzt hatte 2021 der damalige CIA-Chef William Burns Russland besucht und sich dabei mit Putin getroffen – im Auftrag von Präsident Joe Biden, um eine Eskalation im Ukraine-Konflikt zu verhindern. Russland-Sicherheitsexperte Andrei Soldatov erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, derartige Besuche fänden „nicht jedes Jahr“ statt. Offizielle Kommunikationskanäle zwischen Moskau und Washington bestünden aber seit den 1980er-Jahren, um im Bedarfsfall – etwa bei Gefahr für amerikanisches oder russisches Leben – direkten Austausch zu ermöglichen.
Parallel dazu: Ein Gefangenenaustausch
Am selben Tag fand nach Angaben der russischen Menschenrechtsbeauftragten Jana Lantratowa ein weiterer Gefangenenaustausch statt: Laut Reuters wurden in Belarus jeweils zehn Kriegsgefangene beider Seiten übergeben – eine im Vergleich zu früheren Austauschaktionen eher geringe Zahl. Ob die CIA an diesem konkreten Austausch beteiligt war, blieb zunächst unklar. Die Behörde hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach eine Rolle bei US-russischen Gefangenenaustauschen gespielt, etwa 2024 bei der Freilassung des „Wall Street Journal“-Reporters Evan Gershkovich.
Ein Besuch mit ungewisser Wirkung
Trotz der Bestätigung bleibt weitgehend offen, welche konkreten Ergebnisse die Gespräche gebracht haben könnten. Peskow selbst dämpfte die Erwartungen: Kontakte zwischen den Geheimdiensten seien zwar grundsätzlich „ein positives Phänomen“, die Beziehungen zwischen Russland und den USA befänden sich aber weiterhin in einer „tiefen Krise“. Es sei „zu früh“, um zu sagen, welche Auswirkungen der Besuch auf das bilaterale Verhältnis haben werde.
Credits: Office of the Director of Intelligence – https://www.odni.gov/files/images/headshots/DNI_John_Ratcliffe.jpg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=90702152
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