Gebühren-Chaos beim ORF: Wer räumt das Millionen-Desaster bei der Beitrags-Firma auf?

Gebühren-Chaos beim ORF: Wer räumt das Millionen-Desaster bei der Beitrags-Firma auf?

Nach der umstrittenen Umstellung der klassischen GIS auf den neuen ORF-Beitrag herrscht bei der zuständigen ORF-Beitrags Service GmbH (OBS) weiterhin Ausnahmezustand. Nach vernichtender Kritik durch den Rechnungshof zieht der öffentlich-rechtliche Rundfunk nun Konsequenzen und sucht eine komplett neue Führungsspitze. Wer tut sich diesen Krisenjob freiwillig an?

Vernichtendes Zeugnis vom Rechnungshof

Die Bilanz der Gebührenumstellung liest sich wie ein Albtraum für jeden Manager. Wie Die Presse berichtet, stiegen die Aufwendungen der OBS von 2023 auf 2024 um satte 1,45 Millionen Euro an, anstatt – wie vom Finanzministerium erhofft – zu sinken. Ein massiver Grund dafür: Völlig unzureichende Meldedaten. Bei unglaublichen 590.000 Personenadressen fehlten schlichtweg die Türnummern im Zentralen Melderegister (ZMR).

Die Folge war ein beispielloses Chaos. Teilweise erhielten Bürger, die im selben Haushalt leben, mehrfache Zahlungsaufforderungen. Der Kundendienst brach unter der Last der Beschwerden fast zusammen, es kam zu unendlich langen Wartezeiten und ungerechtfertigten Inkassoschreiben. Besonders bitter: Allein der Postversand verschlang 2024 rund 8,3 Millionen Euro. Doch viele Briefe landeten ungesehen im Müll, da die neue Marke „OBS“ in der Bevölkerung noch gänzlich unbekannt war, so Die Presse weiter.

Der rollende Kopf an der Spitze

Die Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten. Der einstige OBS-Geschäftsführer Alexander Hirschbeck musste nach der scharfen Rechnungshof-Prüfung seinen Hut nehmen. Wie der Kurier anmerkt, hatte der ORF-Stiftungsrat massiven Druck ausgeübt und endlich mehr Kundenorientierung bei der Gebühren-Firma eingefordert.

Seit Mitte des Vorjahres leitet Bettina Parschalk, die zuvor operative Leiterin des ORF-Kundendienstes war, das Unternehmen interimistisch. Doch nun soll eine dauerhafte Lösung für den Chefposten gefunden werden. Die Neuorganisation der wichtigsten Einnahmequelle des ORF, die jährlich weit über 700 Millionen Euro in die Kassen spült, hat höchste Priorität.

Wer wird der neue ORF-Geldsammler?

Die offizielle Ausschreibung für den neuen Geschäftsführer ist bereits online. Wie Der Standard berichtet, läuft die Bewerbungsfrist bis zum 18. Mai. Gesucht wird eine starke Führungspersönlichkeit, die nicht nur das gesamte Beitragsmanagement verantwortet, sondern auch die finanzielle Steuerung, die marode IT und die Öffentlichkeitsarbeit wieder auf Kurs bringt.

Der neue Chef muss unternehmerisches Geschick und ein hohes Maß an Krisenresistenz mitbringen. Finanziell wird der heiße Stuhl mit einem Mindestbruttogehalt von 5.205,31 Euro pro Monat dotiert, wobei der ORF eine Bereitschaft zur Überzahlung signalisiert. Ob Bettina Parschalk sich selbst für die fixe Position bewirbt, ist derzeit noch unklar. Klar ist jedoch: Wer auch immer den Job übernimmt, muss einen enormen Berg an Problemen beseitigen und das verloren gegangene Vertrauen der zahlenden Bürger mühsam wieder aufbauen.

Quelle: oe24, Der Standard, Kurier, Die Presse
Credits: APA

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