“Freeze and stop”: Selenskyj wäre mit Waffenstillstand an der aktuellen Front einverstanden

“Freeze and stop”: Selenskyj wäre mit Waffenstillstand an der aktuellen Front einverstanden

Einfrieren statt zurückerobern: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich offen für ein Abkommen gezeigt, das den Krieg entlang der derzeitigen Frontlinie stoppt. Das sagte er im US-Sender Fox News, nur wenige Stunden bevor Donald Trumps Sondergesandter Steve Witkoff in Sankt Petersburg Wladimir Putin traf. Die Position ist nicht neu – ihr Zeitpunkt aber schon.

“Ja”

Moderator Brian Kilmeade fragte Selenskyj in der Sendung “Fox & Friends”, ob er einem Friedensabkommen zustimmen würde, das alles dort einfriert, wo es gerade steht, sofern die Ukraine 75 Prozent oder mehr ihres Territoriums behält – “unabhängig davon, wie der Konflikt begonnen hat”. Selenskyjs Antwort, laut der ukrainischen Zeitung Ukrajinska Prawda: “Ja, im Moment müssen wir einfrieren, und ich denke, das ist ein realistischer Weg, diesen Krieg zu beenden. Wir nennen es Waffenstillstand oder ‘Stopp des Tötens’, wie Präsident Trump es genannt hat. Einfrieren und stoppen. Und das ist natürlich das Minimum, was wir heute von Russland brauchen.”

Waffenstillstand ist nicht Anerkennung

Wichtig ist, was Selenskyj damit nicht sagt. Ein Einfrieren der Front bedeutet keinen Verzicht auf die besetzten Gebiete und keine rechtliche Anerkennung als russisches Territorium, betont das ukrainische Portal UA.News. Selenskyj beschrieb den Waffenstillstand als ersten Schritt: “Einfrieren und Verhandlungen. Und Sicherheitsgarantien von den Vereinigten Staaten. Und Wohlstand durch unsere Partner für den Wiederaufbau unseres Lebens.” Man dürfe nicht zulassen, dass Besatzung, Aggression und Tötungen zurückkehren, sobald sie gestoppt seien – deshalb brauche die Ukraine Garantien von den USA und von Europa.

Neu ist der Ton

Inhaltlich ist Selenskyjs Position nicht neu, wie auch die APA unter Berufung auf dpa festhält: Die Ukraine hat schon mehrfach vorgeschlagen, die Kämpfe entlang des jetzigen Frontverlaufs einzustellen. Neu ist der Zeitpunkt. Erst vor zwei Wochen hatte Trump nach einem Diesel-Deal mit Putin einen “neuen Präsidenten” für die Ukraine gefordert, Selenskyj hatte ihm vorgeworfen, auf der “falschen Seite der Geschichte” zu stehen. Jetzt übernahm er Trumps Formulierung vom “Stopp des Tötens”. Witkoff war vor und nach seinem Besuch bei Putin in Oslo, wo er auch Selenskyj und europäische Vertreter traf. Selenskyj hofft nun auf Dreiergespräche mit den USA und Russland Anfang November.

Moskau sieht eine Atempause für Kiew

Ob Russland auf ein Einfrieren eingeht, ist mehr als fraglich. Moskau lehnte solche Vorschläge bisher mit der Begründung ab, die Ukraine bekäme damit nur eine Atempause, um wieder aufzurüsten, berichtet die APA. Putin erklärte sich nach dem Treffen mit Witkoff zwar bereit, die dreiseitigen Gespräche nach dem 10. November wieder aufzunehmen. Sein Berater Juri Uschakow sagte aber laut CBS, Fortschritte erforderten von der Ukraine “notwendige Entscheidungen”, die von Witkoff mitgebrachten Vorschläge enthielten “wenig Nützliches”.

Wer hat die Zeit auf seiner Seite?

Hinter den Positionen steht auch die Frage, wer militärisch im Vorteil ist. Putin behauptet, seine Truppen rückten ständig weiter vor, und auch Trump neigt laut APA zu dieser Sichtweise. Tatsächlich hat die ukrainische Armee den russischen Vormarsch in diesem Sommer gestoppt und an einigen Abschnitten sogar zurückgedrängt, wie die Agentur berichtet. Für Kiew ist ein Einfrieren deshalb ein Angebot aus einer stabilisierten Lage heraus – für Moskau eines, das es bisher nicht nötig zu haben glaubt.

Credits: BKA Christopher Dunker

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