Frederiksen vor dritter Amtszeit: Wie Trump ihr den Wahlkampf rettete

Frederiksen vor dritter Amtszeit: Wie Trump ihr den Wahlkampf rettete

Vor wenigen Monaten noch stand Dänemarks Ministerpräsidentin mit dem Rücken zur Wand. Dann kam Grönland – und alles änderte sich.

Vom Umfragetief zum Wahltag

Ende 2025 sah es für Mette Frederiksen düster aus. Wie cash.ch berichtet, kamen die dänischen Sozialdemokraten nach einer historischen Niederlage bei den Kommunalwahlen im Dezember in Umfragen nur noch auf 17 Prozent. Die große Koalition mit der liberalen Venstre und den konservativen Moderaten – das ungewöhnliche Regierungsexperiment seit 2022 – hatte Frederiksen nach links wie rechts Glaubwürdigkeit gekostet. Wie die taz dokumentiert, fuhr die Partei bei den Kommunalwahlen das schlechteste Ergebnis in ihrer über hundertjährigen Geschichte ein.

Dann kam Trumps erneute Grönland-Offensive. Wie ZDF berichtet, warnte Frederiksen mit scharfen Worten: Bei einem US-Angriff auf Grönland „ist alles vorbei“ – Nato und europäische Sicherheitsarchitektur eingeschlossen. „Grönland steht nicht zum Verkauf“, stellte sie unmissverständlich klar. Das Ergebnis: Die Umfragewerte der Sozialdemokraten stiegen auf rund 22 Prozent, und Frederiksen griff die Gunst der Stunde. Wie die Berliner Zeitung berichtet, schrieb sie mit nur 26 Tagen Vorlauf – dem kürzesten Wahlkampf seit einem Jahrzehnt – die Parlamentswahl auf den 24. März 2026 aus.

Die Reichensteuer als Linksruck

Mit dem Grönland-Rückenwind im Gepäck schlug Frederiksen zum Wahlkampfauftakt einen überraschenden innenpolitischen Kurs ein. Wie IPG Journal und nordschleswiger.dk übereinstimmend berichten, kündigte sie eine Vermögenssteuer von 0,5 Prozent auf Vermögensteile an, die 25 Millionen dänische Kronen (rund 3,35 Millionen Euro) pro Person übersteigen. Betroffen wären laut Berechnungen etwa 22.000 Bürger. Die erwarteten Staatseinnahmen: 6 bis 7 Milliarden Kronen jährlich, die in Bildung, Kinderarmut und Sozialstaat fließen sollen.

„Die breitesten Schultern müssen mehr tragen“, sagte Frederiksen zur Begründung, die laut IPG Journal darauf verwies, dass 25 Prozent des dänischen Vermögens in den Händen von einem Prozent der Bevölkerung lägen.

Widerstand von Wirtschaft und Koalitionspartnern

Der Vorschlag traf sofort auf erbitterten Widerstand. Wie nordschleswiger.dk berichtet, lehnte Venstre-Chef Troels Lund Poulsen das Modell kategorisch ab und warf Frederiksen vor, Dänemark ärmer zu machen. Vestas-Topchef Henrik Andersen drohte laut nordschleswiger.dk sogar damit, das Land zu verlassen, sollte die Steuer kommen. Und Watson.ch berichtet, dass Koalitionspartner eine erneute Regierungsbeteiligung von einer Abkehr dieser Forderung abhängig machten – was das Ende der alten Dreierkoalition besiegelte.

Dritte Amtszeit in greifbarer Nähe

Trotz aller Gegenwinds sieht Fredderiksens Kalkül auf. Wie SRF berichtet, führten die Sozialdemokraten zuletzt Umfragen mit rund 25 Prozent an – in einem Feld von 16 Parteien ein Ergebnis, das für eine dritte Amtszeit reichen könnte. Wie die taz festhält, zeigte bereits eine erste Umfrage nach Wahlaufruf: Der rot-grüne Block käme auf 85 Mandate, der bürgerliche auf 78. Die Frau, die Trump die Stirn bot, könnte damit das politische Paradox vollenden: ausgerechnet dem US-Präsidenten ihre Wiederwahl zu verdanken.


Quellen:

  • IPG Journal: „Der goldene Legostein – Dänemark: Frederiksen kämpft mit Linkskurs und Krisenpolitik“ (März 2026)
  • Watson.ch: „Das Grönland-Paradox: Ausgerechnet Trump hilft Mette Frederiksen“ (März 2026)
  • Berliner Zeitung: „Trump die Stirn geboten: Frederiksen beschert Dänemark einen kurzen Wahlkampf“ (Februar 2026)
  • SRF: „Dänemark vor Neuwahlen: Gründe, Wahlkampf und Chancen für Frederiksen“ (Februar 2026)
  • taz.de: „Mette Frederiksen steuert auf dritte Amtszeit zu“ (März 2026)
  • nordschleswiger.dk: „Folketingswahl 2026: Gegenwind für Vorschlag einer Vermögenssteuer“ (März 2026)
  • cash.ch: „Mette Frederiksen: Dänemarks Trump-Widersacherin kämpft um Wiederwahl“ (März 2026)
  • ZDF: „Dänische Regierungschefin Frederiksen: Bei Angriff auf Grönland ist alles vorbei“ (Januar 2026)

Credits: APA

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