FPÖ-Tschank macht sich über Schieder lustig

FPÖ-Tschank macht sich über Schieder lustig

SPÖ-EU-Abgeordneter Andreas Schieder erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Vlora. Die FPÖ kontert mit spitzer Kritik an seiner zwölfjährigen Studiendauer.

Auszeichnung für EU-Erweiterungspolitik

„Europa ist Albaniens Religion“, erklärte Andreas Schieder bei seiner Rede an der albanischen Universität Vlora, wie OE24 berichtet. Der SPÖ-EU-Delegationsleiter erhielt dort die Ehrendoktorwürde für seinen langjährigen Einsatz für den EU-Beitritt Albaniens.

Schieder ist im Europaparlament als Berichterstatter für Albanien zuständig und begleitet den EU-Beitrittsprozess des Westbalkan-Staates. „Der Weg ist hart, aber der Aufwand lohnt sich“, sagte Schieder laut OE24 bei der Zeremonie. Die positiven Veränderungen durch eine EU-Erweiterung seien es, die ihn antreiben.

Enge Verbindung zu Skandal-Botschafter Velaj

Schieders Albanien-Engagement steht in enger Verbindung mit dem albanischen Botschafter in Wien, Fate Velaj. Der 1963 in Vlora geborene Velaj kam 1991 als Flüchtling nach Österreich und wurde 2024 Botschafter – ausgerechnet in jenem Land, das ihm einst Asyl gewährte, wie Meinbezirk.at berichtete.

Doch Velaj steht massiv in der Kritik. Laut dem Investigativportal Fass ohne Boden wird gegen ihn von der albanischen Anti-Korruptionsbehörde SPAK wegen mehrerer Vorwürfe ermittelt – darunter der Verdacht, seine Schwägerin Erjona Daupaj in der Wiener Botschaft vor der Justiz versteckt zu haben. Daupaj steht im Verdacht, in einen Geldwäschefall mit 3,4 Millionen Euro verwickelt zu sein.

Velaj besaß zum Zeitpunkt seiner Ernennung 2023 noch die österreichische Staatsbürgerschaft – ein Verstoß gegen die Wiener Konvention über diplomatische Beziehungen, wie „Fass ohne Boden“ recherchierte. Erst nach Intervention des Außenministeriums soll er diese zurückgelegt haben. Zudem steht sein akademischer Titel von der Universität für angewandte Kunst in Frage – Plagiatsforscher Stefan Weber bereitet laut exxtra24.at einen Aberkennungsantrag vor.

FPÖ-Abgeordneter ätzt gegen Schieder

Die Auszeichnung löste prompt eine Reaktion aus dem FPÖ-Lager aus. Der Wiener FPÖ-Nationalratsabgeordnete Markus Tschank postete auf Facebook: „SPÖ Schieder – Die größten Nieten erhalten die Ehrendoktorwürde – 12 Jahre hat er für sein Studium gebraucht. 1990-2002: Studium der Volkswirtschaft an der Universität Wien (Mag. rer. soc. oec.)“

Die Studiendauer ist korrekt: Laut dem offiziellen Lebenslauf auf der Website des Europaparlaments studierte Schieder von 1990 bis 2002 Volkswirtschaft an der Universität Wien und schloss mit dem Magister ab. Allerdings leistete er 1990 bis 1991 Zivildienst und nahm 1995 bis 1996 Elternkarenz.

Wer ist Markus Tschank?

Der Kritiker selbst hat einen beachtlichen akademischen Werdegang: Markus Tschank, geboren 1979 in Wien, studierte von 1998 bis 2003 Rechtswissenschaften an der Universität Wien (Mag. iur.) – also fünf Jahre, wie Wikipedia berichtet. Von 2007 bis 2009 promovierte er zum Dr. iur. mit einer Dissertation über EU-Gesellschaftsrecht, die mit dem Walther-Kastner-Preis ausgezeichnet wurde.

Der Rechtsanwalt und FPÖ-Politiker war bereits von 2017 bis 2019 Nationalratsabgeordneter und sitzt seit Oktober 2024 erneut im Parlament. Tschank ist Bezirksparteiobmann der FPÖ in Wien-Innere Stadt und gründete 2016 das „Institut für Sicherheitspolitik“, das unter der FPÖ-ÖVP-Regierung 200.000 Euro jährlich vom Verteidigungsministerium erhielt, wie Profil 2018 berichtete.

Politische Karriere trotz langer Studiendauer

Schieders lange Studiendauer hielt ihn nicht von einer erfolgreichen politischen Laufbahn ab. Von 2008 bis 2013 war er Staatssekretär im Bundeskanzleramt und später im Finanzministerium. Von 2013 bis 2017 führte er den SPÖ-Parlamentsklub als Klubobmann. Seit 2019 sitzt er im Europaparlament und ist stellvertretender SPÖ-Bundesparteivorsitzender.

Mit der Ehrendoktorwürde darf sich Schieder, der bereits einen Magister führt, nun auch als „(Ehren)Doktor“ bezeichnen – was die FPÖ offenbar besonders ärgert.

Credits:
– Von SPÖ Presse und Kommunikation – Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48880556 (Titelbild)
– Screenshot Facebook, Markus Tschank
– BKA (Fate Velaj & Meinl-Reisinger

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