Monatelang haben der bekannte Plagiatsjäger Privatdozent Dr. Stefan Weber, die renommierte Privatdetektivin Vera Dumser und sogar ehemalige Angehörige des albanischen Geheimdienstes die Causa Fate Velaj untersucht. Das Ergebnis: Widersprüche, Skandale – und Vorwürfe, die den Botschafter Fate Velaj aus ihrer Sicht untragbar machen.
Schon vor seiner Bestellung zum Botschafter in Wien gab es im österreichischen Außenministerium Zweifel. Interne Beamte schickten sogar eine Verbalnote an das albanische Außenministerium, um einen anderen Kandidaten für die Position durchzusetzen. Gründe dafür: Zweifel an seiner Qualifikation, Hinweise auf eine Doppelstaatsbürgerschaft und seine parallele gewerbliche Tätigkeit in Österreich.

Plagiatsbombe bei der Masterarbeit
Plagiatsjäger Dr. Stefan Weber nahm Velajs Masterarbeit Good Morning, Balkan (2006, Universität für angewandte Kunst Wien) unter die Lupe und kam zu dem Schluss:
„Die Arbeit erfüllt, auch wenn sie nicht plagiiert worden wäre, nicht die Mindeststandards einer wissenschaftlichen Arbeit.“
Laut Weber hat Velaj unter anderem Textstellen von Dr. Emil Brix (Direktor der Diplomatischen Akademie Wien) übernommen. Im Originaltext von Brix heißt es „Mitteleuropa“ – Velaj änderte dies zu „Südosteuropa“. Quelle: Emil Brix, Die Furche (2003). Brix ist ehemaliger Botschafter, Direktor der Diplomatischen Akademie Wien und Präsident der Österreichischen Forschungsgemeinschaft.
Webers Fazit:
„Die Arbeit umfasst weniger als 40 Seiten Fließtext. Die nicht plagiierten Passagen bestehen großteils aus Interviews. Eine wirkliche Eigenleistung ist nicht erkennbar.“



Detektivin ermittelt: Sozialhilfe trotz Millionenvermögen
Privatdetektivin Vera Dumser fand heraus, dass Velaj in Österreich Sozialhilfe bezog, obwohl er zuvor im albanischen Parlament ein Vermögen von 1,2 Millionen Euro angegeben hatte – für Dumser ein klarer Fall von Sozialhilfebetrug.
Zusätzlich gibt es laut mehreren Quellen den Vorwurf, Velaj habe seine kriminell verurteilte Schwägerin in der Wiener Botschaft versteckt.

Gekaufte Titel & fragwürdige Auszeichnungen
Weber und Dumser stellen weitere Fragen:
- Ein angeblich gekaufter akademischer Titel von der skandalumwitterten „Kristall-Universität“ – und die Frage, wie Velaj überhaupt eine Studienzulassung in Österreich erhielt.
- Verliehene Ehrungen wie das Goldene Verdienstzeichen der Republik oder ein Professortitel, deren Vergabegrundlagen laut Dumser „umgehend überprüft werden müssen“.
- Mögliche Korruption im Umfeld dieser Titelverleihungen und bei der Bestellung neuer Honorarkonsulate ab 2025.
- Treuhänderische Verwaltung möglicher Gelder aus der albanischen Politik.
Dumser fragt zudem:
„Wird Fate Velaj nach seiner Amtszeit wieder die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten?“
Ihre Antwort:
„Ein ehemaliger Elektriker erkauft sich einen akademischen Titel in Albanien, täuscht ein Studium für die Studienberechtigung in Österreich vor, planiert eine Masterarbeit, baut sein Netzwerk und seinen Status über seine Position aus und schafft sich – wie Pippi Langstrumpf – eine Welt, wie sie ihm gefällt. Österreichs Politik unterstützt und sieht zu. Fakt ist: Velaj darf aufgrund dieser Verfehlungen die österreichische Staatsbürgerschaft nicht mehr erhalten.“
Geheimdienstspuren
Ehemalige Angehörige des albanischen Geheimdienstes bestätigen:
In der kommunistischen Ära wäre es ohne Kontakte zu ausländischen (Geheim-)Diensten kaum möglich gewesen, so leicht über Grenzen zu reisen wie Velaj. Auch der Hinweis in seiner Bachelorarbeit, dass sein Vater in Russland studierte, wirft Fragen auf. Insider schließen nicht aus, dass Velaj für den ehemaligen jugoslawischen Geheimdienst tätig war.


Politische Brisanz
Die Vorwürfe sind so schwerwiegend, dass Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) unter Druck steht. Als Abgeordnete hatte sie gemeinsam mit Helmut Brandstätter bereits eine parlamentarische Anfrage zum Bestellprozess Velajs gestellt. Nun sitzt sie als Außenministerin selbst in der Verantwortung.
Die Forderungen der Opposition: Sofortige Abberufung von Fate Velaj und Aufklärung, warum er trotz der bekannten Vorwürfe weiterhin im Amt ist.
Im Raum stehen:
- Amtshaftungsklage gegen das Außenministerium
- Misstrauensantrag gegen die Ministerin selbst
- Untersuchungsausschuss zum Bestellvorgang und zur Rolle ehemaliger Minister
Vorwurf: Meinl-Reisinger soll seit Monaten von den Vorwürfen gewusst und den Fall trotz erdrückender Fakten vertuscht haben.

Screenshot: Kronen Zeitung
Die SPÖ-Connection
Schon als Flüchtling suchte Velaj offenbar den Kontakt zu SPÖ-Größen. Er schrieb sich bei Seminaren der Partei ein und versuchte, erste Netzwerke zu knüpfen. Von Christian Kern bis Alfred Gusenbauer soll er um Referenzschreiben gebeten haben, um seine Glaubwürdigkeit zu stärken.
Bemerkenswert: Als ehemaliger Flüchtling aus Traiskirchen will er sein Buch Kreuztanne am 23. September in Traiskirchen gemeinsam mit dem heutigen Vizekanzler und ehemaligen Bürgermeister Babler präsentieren. Ob das Werk tatsächlich von ihm selbst stammt, ist ebenso offen wie die Frage, ob Babler nach den jüngsten Enthüllungen überhaupt die Laudatio halten wird.
„Vom Esel zum Ritter“
Der bekannte albanische Journalist und Analyst Kastriot Myftaraj (1966–2022), der unter ungeklärten Umständen verstarb, widmete Velaj bereits 2014 einen Artikel. Darin heißt es:
„In Albanien sagt man, der Ritterorden (Goldenes Verdienstzeichen), den Fate erhielt, sei der Moment, wo der Esel zum Ritter wird. Und als Edi Rama (Ministerpräsident Albaniens) ihn bei der Zeremonie umarmte, soll er ihm ins Ohr geflüstert haben: ‚Mein alter Freund, der Esel, hätte diese Auszeichnung mehr verdient als du.‘“
Fazit
Ein Botschafter, dessen Lebenslauf laut den Ermittlungen aus Plagiaten, Skandalen und fragwürdigen Kontakten besteht. Die Vorwürfe reichen von Sozialhilfebetrug über gekaufte Titel bis hin zu mutmaßlichen Geheimdienstverbindungen.
Die Frage scheint nicht mehr zu sein, ob Fate Velaj gehen muss – sondern wann.
Credits: BKA
Neueste Kommentare