Kaum ist Karl Nehammer von der politischen Bühne in Wien abgetreten, wartet schon der nächste lukrative Posten auf den ehemaligen Bundeskanzler. Ab September wird der ÖVP-Politiker Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Luxemburg. Doch die Ernennung sorgt für heftige Kritik, allen voran von der FPÖ, die von „Postenschacher“ spricht und Nehammers Qualifikation für den hoch dotierten Finanzjob infrage stellt.
FPÖ schießt scharf: „Versorgungsinstitution für Altpolitiker“
Die Tinte auf dem Vertrag war kaum trocken, da hagelte es bereits Kritik. Besonders die FPÖ findet deutliche Worte für Nehammers Karrieresprung. Der freiheitliche EU-Delegationsleiter Harald Vilimsky bezeichnete die EIB als „Versorgungsinstitution für abgehalfterte Altpolitiker der Systemparteien“, wie es in einer Aussendung auf der FPÖ-Website heißt. Man wirft Nehammer vor, sich trotz seiner „Rekordschulden-Kanzlerschaft“ einen Top-Posten zu sichern. Die Freiheitlichen sehen in der Bestellung ein Paradebeispiel für Intransparenz und fehlende Fachkenntnis.
Auch FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker kritisierte die Entscheidung scharf und sprach von „Postenschacher“, wie das Portal oe24.at berichtete. Die zentrale Frage, die die FPÖ aufwirft: Ist ein ehemaliger Berufssoldat und studierter Kommunikationsexperte die richtige Besetzung für das Direktorium einer Bank, die eine Bilanzsumme von fast 600 Milliarden Euro verwaltet?
Ein Gehalt, das Kanzler und Präsident in den Schatten stellt
Für Nehammer bedeutet der Wechsel nach Luxemburg auch einen gewaltigen finanziellen Aufstieg. Sein neues Monatsgehalt beträgt laut Medienberichten stolze 31.536 Euro brutto. Damit verdient er deutlich mehr als der amtierende Bundeskanzler (rund 23.840 Euro) und sogar mehr als der Bundespräsident (etwa 26.701 Euro). Dieser Gehaltssprung für einen Posten, dessen Besetzung von Kritikern als politisch motiviert angesehen wird, gießt zusätzlich Öl ins Feuer der Debatte. Seine Beratungsfirma, die Nehammer Consulting GmbH, wurde unterdessen ruhend gestellt, wie die Presse meldete.
EIB begrüßt den „hochrangigen Politiker“
Während die politische Konkurrenz in Wien tobt, gibt man sich bei der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg gelassen. In einer offiziellen Pressemitteilung auf ihrer Website begrüßt EIB-Präsidentin Nadia Calviño den Neuzugang. „Mit seiner umfassenden Erfahrung in der europäischen Politik wird er einen wichtigen Beitrag zur EIB-Gruppe und unserer Arbeit für die Ziele der EU leisten“, lässt sie sich zitieren. Man freue sich auf die Zusammenarbeit.
Die Ernennung erfolgte auf Vorschlag Österreichs durch die Finanzminister der EU-Länder. Nehammer folgt auf den schwedischen Vizepräsidenten Thomas Östros und tritt sein Amt am 1. September für eine sechsjährige Amtszeit an. Aus EIB-Kreisen heißt es, man begrüße einen „so hochrangigen Politiker“ in den eigenen Reihen. Ob politische Erfahrung allein für die Führung einer der größten Finanzinstitutionen Europas ausreicht, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
Credits: APA
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