Der neue Papst muss hoffen, dass ausgerechnet die milliardenschweren Unterstützer von US-Präsident Donald Trump auch Finanzmittel zur Linderung der katholischen Budget-Krise überweisen: Allein 2024 verzeichnete der Vatikan ein Defizit von 83 Millionen Euro – mehr als doppelt so viel wie zuletzt 2022.
Mit der Wahl von Papst Leo, dem ersten US-Pontifex in der Geschichte der katholischen Kirche, muss nun auch eine strategische Antwort auf die akute Finanzkrise, die den Vatikan seit Jahren belastet, gefunden werden. Der 67-jährige frühere Kardinal Robert Prevost steht nun vor der doppelten Herausforderung: den ideologischen Riss innerhalb der Kirche zu kitten – und gleichzeitig das marode Finanzsystem der Heiligen Stadt zu sanieren. Unterstützung erhofft er sich dabei ausgerechnet aus der konservativen, trumpnahen Ecke der US-Katholiken.
Die Wahl Leos sei auch dazu im Vorfeld gezielt vorbereitet worden, berichtet aktuell das Politikmagazin Politico. In Gesprächen vor dem Konklave formierte sich eine Allianz von Kardinälen, die in ihm einen Brückenbauer sahen: jemand, der die konservative Basis ernst nimmt, ohne das Pontifikat politisch nach rechts zu verschieben. Mehr als 100 Stimmen soll Leo laut gut informierten Quellen im Konklave erhalten haben – ein starkes Mandat, auch von kirchlichen Hardlinern.
Der erzkonservative US-Kardinal Raymond Burke, einer der lautesten Kritiker von Franziskus, soll Leo sogar vor und nach dem Konklave empfangen haben. Ein offizieller Kommentar seines Büros steht bislang aus.
In seinen ersten Amtshandlungen hat Papst Leo bereits Signale an das traditionelle Lager gesendet. Er residiert wieder im Apostolischen Palast – dort, wo jahrhundertelang Päpste wohnten, bis Franziskus freiwillig ins Gästehaus zog. Außerdem soll Leo die lateinische Liturgie pflegen und besonderen Wert auf klassische Riten legen.
Spendengala trifft Papstwahl
Der Zeitpunkt der Wahl Leos fiel zufällig mit der alljährlichen Fundraising-Woche des Vatikans – der „America Week“ – zusammen. Bei den glamourösen Veranstaltungen in Rom wurde laut einem Insider eine symbolische Zusage über eine Milliarde Euro gemacht, unter der Bedingung, dass „der richtige Papst“ gewählt werde. Leo erfüllte offenbar die Erwartungen.
„Die Kirche braucht dringend amerikanisches Geld“, sagt John Yep, Präsident der konservativen Organisation Catholics for Catholics. „Und Leo war eine kluge Wahl – ein Amerikaner, der nicht zu amerikanisch wirkt. Genau die Mischung, die es jetzt braucht.“
Altlasten der Vergangenheit
Doch neue Spendengelder allein werden nicht reichen. Der Ruf des Vatikans ist schwer beschädigt – nicht nur durch moralische Skandale, sondern auch durch Jahrzehnte finanzieller Intransparenz. Der IOR war in den 1970ern und 1980ern in dubiose Geschäfte mit Mafia, Freimaurern und dem CIA verwickelt – ein Netz, das bis zu jenem mysteriösen Tod eines Bankers unter der Londoner Blackfriars Bridge 1982 reichte.
Erst Papst Franziskus initiierte eine Reformwelle. Er verpflichtete den ehemaligen Deloitte-Manager Libero Milone zur Kontrolle der vatikanischen Bücher. Dessen erste Bilanz war erschütternd: „Wir arbeiteten im 21. Jahrhundert – die Vatikanbuchhaltung befand sich noch im 19.“, so Milone rückblickend.
Ein Papst mit Spendenauftrag
Nun liegt es an Papst Leo, nicht nur Glauben, sondern auch Vertrauen zurückzugewinnen. Der Pontifex als Spendensammler – ein Rollenbild, das im Vatikan einst undenkbar war. Doch in Zeiten leerer Kassen und einer schwindenden Gläubigenschaft in Europa scheint Leo den Nerv der Zeit getroffen zu haben: als spiritueller Diplomat, aber auch als Finanzsanierer im Dienst von 1,4 Milliarden Katholiken weltweit.
Credit: APA
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