Fasching und politische Korrektheit: Österreicher lehnen Kostümregeln klar ab

Fasching und politische Korrektheit: Österreicher lehnen Kostümregeln klar ab

Kurz nach dem Faschingsdienstag brodelt die Debatte weiter: Nachdem das Moment Magazin – ein Medium des wirtschaftspolitischen Momentum-Instituts – eine Liste mit erlaubten und verbotenen Faschingskostümen veröffentlicht hatte, hagelte es Kritik. Eine Leserumfrage von exxpress.at zeigt das Ausmaß der Ablehnung.

Was Moment Magazin veröffentlichte

Kurz vor dem Faschingshöhepunkt veröffentlichte das Moment Magazin auf Instagram einen Post unter dem Titel „Was ist ein Faschingskostüm und was rassistisch?“. Wie exxpress.at berichtet, listete das Medium darin auf, welche Verkleidungen unproblematisch seien – etwa Tierverkleidungen, Berufe wie Feuerwehrmann oder Arzt, Fantasiewesen wie Einhörner und Vampire sowie Clowns. Klar ausgeschlossen wurden hingegen Verkleidungen, die andere Hautfarben nachahmen: Wenn sich weisse Menschen eine andere Hautfarbe schminken, würden sie laut dem Post Stereotype und Vorurteile zum eigenen Vergnügen wiederholen. Auch indigene Kleidung und Schmuck wurden als ungeeignete Kostümwahl eingestuft.

Das Momentum Institut bezeichnet sich selbst als unabhängig. Die Arbeiterkammer förderte das Institut laut ORF und den Salzburger Nachrichten im Jahr 2020 mit 900.000 Euro bei einem Gesamtbudget von 1,6 Millionen Euro. Da die AK-Gremien mehrheitlich mit SPÖ-Vertretern besetzt sind, wird das Institut von Kritikern als politisch nahestehend eingeordnet.

98 Prozent sagen: Das geht zu weit

Die Reaktion der Öffentlichkeit fiel eindeutig aus. Wie exxpress.at berichtet, beteiligten sich 1.967 Personen an einer Online-Leserumfrage des Mediums. Auf die Frage, was sie von dieser politischen Korrektheit in der Faschingszeit halten, antworteten 98 Prozent: „Das geht zu weit.“ Nur ein Prozent hielt die Regeln für „teilweise sinnvoll“, ein weiteres Prozent für „wichtig und sinnvoll“.

Einschränkend muss festgehalten werden: Es handelt sich um eine nicht-repräsentative Online-Abstimmung unter exxpress-Lesern, die naturgemäß ein bestimmtes politisches Spektrum abdeckt. Rückschlüsse auf die Gesamtbevölkerung sind damit nicht möglich.

Eine alte Debatte, neu entfacht

Die Frage, wo Faschingskostüm endet und kulturelle Aneignung beginnt, ist nicht neu. Der Tiroler Volkskundler Thomas Nussbaumer sprach sich gegenüber der APA für eine Faschingszeit aus, die frei von überschiessender politischer Korrektheit sei – die Fasnacht lebe traditionell von Tabubrüchen und Grenzüberschreitungen und erfülle eine wichtige soziale Funktion als temporär moralfreier Raum.

Auf der anderen Seite verweisen Kritiker darauf, dass die Wirkung von Verkleidungen stark vom Kontext abhängt – und dass bestimmte Darstellungen von betroffenen Gruppen als verletzend erlebt werden können.

Eines ist jedenfalls klar: Die Debatte hat die Faschingssaison überdauert – und wird beim nächsten Mal wiederkehren.


Quellen: exxpress.at, Moment Magazin/Instagram, exxtra24.at, ORF.at, Salzburger Nachrichten, APA (Volkskundler Thomas Nussbaumer)

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