Von 1.030 auf 60: Der Familiennachzug nach Österreich ist im laufenden Jahr fast vollständig zum Erliegen gekommen. Auch bei den Asylanträgen und den Aufgriffen an der Grenze zeigen die neuen Zahlen des Innenministeriums einen deutlichen Rückgang. In der Grundversorgung sind so wenige Asylwerber wie seit fast 30 Jahren nicht mehr.
Minus 94 Prozent beim Familiennachzug
Am stärksten ist der Einbruch beim Familiennachzug. In den ersten neun Monaten 2025 kamen laut Innenministerium noch 1.030 Personen auf diesem Weg nach Österreich, im selben Zeitraum 2026 waren es nur 60, wie “Heute” berichtet. Das entspricht einem Rückgang um 94 Prozent. Bei allen 60 handelt es sich um soziale Härtefälle. Der Hintergrund: Die Regierung hat den Familiennachzug für Schutzberechtigte vorübergehend ausgesetzt. Danach soll er über eine zunächst sehr niedrige Quote begrenzt werden.
308 Erstanträge im September
Auch die Asylzahlen sinken weiter. Im September wurden 308 Erstanträge gestellt, um mehr als 58 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Zusammen mit Folgeanträgen waren es 885 Anträge, nach 1.449 im September 2025. Von Jänner bis September kamen österreichweit 7.397 Anträge zusammen, knapp 45 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum mit 13.347. Die meisten Anträge im September stellten mit 216 Syrer, überwiegend handelte es sich laut Ministerium um Kinder, die bereits in Österreich geboren wurden.
Vom Ansturm zur Ausnahme
Wie stark sich die Lage an der Grenze verändert hat, zeigt ein Vergleich aus dem Burgenland. Im Oktober 2022, auf dem Höhepunkt der Fluchtbewegung über die Balkanroute, wurden dort 14.892 Personen aufgegriffen. Im bisherigen Oktober dieses Jahres waren es 16. Der Vergleich hinkt etwas, weil der laufende Monat noch nicht abgeschlossen ist, an der Größenordnung ändert das aber nichts. Als Gründe nennt das Ministerium verstärkte Grenzkontrollen, die Zusammenarbeit mit ungarischen Behörden im Rahmen der “Operation Fox” und verlagerte Schlepperrouten. Die Kontrollen an den Grenzen zu Ungarn, Slowenien, Tschechien und der Slowakei wurden um weitere sechs Monate verlängert.
Knapp 12.000 Ausreisen
Bis Ende September verließen laut Ministerium 11.975 Personen Österreich, etwa die Hälfte davon zwangsweise. Rund 48 Prozent der Abgeschobenen waren in Österreich strafrechtlich verurteilt. Dazu kamen 582 sogenannte Dublin-Überstellungen in jenen EU-Staat, der für das Asylverfahren zuständig ist. Im selben Zeitraum wurden 21.421 Asylverfahren negativ entschieden oder eingestellt, in 8.517 Fällen gab es Asyl oder subsidiären Schutz.
Nur noch fünf Bundesquartiere
Die Folgen zeigen sich auch in der Grundversorgung. Derzeit werden dort österreichweit 40.514 Menschen versorgt, darunter rund 5.200 Asylwerber, der niedrigste Wert seit knapp 30 Jahren. Die größte Gruppe sind mit rund 24.700 Menschen Kriegsvertriebene aus der Ukraine, vor allem Frauen und Kinder. Anfang 2023 lag die Zahl der Grundversorgten noch bei knapp 93.000. Die Zahl der Bundesquartiere sank innerhalb von zwei Jahren von mehr als 30 auf fünf.
Ein europäischer Trend
Österreich steht mit dem Rückgang nicht allein. In ganz Europa einschließlich der Schweiz und Norwegens wurden von Jänner bis September laut Ministerium 452.969 Asylanträge registriert, rund 24 Prozent weniger als im Vorjahr. Deutlich gesunken sind die Zahlen etwa in Polen, Spanien und Deutschland, in Slowenien, Zypern und den Niederlanden stiegen sie dagegen.
Credits: BKA/Tarek Wilde
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