Österreichische Familien bekommen keine Inflationsanpassung bei der Familienbeihilfe – gleichzeitig fließen jährlich hunderte Millionen Euro an Kinderbeihilfen in EU-Länder. Eine parlamentarische Anfrage bringt die Zahlen ans Licht.
340 Millionen Euro für Kinder im Ausland
Die Zahlen sind offiziell. Wie heute.at unter Berufung auf eine parlamentarische Anfragebeantwortung von Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) berichtete, betrugen die von Österreich ausbezahlten Familienleistungen für nicht in Österreich wohnhafte Kinder im Jahr 2024 rund 328 Millionen Euro – 2025 stiegen sie auf knapp 340 Millionen Euro. Die Anfrage stammte von FPÖ-Familiensprecherin Rosa Ecker, die das Sozialsystem als „völlig aus dem Gleichgewicht“ geraten bezeichnet.
Wie 5min.at unter Berufung auf die Anfragebeantwortung berichtete, entfiel mit über 150 Millionen Euro der größte Brocken auf sogenannte Differenzzahlungen – also Ausgleichsleistungen für Arbeitnehmer, deren Heimatland niedrigere Familienleistungen zahlt als Österreich. Die meisten betroffenen Kinder lebten 2025 in Ungarn (12.952), gefolgt von der Slowakei, Rumänien, Slowenien und Polen.
Gleichzeitig: Heimische Familien verlieren durch Einfrieren real Geld
Während die Zahlungen ins Ausland wachsen, werden die Leistungen für Familien in Österreich nicht an die Inflation angepasst. Wie finanz.at dokumentierte, wurden Familienbeihilfe, Kinderbetreuungsgeld und Kinderabsetzbetrag für die Jahre 2026 und 2027 eingefroren – die Beträge bleiben auf dem Niveau von 2025. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) hatte die Maßnahme mit den Worten verteidigt: „Niemand wird weniger bekommen, es wird nur die Erhöhung für zwei Jahre ausgesetzt.“
Rechtlich ist das korrekt – real ist es eine Kürzung. Wie Rechtsanwalt Peter Harlander gegenüber finanzundrecht.at erklärte: „Eine nicht valorisierte Familienleistung bedeutet real einen jährlichen Verlust – still, aber sehr deutlich spürbar.“ Eine Familie mit vier Kindern verliert laut Berechnung allein 2026 rund 255 Euro durch die ausbleibende Inflationsanpassung der Familienbeihilfe.
FPÖ: „Unzumutbarer Zustand“
Die FPÖ nutzt die Kombination aus beiden Entwicklungen für einen gezielten politischen Angriff. Wie exxpress.at berichtete, bezeichnet FPÖ-Familiensprecherin Ecker den Zustand als „unzumutbar“: Österreich friere die Leistungen für die eigenen Familien ein, zahle aber gleichzeitig Hunderte Millionen Euro für Kinder, die nie hier gelebt haben. Sie fordert eine grundlegende Reform des Systems.
Aus EU-rechtlicher Sicht ist der Spielraum der österreichischen Politik dabei begrenzt: Das Prinzip der Gleichbehandlung von EU-Arbeitnehmern verpflichtet Österreich, Familienleistungen auch für im Ausland lebende Kinder von in Österreich beschäftigten Eltern zu zahlen – ein Prinzip, das seit Jahrzehnten gilt und vom Europäischen Gerichtshof mehrfach bestätigt wurde.
Credits: APA

Neueste Kommentare