Fahrtipps statt Preissenkung: Wenn das Ministerium erklärt, wie man Gas gibt

Fahrtipps statt Preissenkung: Wenn das Ministerium erklärt, wie man Gas gibt

Die Spritpreise explodieren, die Energiekrise trifft Pendler und Familien mit voller Wucht – und das Mobilitätsministerium hat die Antwort: zehn Tipps, wie man beim Fahren Treibstoff spart. Pünktlich zum Osterreiseverkehr.

Zehn Tipps, die jeder Fahrschüler kennt

Wie das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur in einer offiziellen Aussendung mitteilt, lässt sich der Spritverbrauch mit einfachen Verhaltensänderungen um zehn bis 15 Prozent senken. Die Tipps lesen sich wie ein Auszug aus dem Fahrschul-Lehrbuch: gleichmäßig fahren, vorausschauend bremsen, früh schalten, niedertourig fahren, den Reifendruck kontrollieren, Dachträger abnehmen und den Motor bei längeren Standzeiten abschalten.

Tipp Nummer neun macht es besonders deutlich: Ein ausgeschalteter Motor verbrauche keinen Sprit – wobei Start-Stopp-Systeme das ohnehin automatisch erledigen, wie das Ministerium selbst einräumt. Und Tipp Nummer acht empfiehlt, Klimaanlage und Sitzheizung sparsam einzusetzen.

Hanke appelliert, die Opposition zweifelt

Mobilitätsminister Peter Hanke (SPÖ) verpackt die Haushaltstipps in staatspolitisches Gewand. Wie das Ministerium mitteilt, betont Hanke: Wer bewusst fahre, spare bares Geld und leiste gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Energieunabhängigkeit Österreichs. Und weiter: Der Minister empfiehlt, Kurzstrecken künftig zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen.

Dabei ist die Ausgangslage ernst. Wie ORF News berichtet, hat das Ministerium selbst festgehalten, dass ein Treibstoffmangel in Österreich derzeit zwar nicht drohe – aber die Preise durch den Krieg im Nahen Osten massiv gestiegen sind. Verordnete Tempolimits oder Fahrverbote lehnte das Ministerium gegenüber ORF.at ausdrücklich ab.

Im Parlament stieß das Regierungspaket zur Spritverbilligung auf breite Skepsis. Wie die Parlamentskorrespondenz festhält, bezweifelt die Opposition die Wirksamkeit der Maßnahmen: Die FPÖ stellte die Wirtschaftskompetenz der Regierung grundsätzlich in Frage, die Grünen wiesen darauf hin, dass die Beschränkung der Unternehmensmargen in der Praxis wohl nur rund fünf Cent Ersparnis bringen werde.

Die eigentliche Maßnahme: Zehn Cent Preisbremse

Die Regierung hat freilich auch Konkretes beschlossen. Wie das Mobilitätsministerium im Bundesrat erläuterte, soll die Spritpreisbremse jeden Liter Benzin und Diesel um zehn Cent verbilligen – durch eine Kombination aus Steuersenkungen und Eingriffen in die Gewinnmargen der Unternehmen. Langfristig setzt Hanke auf Mobilitätswende, Schienenausbau und Elektromobilität. Mehr als 35.000 öffentliche Ladepunkte stünden bereits zur Verfügung, die Zahl der Ultraschnellladepunkte habe sich 2025 auf rund 4.000 verdoppelt, wie Presse-Nachrichten auf Basis der Bundesratsaussendung berichtet.

Was bleibt

Die zehn Spartipps des Ministeriums sind sachlich nicht falsch – sie sind schlicht das, was Autofahrer seit Jahrzehnten wissen. Dass ein Ministerium in einer veritablen Energiekrise zur offiziellen Kommunikationsstrategie greift, den Bürgern zu erklären, sie sollen langsamer fahren, sagt einiges über den Spielraum aus, den die Regierung gerade hat.


Quellen:

  • Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI), APA/OTS-Aussendung, 29. März 2026: bmimi.gv.at / ots.at
  • Top-News.at, 29. März 2026: top-news.at
  • ORF News, 24. März 2026: orf.at/stories/3424699
  • Presse-Nachrichten.de, Bundesrat-Erklärung Hanke, 27. März 2026: presse-nachrichten.de
  • Parlamentskorrespondenz PK0230, 23. März 2026: parlament.gv.at

Credits: APA

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest
0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x