Europas Drahtseilakt: Zwischen Iran-Diplomatie und Ukraine-Angst

Europas Drahtseilakt: Zwischen Iran-Diplomatie und Ukraine-Angst

Europa will Trump nicht verprellen – und gleichzeitig nicht in seinen Krieg hineingezogen werden. Eine heikle Gratwanderung mit hohem Einsatz.

Die Sorge in Brüssel

Hinter verschlossenen Türen wächst in der EU eine konkrete Befürchtung. Wie die Weltwoche unter Berufung auf einen Politico-Bericht berichtet, haben vier EU-Diplomaten gegenüber dem Nachrichtenportal erklärt, in Brüssel werde zunehmend diskutiert, dass US-Präsident Donald Trump die Unterstützung für Kiew als Druckmittel nutzen könnte – als Hebel, um Europa zu einem stärkeren Engagement gegen den Iran zu bewegen. Trump hatte die NATO zuletzt öffentlich als „Papiertiger“ bezeichnet und den Verbündeten vorgeworfen, sich nicht an der Sicherung der strategisch wichtigen Straße von Hormus zu beteiligen, die rund 20 Prozent des globalen Öltransports trägt.

Europas Nein – und seine Kosten

Die europäische Zurückhaltung war anfangs eindeutig. Wie CNN berichtet, lehnte der britische Premier Keir Starmer eine aktive Beteiligung an Trumps Krieg klar ab: „Das war und wird keine NATO-Mission sein.“ Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius sagte laut CNN noch deutlicher: „Das ist nicht unser Krieg.“ Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, Frankreich könne unter den gegenwärtigen Umständen keinesfalls an Operationen zur Öffnung der Straße von Hormus teilnehmen.

Trump ließ seinen Frust öffentlich aus – und legte nach. Wie SRF berichtet, schrieb er auf Truth Social, er habe die NATO immer als Einbahnstraße betrachtet. Europa werde unterstützt, aber tue nichts für die USA. Dann folgte die demonstrative Kehrtwendung: „Wir brauchen gar keine Hilfe.“

Die stille Strategiewende

Doch Europas Haltung änderte sich. Wie Vision Times berichtet, unterzeichneten am 19. März die Regierungschefs aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan und den Niederlanden – später auch Kanada – eine gemeinsame Erklärung. Sie unterstützen demnach politisch die mögliche Bildung einer internationalen Koalition zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Konkrete Militärzusagen enthält das Dokument aber nicht. Wie Vision Times weiter festhält, stimmte Frankreich nach Gesprächen zwischen Rutte, Starmer und Macron letztlich einer politischen Absichtserklärung zu – spezifische militärische Schritte wurden für spätere Beratungen offengelassen.

Wie CBS News aus einem Rutte-Interview berichtet, betonte der NATO-Generalsekretär, 22 Länder hätten sich der Initiative unter britischer Führung angeschlossen. Militärplaner arbeiteten daran, die freie Schifffahrt durch die Meerenge sicherzustellen. Was genau geplant sei, wollte Rutte öffentlich nicht preisgeben.

Das eigentliche Kalkül

Die Weltwoche benennt das dahinterliegende Motiv direkt: Europas Signale der Kooperationsbereitschaft haben laut den Politico-Diplomaten vor allem ein Ziel – Trump zufriedenzustellen, um die amerikanische Unterstützung für die Ukraine nicht zu verlieren. Wie NPR festhält, besteht in Brüssel die reale Sorge, dass US-Rüstungsgüter wie Patriot-Abwehrraketen, die derzeit verstärkt im Nahen Osten verbraucht werden, der Ukraine schlicht nicht mehr zur Verfügung stehen.

Hinzu kommt laut dem Politico-Bericht, auf den die Weltwoche verweist, ein russisches Angebot an Washington: Moskau soll zugesagt haben, die Geheimdienstzusammenarbeit mit dem Iran einzustellen – falls die USA im Gegenzug die Informationsweitergabe an die Ukraine stoppen. In Washington wurde das Angebot angeblich abgelehnt. Aber es zeigt, wie sehr die Ukraine zum Objekt globaler Tauschgeschäfte zu werden droht.

Selenskyj selbst äußerte laut Weltwoche bereits die Befürchtung, dass der US-Fokus auf den Nahen Osten die Friedensbemühungen in seinem Land weiter verzögern könnte.


Quellen:

  • Weltwoche: „Strategie Trump-Beschwichtigung: Wie Europa mit vagen Zusagen im Iran-Krieg die US-Hilfe für Kiew sichert“ (24.03.2026)
  • Politico EU: „War in Iran and Ukraine pull Europe and US apart“ (März 2026)
  • CNN: „Trump lashes out after he fails to convince European allies to help in war with Iran“ (17.03.2026)
  • NPR: „EU rejects Trump’s request to help secure the Strait of Hormuz“ (16.03.2026)
  • SRF: „Nicht unser Krieg: Europa zeigt Trump die kalte Schulter“ (März 2026)
  • Vision Times: „Seven US Allies Back Plan to Reopen Strait of Hormuz“ (19.03.2026)
  • CBS News: Interview mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte, „Face the Nation“ (22.03.2026)
  • Defense News: „European allies tell Trump nein, non and no on help to force open Hormuz Strait“ (17.03.2026)

Credits: APA

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