EU und Australien: Historisches Handelsabkommen nach acht Jahren Verhandlungen

EU und Australien: Historisches Handelsabkommen nach acht Jahren Verhandlungen

Nach fast einem Jahrzehnt zäher Gespräche, einem zwischenzeitlichen Scheitern und einem Neustart unter dem Druck der Trump-Ära steht das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Australien.

Durchbruch in Canberra

Wie das australische Außenministerium offiziell bestätigt, wurden die Verhandlungen am 24. März 2026 in Canberra abgeschlossen – verkündet von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Premierminister Anthony Albanese persönlich im australischen Parlament. Wie Bloomberg berichtet, handelt es sich um den Abschluss von fast einem Jahrzehnt an Gesprächen, die beide Seiten als Bekenntnis zu einer regelbasierten Handelsordnung verstehen – gerade in einer Zeit, in der die USA unter Präsident Donald Trump den globalen Handel mit immer neuen Zöllen aufmischen.

Von der Leyen brachte es gegenüber Journalisten auf den Punkt, wie oe24 berichtet: „Wir senden ein starkes Signal an den Rest der Welt, dass in Zeiten der Turbulenzen Freundschaft und Zusammenarbeit das Wichtigste sind.“

Was das Abkommen bringt

Die Eckpunkte sind beachtlich. Wie die EU-Kommission mitteilt, sollen mehr als 99 Prozent der Zölle auf EU-Warenausfuhren nach Australien wegfallen – das spart europäischen Unternehmen laut Brüssel rund eine Milliarde Euro jährlich. Wie das australische Außenministerium festhält, werden im Gegenzug 98 Prozent des aktuellen Werts australischer Exporte zollfrei in die EU eingeführt werden können.

Die EU-Kommission erwartet laut oe24, dass die EU-Exporte nach Australien im kommenden Jahrzehnt um bis zu 33 Prozent auf 17,7 Milliarden Euro jährlich wachsen könnten. Besonders profitieren sollen Kfz-Hersteller mit einem erwarteten Plus von 52 Prozent, Molkereiprodukte mit 48 Prozent sowie Chemikalien mit 20 Prozent. EU-Investitionen in Australien könnten laut Kommission sogar um mehr als 87 Prozent zulegen.

Für Europa besonders wertvoll: der Zugang zu kritischen Rohstoffen. Wie Euronews unter Berufung auf von der Leyen berichtet, soll das Abkommen den Zugang zu Lithium, Kobalt, seltenen Erden und Wasserstoff aus Australien erleichtern.

Streitpunkt Rindfleisch – und kein Prosecco mehr aus Australien

Der Weg zum Abschluss war alles andere als glatt. Wie AP berichtet, waren es vor allem zwei Knackpunkte, die die Verhandlungen 2023 zum Scheitern brachten: Australien forderte mehr Marktzugang für seine Rindfleischexporte, während Europäer sich dagegen wehrten, dass australische Produzenten ihre Schaumweine als „Prosecco“ vermarkten. Wie AP weiter berichtet, einigte man sich nun auf zwei Zollkontingente für australisches Rindfleisch von insgesamt 30.600 Tonnen. Der Name „Prosecco“ darf von australischen Produzenten zehn Jahre nach Inkrafttreten des Abkommens nicht mehr verwendet werden.

Geopolitischer Hintergrund: Trump als indirekter Treiber

Das Abkommen ist mehr als ein Handelsvertrag. Wie das Büro des australischen Premierministers in einer offiziellen Aussendung festhält, stärkt es die wirtschaftliche und strategische Partnerschaft beider Seiten und demonstriert ihr gemeinsames Bekenntnis zu offenem und regelbasiertem Handel. Ergänzt wird es durch eine neu vereinbarte Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft, die laut oe24 verstärkte Kooperation gegen Cyber-Risiken, hybride Bedrohungen und ausländische Einmischung vorsieht.

Australien will damit auch die starke Abhängigkeit von seinem größten Handelspartner China reduzieren, wie oe24 berichtet. Das Abkommen ist das dritte, das die EU in diesem Jahr abschließt – nach Mercosur und Indien.

Noch kein Datum für Inkrafttreten

Unterzeichnet ist noch nichts. Wie Bloomberg berichtet, muss der Vertragstext zunächst rechtlich geprüft, in alle EU-Amtssprachen übersetzt und anschließend vom Europäischen Rat sowie dem Europäischen Parlament ratifiziert werden. Ein konkretes Startdatum steht damit noch aus.


Quellen:

  • oe24.at: „EU und Australien schließen Handelsabkommen“ (24.03.2026)
  • Australisches Außenministerium (DFAT): Offizielle Projektseite AU-EU FTA (dfat.gov.au)
  • Büro des australischen Premierministers: Gemeinsame Presseaussendung Albanese/von der Leyen (pm.gov.au)
  • Bloomberg: „EU, Australia Seal Free-Trade Deal After Nearly a Decade of Talks“ (24.03.2026)
  • Euronews: „Von der Leyen to visit Australia as trade deal nears finish line“ (18.03.2026)
  • AP/The Hill: „EU and Australia agree on text of free trade pact“ (24.03.2026)
  • Mirage News: Gemeinsames Statement von der Leyen/Albanese (24.03.2026)

Credits: APA

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