EU setzt auf Mini-AKWs: Revolution oder Risiko?

EU setzt auf Mini-AKWs: Revolution oder Risiko?

Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat eine neue Strategie vorgestellt, die auf kleine modulare Atomkraftwerke (Small Modular Reactors, SMRs) setzt. Ziel ist es, Europas Energieversorgung unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu machen und gleichzeitig die Klimaziele zu erreichen. Doch die Pläne stoßen auf gemischte Reaktionen.

Was sind SMRs?

SMRs sind kleinere Atomreaktoren, die modular gefertigt und vor Ort zusammengesetzt werden können. Laut von der Leyen sollen sie eine flexible und zuverlässige Energiequelle darstellen, die rund um die Uhr Strom liefert – im Gegensatz zu wetterabhängigen erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne. „Nuklearenergie und erneuerbare Energien sind keine Gegensätze, sondern ergänzen sich“, betonte sie auf dem Pariser Nukleargipfel.

Vorteile und Versprechen

Die EU plant, bis 2030 erste SMR-Anlagen in Betrieb zu nehmen. Unterstützt wird die Initiative durch eine Investitionsgarantie von 200 Millionen Euro, finanziert aus dem Emissionshandelssystem der EU. SMRs könnten nicht nur Strom, sondern auch Wärme für industrielle Prozesse liefern und so zur Dekarbonisierung beitragen. Zudem sieht die EU in der Technologie ein potenzielles Exportgut, das Europas Position als Hightech-Standort stärken könnte.

Kritische Stimmen

Doch nicht alle sind überzeugt. Die Heinrich-Böll-Stiftung kritisiert, dass SMRs weder technologisch ausgereift noch wirtschaftlich konkurrenzfähig seien. Die meisten Designs befinden sich noch in der Entwicklungsphase und könnten frühestens 2050 in größerem Maßstab Strom liefern. Auch die Kosten sind ein Problem: Der Bau eines einzelnen SMR könnte Milliarden verschlingen, ohne dass signifikante Einsparungen durch Serienproduktion absehbar sind.

Ein weiteres Problem ist die Entsorgung des Atommülls. Laut Experten könnten SMRs sogar mehr radioaktive Abfälle produzieren als herkömmliche Reaktoren. Zudem warnen Kritiker vor Sicherheitsrisiken, da die Überwachung vieler kleiner Anlagen schwieriger sei als die weniger großer Kraftwerke.

Ein globaler Trend?

Europa ist nicht allein mit seinen Plänen. Länder wie die USA, China und Großbritannien investieren ebenfalls in SMR-Technologien. In Kanada wird derzeit der erste kommerzielle SMR gebaut, doch auch dort gibt es Verzögerungen und Kostenüberschreitungen.

Quellen: oe24.at, worldnuclearreport.org, nucnet.org, eu.boell.org
Credits: APA

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