EU-Kommission nimmt Pornoseiten und Snapchat ins Visier – Millionenstrafen drohen

EU-Kommission nimmt Pornoseiten und Snapchat ins Visier – Millionenstrafen drohen

Die EU-Kommission macht ernst beim digitalen Jugendschutz. Wie die EU-Vertretung in Österreich offiziell mitteilt, hat die Brüsseler Behörde nach einer rund zehnmonatigen Untersuchung einen vorläufigen Befund gegen vier der weltweit größten Pornoplattformen veröffentlicht: Pornhub, Stripchat, XNXX und XVideos verstoßen demnach gegen das EU-Gesetz für digitale Dienste (Digital Services Act, DSA). Der Vorwurf: Minderjährige können die Inhalte der Plattformen mit minimalem Aufwand abrufen – ein einfacher Klick reicht, um das Erwachsenenalter zu bestätigen.

Ein Klick als Altersnachweis – das reicht der EU nicht

Wie die EU-Kommission in ihrer offiziellen Pressemitteilung festhält, genügt auf allen vier Plattformen eine Selbstauskunft der Nutzer: Wer angibt, über 18 zu sein, bekommt Zugang – ohne jede Überprüfung. Auch andere Maßnahmen wie verschwommene Vorschaubilder oder Warnhinweise stuft die Kommission als nicht wirksam ein, um Kinder vom Zugriff auf pornografische Inhalte abzuhalten.

Besonders gravierend: Wie die EU-Vertretung in Deutschland berichtet, ergab die Untersuchung auch, dass die Plattformen bei ihren eigenen Risikobewertungen unverhältnismäßig stark auf geschäftliche Belange wie Reputationsschäden geachtet hätten – statt auf die gesellschaftlichen Risiken für Kinder. Stripchat, XVideos und XNXX sollen zudem Treffen mit Kinderrechtsorganisationen in ihren Berichten falsch dargestellt oder gar nicht berücksichtigt haben.

EU-Exekutivvizepräsidentin Henna Virkkunen betonte laut offizieller Kommissionsmitteilung, dass Kinder in immer jüngerem Alter auf Erwachseneninhalte zugreifen und die Plattformen deshalb verpflichtet seien, datenschutzkonforme und wirksame Altersverifikationssysteme einzuführen.

Was jetzt passiert – und was droht

Die vier Unternehmen haben nun die Möglichkeit, zur vorläufigen Feststellung Stellung zu nehmen und Maßnahmen zur Behebung der Mängel zu ergreifen. Wie ZDFheute berichtet, kann die Kommission im Falle eines bestätigten Verstoßes eine Geldbuße von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängen. Parallel dazu führen nationale Behörden eine koordinierte Aktion gegen kleinere Pornoseiten durch, die ebenfalls die DSA-Vorgaben nicht einhalten.

Pornhub-Mutterkonzern Aylo meldete sich zu Wort und erklärte laut MarketScreener, man teile das Ziel des Jugendschutzes, bisherige Lösungen auf Website-Ebene scheiterten aber oft und trieben Nutzer auf unregulierte Seiten. Ein EuGH-Verfahren zu einer anderen DSA-Streitfrage mit Aylo ist zudem noch anhängig.

Snapchat: Ermittlung beginnt erst

Parallel zu den Porno-Plattformen hat die EU-Kommission auch formelle Ermittlungen gegen Snapchat eingeleitet. Wie exxpress.at berichtet, befürchtet die Kommission, dass Erwachsene die Plattform nutzen könnten, um unter falscher Identität mit Minderjährigen in Kontakt zu treten und sie etwa zur Übersendung von Nacktfotos zu bringen. Weitere Vorwürfe betreffen Werbung für Drogen und altersbeschränkte Produkte sowie Push-Benachrichtigungen, die nach Einschätzung der Kommission die Suchtgefahr fördern. Die Anmeldung bei Snapchat erfordert zwar die Angabe eines Geburtsdatums, eine echte Überprüfung findet jedoch nicht statt.

EU-App kommt – aber erst 2027

Eine EU-eigene Lösung für datenschutzkonforme Altersverifikation ist zwar in Entwicklung, wie exxpress.at festhält – allerdings soll die entsprechende App erst Anfang 2027 eingeführt werden. Bis dahin müssen die Plattformen selbst geeignete Maßnahmen umsetzen, die gleichzeitig europäischen Datenschutzstandards entsprechen.


Quellen:

  • exxpress.at: EU-Kommission nimmt jetzt Pornoseiten ins Visier, 26. März 2026
  • EU-Kommission / Vertretung Österreich (austria.representation.ec.europa.eu): Offizielle Pressemitteilung zu Pornhub, Stripchat, XNXX und XVideos, 26. März 2026
  • EU-Kommission / Vertretung Deutschland (germany.representation.ec.europa.eu): Offizielle Pressemitteilung, 26. März 2026
  • Euronews (de.euronews.com): EU-Kommission – mehrere Pornoseiten schützen Minderjährige nicht ausreichend, 26. März 2026
  • ZDFheute (zdfheute.de): Jugendschutz – EU-Kommission überprüft Snapchat & Pornoplattformen, 26. März 2026
  • MarketScreener Deutschland: Pornhub, Stripchat, XNXX und XVideos wegen Verstößen gegen EU-Digitalgesetz angeklagt, 26. März 2026

Credits: APA

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