Russland kämpft in der Ukraine — und rüstet gleichzeitig für künftige Konflikte auf. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht des estnischen Auslandsgeheimdienstes hervor. Die Zahlen sind beeindruckend. Die Botschaft dahinter ist es noch mehr.
Sieben Millionen Granaten — nur für 2025
Wie exxpress unter Berufung auf den estnischen Geheimdienstbericht „International Security and Estonia 2026″ berichtet, hat Russland seine Artilleriemunitionsproduktion seit 2021 um mehr als das 17-Fache gesteigert. Allein 2025 produzierten russische Fabriken rund sieben Millionen Granaten, Mörsergeschosse und Raketen — darunter 3,4 Millionen Haubitzengranaten, 2,3 Millionen Mörsergranaten, 800.000 Schuss für Panzer und Schützenpanzer sowie 500.000 Raketen für Mehrfachraketenwerfer.
Vor der Invasion im Februar 2022 verfügte Russland laut Bericht über strategische Bestände von bis zu 20 Millionen Geschossen. In den ersten beiden Kriegsjahren wurde der Großteil davon verbraucht — bei Offensiven zeitweise bis zu 60.000 Schuss täglich. Nun füllt Moskau die Lager wieder. Der estnische Geheimdienst ist dabei klar in seiner Einschätzung: Russland produziert nicht nur für den Krieg von heute. Es produziert auch für den Krieg von morgen.
Nordkorea liefert die Hälfte
Russland verlässt sich dabei nicht allein auf die eigene Industrie. Seit 2023 erhielt Moskau laut Bericht geschätzt fünf bis sieben Millionen Geschosse aus Nordkorea und dem Iran. Nach ukrainischen Einschätzungen, die exxpress wiedergibt, machte nordkoreanische Munition in der zweiten Jahreshälfte 2025 rund die Hälfte des russischen Artillerieverbrauchs an der Front aus. Der Preisvorteil ist erheblich: Eine ältere russische 152-Millimeter-Granate kostet in staatlicher Beschaffung weniger als 1.050 Euro — deutlich billiger als vergleichbare westliche Munition.
Drohnen-Armee nach Befehl Putins
Neben der klassischen Munitionsproduktion treibt Russland laut dem estnischen Bericht eine Drohnen-Revolution voran. Putin ordnete im Herbst 2025 den Aufbau einer eigenen Teilstreitkraft für unbemannte Systeme an — mit dem Ziel, rund 190 Bataillone für unbemannte Systeme zu schaffen. Betroffen sind Landstreitkräfte, Luftlandetruppen und Marineinfanterie.
Für die NATO-Ostflanke besonders relevant: In der Baltischen Flotte wurde bereits ein Regiment für unbemannte maritime Angriffsfahrzeuge gebildet. Zusätzlich entsteht laut exxpress ein UAV-Regiment unter direktem Kommando des Leningrader Militärbezirks — in unmittelbarer Nähe zu Estland. Die Kombination aus Masse und moderner Drohnentechnologie ist dabei die eigentliche strategische Botschaft: Russland verbindet alte Stärke mit neuer Präzision.
Sanktionen bremsen — stoppen tun sie nicht
Der Westen hat Russlands Rüstungsindustrie unter erheblichen Druck gesetzt, besonders bei Halbleitern, Maschinenbau und Luftfahrtkomponenten. Doch wie exxpress unter Berufung auf den Geheimdienstbericht festhält, passt sich Moskau an: durch verschleierte Endnutzer, Zwischenhändler, Umverpackungen und Lieferrouten über Fernost, Nahost, Zentralasien und Afrika. Eine zentrale Rolle spiele dabei der russische Militärgeheimdienst GRU. Eine vollständig von ausländischen Komponenten unabhängige Rüstungsproduktion sei auf absehbare Zeit nicht erreichbar — was Russland dazu zwinge, Sanktionen weiter zu umgehen.
Keine Panik — aber Wachsamkeit
Der estnische Geheimdienst schließt einen unmittelbar bevorstehenden russischen Angriff auf die NATO im kommenden Jahr ausdrücklich aus. Entwarnung ist das dennoch nicht: Russlands Militärreformen würden die Fähigkeiten der Streitkräfte in den kommenden Jahren erhöhen. Russland baue keine normale Wirtschaft — es baue eine Kriegswirtschaft, in der fast alle zivilen Sektoren bereits in der Rezession seien, während Munitions- und Drohnenproduktion wachsen.
Credits: APA
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