Steiner lädt Glettler auf Kaffee ein — der Streit geht trotzdem weiter

Steiner lädt Glettler auf Kaffee ein — der Streit geht trotzdem weiter

Nach dem Zwischenruf beim Gauder Fest versucht FPÖ-Abgeordneter Christoph Steiner die Wogen zu glätten — mit einem Social-Media-Video und einer Einladung zum Gespräch. Seinen inhaltlichen Standpunkt räumt er dabei nicht.

Einladung per Video — und per Brief an die Diözese

Wenige Tage nach dem Vorfall in Zell am Ziller wählte Steiner einen ungewöhnlichen Weg zur Deeskalation. Auf Social Media wandte er sich direkt an Bischof Hermann Glettler: „Ich lade dich ein, lieber Herr Bischof, gehen wir zwei auf Kaffee und Kuchen.“ In Österreich und Tirol gelte schließlich: „Durchs Reden kommen die Leute zusammen.“ Er glaube, so Steiner laut den Salzburger Nachrichten, die zwei könnten „ganz ohne Zwischenrufe der ÖVP ein gutes Gespräch führen — über deine Vorstellungen, über meine Vorstellungen.“ Parallel dazu ließ er laut SN bereits eine formelle Einladung per Brief an die Diözese Innsbruck ergehen. Glettler hat sich bis dato nicht geäußert.

Steiners Version: Kein Schreien — nur Murmeln

Am inhaltlichen Vorwurf gegen Glettler hält Steiner fest. Er habe in der Predigt eine „politische Agitation gegen die FPÖ“ erkannt, die in einer Eucharistiefeier nichts verloren habe. Als gläubiger Katholik stört ihn, dass der Bischof „seine politische Einstellung von der Kanzel herunterpredigt“. Den genauen Ablauf des Zwischenrufs schildert er anders als Zeugen: Er habe „vor sich selbst hin“ und zu neben ihm sitzenden Parteikollegen gesagt, Glettler wäre besser Politiker geworden. Jemand aus einer anderen Reihe habe daraufhin „Aber kein G’scheiter“ gerufen, worauf er erwidert habe: „Dann halt bei den Grünen.“ Lautstark oder schreiend sei das nicht gewesen, so Steiner laut den Salzburger Nachrichten.

Was Glettler tatsächlich sagte

Die Predigt wurde im Wortlaut auf der Homepage der Diözese Innsbruck veröffentlicht. Darin warnte Glettler laut SN vor jenen, die „das Blaue vom Himmel versprechen“ und die „Klaviatur von Neid, Hass und Verlustängsten beherrschen — gegen Sozialbetrüger und ‚Völkerwanderer'“. Neid erzeuge Neid, Enthemmung führe zu weiterer Enthemmung. Den FPÖ-Bezug stellte er dabei nicht explizit her. Sein Appell: weg von der „gefährlichen Abschottung in den eigenen ideologischen Blasen“, hin zur gemeinsamen Suche nach Lösungen.

ÖVP empört, FPÖ kontert

Die Tiroler ÖVP ließ kein gutes Haar an Steiner. Landtagsvizepräsident Dominik Mainusch sprach von „Fremdschämen“, Klubobmann Jakob Wolf von einem inakzeptablen „Maulkorb“ für den Bischof und forderte ein Machtwort von FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger. Landeshauptmann Anton Mattle ortete auf ORF Tirol ein „völlig unpassendes Verhalten.“

Die Tiroler FPÖ konterte laut SN mit dem Vorwurf eines „erschreckenden Schauspiels politischer Arroganz“ und „Scheinempörung“ — und sprach von einem Ablenken der ÖVP von eigenen Problemen. Glettler hat auf eine APA-Anfrage bis dato keine Stellungnahme abgegeben.

Credits: Parlamentsdirektion/Thomas Topf

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