Zwei aktuelle EY-Studien zeigen: Österreichs Unternehmen haben die Künstliche Intelligenz entdeckt. Aber zwischen Pilotprojekt und echtem Geschäftserfolg liegt für die meisten noch eine große Lücke.
KI im Mittelstand: Von 26 auf 43 Prozent in einem Jahr
Der Sprung ist beachtlich. Laut der EY-Studie „Digitaler Wandel in österreichischen Mittelstandsunternehmen 2026″, für die über 500 Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitenden befragt wurden, nutzen bereits 43 Prozent der österreichischen Mittelständler KI-Anwendungen im eigenen Betrieb. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 26 Prozent. Bei Unternehmen mit mehr als 30 Millionen Euro Jahresumsatz sind es sogar 70 Prozent, wie internetworld.at unter Berufung auf die Studie berichtet.
Gleichzeitig messen 82 Prozent der befragten Unternehmen digitalen Technologien heute eine mittelgroße bis sehr große Bedeutung für das eigene Geschäftsmodell bei — ein Rekordwert seit Beginn der Vergleichsdaten im Jahr 2016, wie itwelt.at festhält.
Das Problem: Testen ja, Skalieren nein
Hinter den Wachstumszahlen steckt eine strukturelle Schwäche, die der EY KI Readiness Check 2026 schonungslos offenlegt. Von den 69 Prozent der größeren Unternehmen, die KI zumindest in Form von Pilotprojekten nutzen, haben laut OTS gerade einmal acht Prozent die Technologie unternehmensbreit skaliert und erzielen messbare Effizienzsteigerungen. 21 Prozent nutzen KI produktiv in mehreren Bereichen. Fast ein Drittel setzt KI in keinem einzigen Bereich ein.
Fast die Hälfte der Unternehmen mit KI-Einsatz (47 Prozent) kann zudem noch keine wirtschaftliche Bewertung vornehmen — sie wissen also nicht, ob sich die Investition lohnt. Nur 26 Prozent haben den Return on Investment klar definiert, lediglich 20 Prozent sehen einen nachweisbaren Beitrag zum Geschäftserfolg, wie trendingtopics.eu berichtet.
„Viele Unternehmen haben heute beeindruckende Proof-of-Concepts — aber zu wenige produktive KI-Systeme mit messbarem Business Impact“, formuliert EY-KI-Chef Patrick Ratheiser das Problem laut OTS direkt.
Wo KI eingesetzt wird — und wo nicht
Am häufigsten kommt KI laut trendingtopics.eu in IT, Sicherheit und Betrieb zum Einsatz (39 Prozent), gefolgt von Marketing und Vertrieb (37 Prozent). Hauptziele sind Produktivitätssteigerung (41 Prozent) und Kostensenkung (24 Prozent). Umsatz- und Wachstumspotenziale spielen mit drei Prozent kaum eine Rolle — obwohl genau dort, so EY-Partnerin Susanne Zach laut OTS, der eigentliche strategische Hebel liege: „Wer KI nur als Sparprogramm versteht, wird einen großen Teil ihres Potenzials ungenutzt lassen.“
EU AI Act: Kaum jemand hat ihn auf dem Radar
Ein weiterer blinder Fleck: Der EU AI Act, der seit 2024 schrittweise in Kraft tritt und klare Anforderungen an den Umgang mit KI-Systemen stellt, ist für die meisten österreichischen Unternehmen noch kein Thema. Nur 26 Prozent sehen ihn als relevant für ihren KI-Einsatz an, lediglich 24 Prozent haben konkrete Maßnahmen eingeleitet, wie trendingtopics.eu unter Berufung auf die EY-Daten berichtet.
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