Erste Tankstellen ohne Sprit: Was der Iran-Krieg mit Europas Zapfsäulen macht

Erste Tankstellen ohne Sprit: Was der Iran-Krieg mit Europas Zapfsäulen macht

Der britische Supermarktriese Asda schlägt Alarm. An einzelnen Zapfsäulen im Vereinigten Königreich fehlt der Kraftstoff — und Experten warnen: Was jetzt in Großbritannien passiert, könnte bald auch den Kontinent treffen.

Nachfrage überholt das Angebot

Der Auslöser ist bekannt: Seit Ende Februar, als die USA und Israel ihren Militäreinsatz gegen den Iran starteten, ist die Straße von Hormus de facto blockiert — jene Meerenge, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Öls fließen. Wie die Nachrichtenagentur PA berichtet, haben sich die Treibstoffpreise seitdem erheblich verteuert, weil der Krieg die Produktion und Lieferketten aus der Region massiv störte.

Die Folgen zeigen sich nun direkt an britischen Tankstellen. Asda, Großbritanniens zweitgrößter Kraftstoffhändler, warnt, dass vereinzelte Zapfsäulen in seinem Netz von temporären Engpässen betroffen sind — ausgelöst durch einen massiven Nachfrageschub verunsicherter Autofahrer.

Was Asda-Chef Leighton sagt

Allan Leighton, Asda-Vorstandschef, betonte gegenüber der Presseagentur PA den begrenzten Charakter der Probleme: Die Engpässe träfen bisher nur einzelne Pumpen an einer kleinen Zahl von Standorten, wenn gerade auf eine Lieferung gewartet werde — kein Standort sei vollständig ohne Kraftstoff.

Dennoch ist die Lage angespannt. Laut RAC Fuel Watch ist der durchschnittliche Benzinpreis auf über 150 Pence pro Liter gestiegen — der höchste Stand seit Mitte Mai 2024. In nur vier Wochen kletterte der Preis um 17,3 Pence, Diesel kostet bereits 177,68 Pence pro Liter, wie GB News berichtet.

Leighton wies Vorwürfe des Preismissbrauchs zurück. Premierminister Sir Keir Starmer hatte zuvor angekündigt, einzugreifen, wenn Händler Kunden durch überhöhte Preise ausnehmen sollten. Der Asda-Chef hält dagegen: Die Gewinnmarge seines Unternehmens werde durch die Krise sinken, nicht steigen — und der Staat kassiere über die Kraftstoffsteuer ohnehin kräftig mit.

Shell-Chef warnt Europa

Während sich die britische Branche noch als stabil bezeichnet, zeichnet Shell-CEO Wael Sawan ein deutlich düstereres Bild für den Kontinent. Beim CERAWeek-Energiekongress in Houston erklärte er, wie Bloomberg berichtet, Südasien habe die volle Wucht der Krise zuerst gespürt — dann verlagerte sie sich nach Südostasien, Nordostasien, und nun, mit Annäherung an den April, zunehmend nach Europa.

Die Reihenfolge der betroffenen Kraftstoffarten ist dabei klar: Kerosin ist bereits knapp, als nächstes droht Diesel unter Druck zu geraten, gefolgt von Benzin — just zu Beginn der sommerlichen Fahrsaison, wie OilPrice.com unter Berufung auf Reuters schreibt.

Europas Problem sei laut Sawan die fehlende Vorsorge: Man befinde sich zu sehr im Reaktionsmodus, statt die Energiestrategie fünf bis zehn Jahre vorauszudenken.

Erste Staaten reagieren — auch Österreich beobachtet

Die Krise ist in Teilen Europas bereits Realität. Wie CNBC berichtet, wurde Slowenien zum ersten Land in Europa, das eine Kraftstoffrationierung einführte. Spanien schnürte ein Hilfspaket von fünf Milliarden Euro, das Steuersenkungen auf Strom und Gas sowie Subventionen für Transportbetriebe und Landwirte umfasst.

Die Internationale Energieagentur (IEA) empfiehlt unterdessen Sparmaßnahmen: mehr Homeoffice, stärkere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, Diskussionen über Tempolimits auf Autobahnen.

Für Österreich ist die Lage noch vergleichsweise ruhig — aber die Entwicklungen in London und bei Shell zeigen: Die Versorgungslage bleibt fragil, und der April könnte neue Überraschungen bringen.


Quellen:

  • PA / ITV News: Asda reports temporary fuel shortages as petrol hits 150p a litre (27.03.2026) — itv.com
  • GB News: Asda issues urgent fuel warning as some petrol stations face ’shortages‘ (27.03.2026) — gbnews.com
  • Bloomberg: Shell Boss Warns Europe Is Next After Asia Suffers Fuel Supply Squeeze (24.03.2026) — bloomberg.com
  • CNBC: Oil giants raise the alarm over energy shortages as Iran war drags on (25.03.2026) — cnbc.com
  • OilPrice.com / Reuters: Europe Faces Looming Fuel Shortages as Shell Warns of April Crunch (25.03.2026) — oilprice.com

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