Die Affäre rund um den ehemaligen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann nimmt kein Ende. Nach seinem Rücktritt im März steht nun nicht nur er, sondern auch seine frühere Anklägerin und deren Anwalt im Fokus der Justiz. Die Staatsanwaltschaft Wien hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Erpressung und des Missbrauchs von Tonaufnahmen eingeleitet.
Tonbandaufnahmen und Vorwürfe
Die ORF-Mitarbeiterin, die Weißmann sexuelle Belästigung vorgeworfen hatte, soll ohne sein Wissen Gespräche aufgezeichnet und diese später Dritten vorgespielt haben. Laut „Profil“ wurden diese Aufnahmen in der Kanzlei ihres Anwalts präsentiert – unter anderem vor dem ORF-Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer. Die Forderung: Weißmann solle zurücktreten und Schadenersatz leisten, andernfalls drohe die Veröffentlichung belastender Materialien. Weißmann trat daraufhin zurück, bestritt jedoch die Vorwürfe und erstattete Anzeige.
Compliance-Bericht sorgt für Diskussionen
Ein interner Compliance-Bericht des ORF kam zu dem Schluss, dass keine sexuelle Belästigung im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes vorliege. Dennoch wurde Weißmann gekündigt, da sein Verhalten als unangemessen für eine Führungskraft eingestuft wurde. Die interimistische ORF-Chefin Ingrid Thurnher betonte, dass der ORF alle Betroffenen unterstützen werde, die Übergriffe erlebt haben.
Klage gegen den eigenen Arbeitgeber
Parallel dazu sorgt ORF III-Programmgeschäftsführer Peter Schöber für Schlagzeilen. Er klagt den ORF, um die Einsichtnahme in einen Compliance-Bericht zu verhindern, der Vorwürfe gegen ihn wegen Mobbing und problematischen Führungsverhaltens behandelt. Die FPÖ kritisierte diesen Schritt scharf und forderte „volle Transparenz“.
Ein Fall, der Wellen schlägt
Die Causa Weißmann zeigt, wie tief die Gräben innerhalb des ORF sind. Während die Justiz die Vorwürfe prüft, bleibt unklar, wie sich die Situation weiterentwickeln wird. Sicher ist nur: Der ORF steht vor einer Zerreißprobe.
Quellen: oe24.at, derStandard.at, DiePresse.com, Heute.at, ORF.at
Credits: APA
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