Ein Skandal, der keiner war: Der „Standard“ berichtete am 13. November 2025 über angebliche Verbindungen zwischen dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz und dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Doch nur wenige Stunden später musste die Zeitung zurückrudern und den Artikel korrigieren. Was war passiert?
Die Behauptung: Kurz und Epstein – eine brisante Verbindung?
Laut dem „Standard“ sollten E-Mails aus dem Nachlass von Jeffrey Epstein belegen, dass Kurz 2018 ein Treffen mit Epstein geplant habe. Vermittelt werden sollte dieses Treffen angeblich von Steve Bannon, dem ehemaligen Chefstrategen von Donald Trump. Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer, befeuert von sozialen Medien und anderen Medienhäusern wie der „Presse“ und der „Kronen Zeitung“ (Kurier, 13.11.2025).
Doch die Aufregung war verfrüht. Kurz’ Sprecher dementierte die Vorwürfe umgehend: „Sebastian Kurz kennt weder Epstein noch Bannon. Solche Behauptungen sind absurd und Teil des politischen Zirkus“, erklärte er gegenüber dem „Standard“ (Der Standard, 13.11.2025).
Die Wahrheit: Ein Fehler mit Folgen
Wie sich herausstellte, hatte der „Standard“ die Reihenfolge der E-Mails zwischen Epstein und Bannon falsch interpretiert. Tatsächlich ging es nicht um ein Treffen zwischen Kurz und Epstein, sondern um ein mögliches Treffen zwischen Kurz und Bannon. Epstein selbst war in diese Pläne nicht involviert, wie der „Kurier“ berichtete (Kurier, 13.11.2025).
Die Korrektur folgte prompt: Der ursprüngliche Titel „Epstein-Mails: Trump-Berater vermittelte Treffen zwischen Kurz und Epstein“ wurde in „Epstein-Mails: Trump-Berater Bannon und Epstein diskutierten Treffen mit Kurz“ geändert (Exxpress, 13.11.2025).
Hintergrund: Warum war Kurz überhaupt Thema?
Die E-Mails stammen aus dem Jahr 2018, als Kurz als Bundeskanzler die EU-Ratspräsidentschaft vorbereitete. In diesem Kontext suchte Bannon offenbar den Kontakt zu Kurz, um politische Themen zu besprechen. Epstein, der zu diesem Zeitpunkt bereits als Sexualstraftäter bekannt war, spielte dabei keine aktive Rolle. Der „Standard“ vermutete, dass Bannons Interesse an Kurz auch mit dessen restriktiver Migrationspolitik zusammenhing, die Bannon öffentlich lobte (Der Standard, 13.11.2025).
Ein Déjà-vu für die Medienlandschaft?
Der Fall erinnert an ähnliche journalistische Fehltritte, wie sie kürzlich bei der BBC für Schlagzeilen sorgten. Dort mussten hochrangige Verantwortliche zurücktreten, nachdem eine Dokumentation bewusst irreführend geschnitten worden war (Exxpress, 13.11.2025).
Credits: APA
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