Engelhorn und Marterbauer fordern Obergrenze für Vermögen — eine Million soll Schluss sein

Engelhorn und Marterbauer fordern Obergrenze für Vermögen — eine Million soll Schluss sein

Beim Live-Talk des Momentum Instituts in Wien wurde eine Debatte geführt, die weit über Steuerpolitik hinausgeht: BASF-Erbin Marlene Engelhorn und Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) diskutierten gemeinsam über Reichtum, Erbschaften — und eine mögliche Obergrenze für Privatvermögen.

Das Setting: Wer hier mit wem spricht

Der Rahmen ist bewusst gewählt. Das Momentum Institut, ein wirtschaftspolitischer Thinktank, der sich offen für Umverteilung ausspricht, lud zum ersten „Zündstoff Live“ in die Kulisse Wien. Auf der Bühne: Marlene Engelhorn, die Urururenkelin des BASF-Gründers, die ihr geerbtes Vermögen von rund 25 Millionen Euro 2024 von einem Bürgerrat verteilen ließ, sowie Finanzminister Marterbauer. Wie moment.at berichtet, sprachen beide über Reichtum, Macht, Mythen, Erbschaften und die aus ihrer Sicht auffällige politische Schonung großer Vermögen.

Engelhorns Kernthesen: „Selfmade ist eine Lüge“

Engelhorn lieferte beim Talk ihre bekannten Positionen, scharf formuliert. Vermögen sei laut exxpress die Fähigkeit, aus Eigentum Einkommen zu generieren, ohne selbst zu arbeiten. „Selfmade“ bezeichnete sie als „Lüge“, Philanthropie als „Ablasshandel“. Die Lösung, die sie fordert: „Überreichtum“ müsse abgeschafft werden. Konkret schlug sie eine Privatvermögens-Obergrenze von einer Million Euro vor — darüber hinaus soll Schluss sein.

Zum Hintergrund: Engelhorn hat sich laut Wikipedia seit Jahren für Vermögens- und Erbschaftssteuern eingesetzt, ist Teil des internationalen Netzwerks „Millionaires for Humanity“ und hat ihr Erbe bewusst einem demokratischen Gremium zur Verteilung übergeben, weil sie die ungleiche Vermögensverteilung für demokratiegefährdend hält.

Marterbauer: Erbschaftssteuer nach 2029 — und eine Vermögensobergrenze

Bemerkenswert war der Auftritt des Finanzministers: Marterbauer widersprach Engelhorns Forderungen nicht, sondern ordnete sie ein und ging in Teilen weiter. Laut exxpress erklärte er, für die Demokratie sei es gefährlich, wenn die Reichen zu viel Einfluss hätten, und kündigte eine Erbschaftssteuer „nach 2029″ an. Darüber hinaus eröffnete er die Debatte über eine „Obergrenze für Vermögen“ — ein Begriff, der in der österreichischen Regierungspolitik bisher nicht auftauchte.

Marterbauer ist SPÖ-Finanzminister in der aktuellen Dreierkoalition mit ÖVP und NEOS. Die Koalitionspartner haben bislang keine entsprechenden Signale gesendet; konkrete Pläne für eine Vermögensobergrenze liegen derzeit nicht vor.

Kritik am Konzept: Was die Gegenposition sagt

Das Austrian Institute, ein liberaler Wirtschafts-Thinktank, hat Engelhorns Positionen bereits 2023 grundlegend widersprochen: Eigentum und Unternehmertum seien nicht Nullsummenspiel, sondern Grundlage für Wohlstandswachstum. Eine Erbschaftssteuer würde die Staatsquote weiter erhöhen, die in Österreich bereits bei rund 56 Prozent des BIP liegt. Auch das Argument, Kapital schaffe Erträge, ohne Leistung zu erbringen, greife zu kurz: Kapital bringe nur dann Rendite, wenn es produktiv eingesetzt werde und Nachfrage erzeuge.

Was auf dem Tisch liegt — und was noch offen ist

Fest steht: SPÖ-Finanzminister Marterbauer hat beim Momentum-Talk öffentlich eine Debatte über eine Vermögensobergrenze eröffnet und eine Erbschaftssteuer für die Zeit nach 2029 in Aussicht gestellt. Ob und wie sich ÖVP und NEOS dazu positionieren werden, ist offen. Die Forderung Engelhorns nach einem Millionendeckel auf Privatvermögen bleibt vorerst eine politische Kampfansage — keine Regierungspolitik.


Quellen:

  • moment.at / Momentum Institut: ZÜNDSTOFF Live: Marlene Engelhorn und Markus Marterbauer (März 2026) — moment.at
  • Wikipedia: Marlene Engelhorn — de.wikipedia.org
  • profil.at: Marlene Engelhorn: „Ich bin ein Crouton, vollgesogen von Reichensuppe“ (Juni 2025) — profil.at
  • Austrian Institute: Millionenerbin Engelhorn – gut gemeint, aber falsch gedacht (Februar 2023) — austrian-institute.org
  • exxpress.at (Stefan Beig): Marterbauer für Vermögens-Obergrenze — Engelhorn fordert Millionendeckel (28.03.2026) — exxpress.at

Credits: APA

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